Die Regeln stehen im Kopf, die Kartenwerte sitzen, und trotzdem kommt am ersten Abend am Skattisch dieser Moment, in dem man die Karten in der Hand hält und nicht recht weiß, was jetzt eigentlich der Reihe nach passiert. Wer sagt was beim Reizen? Wann kommt der Skat ins Spiel? Und wie wird am Ende gezählt? Ich gehe deshalb einmal eine ganze Runde mit dir durch, von der ersten gegebenen Karte bis zum Eintrag auf dem Zettel, an einem einzigen Blatt, das ich Stück für Stück durchrechne. So siehst du nicht sieben einzelne Regeln, sondern einen Ablauf, der sich am Tisch von selbst einspielt.
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Karten geben: 32 Blatt, drei Spieler, zwei in den Skat
Skat wird mit 32 Karten gespielt, also Sieben bis Ass in vier Farben. Am Dreiertisch spielen alle drei mit. Links vom Geber sitzt die Vorhand, dann die Mittelhand, der Geber selbst ist die Hinterhand. Sind es vier am Tisch, setzt der Geber aus und die anderen drei nehmen die Plätze ein; die Einzelheiten dazu stehen unter Spieleranzahl.
Gegeben wird nicht wild, sondern nach fester Reihenfolge. Üblich sind drei Karten an jeden, dann zwei verdeckt in die Mitte, das ist der Skat, dann vier an jeden und zum Schluss noch drei. Jeder hat am Ende zehn Karten, zwei liegen verdeckt im Skat. Dass die Reihenfolge genau eingehalten wird, ist keine Förmlichkeit, sondern verhindert Streit und Schummelei; wie das sauber geht, habe ich unter Skat geben beschrieben.
Nehmen wir mein Blatt für diese Runde. Ich sitze in Vorhand und halte nach dem Geben:
Kreuz-Bube, Pik-Bube, Kreuz-Ass, Kreuz-Zehn, Kreuz-König, Kreuz-Acht, Herz-Ass, Herz-Neun, Karo-Ass, Karo-Sieben.
Blatt sortieren und einschätzen
Bevor ich irgendetwas sage, ordne ich. Ich lege die Trümpfe zusammen und trenne die Farben, damit ich auf einen Blick sehe, was ich habe; meine Sortierweise steht unter Blatt sortieren. Für ein Farbspiel gehören die vier Buben und die gesamte Trumpffarbe zu den Trümpfen. Mit Kreuz als Trumpf hätte ich also Kreuz-Bube und Pik-Bube dazu die vier Kreuz, macht sechs Trümpfe, darunter die beiden höchsten Buben. Dazu kommen drei Asse, Kreuz, Herz und Karo.
Das ist ein klares, kräftiges Blatt. Sechs Trümpfe mit den zwei ranghöchsten Buben geben mir die Kontrolle, drei Asse bringen sichere Augen. Wie ich vor dem Reizen ehrlich abschätze, was ein Blatt trägt, steht ausführlich unter Sichere Stiche zählen. Hier ist die Sache eindeutig: Kreuz will ich spielen.
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Das Reizen: wer bekommt das Spiel
Jetzt wird gereizt, und das ist der Teil, den Neulinge am häufigsten durcheinanderbringen. Es läuft nicht kreuz und quer, sondern in einer festen Ordnung. Zuerst reizt die Mittelhand die Vorhand an, dann fordert die Hinterhand den Übriggebliebenen. Gereizt wird mit Zahlen, den Reizwerten, beginnend bei 18: 18, 20, 22, 23, 24, 27 und so weiter. Woher jede Zahl kommt, steht unter Reizwerte-Tabelle, und jeden Wert kannst du im Reizwert-Rechner nachschlagen.
Bei uns geht es so: Die Mittelhand sagt mir 18, ich halte mit ja. Sie erhöht auf 20, ich halte. 22, ich halte. 23, ich halte. Bei diesem Punkt steigt die Mittelhand aus und sagt weg. Jetzt ist die Hinterhand dran, sie versucht noch die 24, ich halte auch die, dann gibt auch sie auf. Damit habe ich das Spiel, gereizt bis 24.
Wichtig ist, was ich mir mit dem “ja” verspreche: Mein Spiel muss am Ende mindestens so viel wert sein, wie ich gereizt habe. Reize ich höher, als mein Blatt trägt, verliere ich, selbst wenn ich genug Stiche mache; das nennt man Überreizen und kostet doppelt, siehe Überreizen. Mein Kreuzspiel ist gut 36 wert, dazu gleich mehr, die 24 ist also gedeckt.
Skat aufnehmen und drücken
Als Alleinspieler darf ich entscheiden, ob ich den Skat aufnehme oder ihn liegen lasse und Hand spiele. Zum Unterschied habe ich unter Hand spielen oder aufnehmen mehr geschrieben. Heute nehme ich auf. Im Skat liegen Pik-Zehn und Karo-König. Jetzt halte ich zwölf Karten und muss zwei wieder verdeckt weglegen, das ist das Drücken.
Ich will keine Trümpfe und keine Asse weggeben, sondern Karten, die mir Ärger machen oder Augen kosten könnten. Die Pik-Zehn ist zehn Augen wert, steht aber blank da, ich habe sonst kein Pik außer dem Buben, der als Trumpf zählt; einzeln kann sie mir leicht abgenommen werden. Also drücke ich sie. Dazu lege ich den Karo-König. Beide wandern verdeckt beiseite, und ihre 14 Augen, zehn und vier, zählen am Ende trotzdem für mich, denn gedrückte Karten gehören zum Stich des Alleinspielers. Wie ich beim Drücken denke, steht unter Skat drücken.
Mein Blatt für das Spiel ist damit: Kreuz-Bube, Pik-Bube, Kreuz-Ass, Kreuz-Zehn, Kreuz-König, Kreuz-Acht, Herz-Ass, Herz-Neun, Karo-Ass, Karo-Sieben. Sechs Trümpfe, drei Asse, genau wie geplant.
Spiel ansagen
Bevor der erste Stich läuft, sage ich an, was ich spiele. Bei mir ist das schlicht “Kreuz”. Ich spiele weder Hand noch sage ich Schneider oder Schwarz an, das wäre Angeberei mit diesem soliden, aber nicht überragenden Blatt. Was die Ansagen bedeuten und wann sie sich lohnen, steht unter Spiel ansagen und Schneider und Schwarz. Ein schlichtes Farbspiel gewinne ich, wenn ich am Ende mindestens 61 der 120 Augen in meinen Stichen habe.
Die zehn Stiche: mein Plan geht auf
Jetzt wird gespielt, und weil ich die beiden höchsten Trümpfe halte, ist mein Plan geradlinig: erst die Trümpfe der Gegner herausziehen, dann meine sicheren Karten kassieren. Diese Marschroute erkläre ich am Farbspiel genauer unter Farbenspiel-Strategie und Als Alleinspieler das Spiel führen.
Ich spiele als Vorhand den Kreuz-Buben an. Die Gegner müssen Trumpf zugeben, und da meine beiden Buben die höchsten sind, fallen unter meinen Kreuz-Buben ihre beiden anderen Buben, der Herz-Bube und der Karo-Bube. Damit sind die vier Buben vom Tisch, und mir gehören sie. Ich lege den Pik-Buben nach; die letzten kleinen Kreuz der Gegner fallen darunter. Nach zwei Runden ist kein gegnerischer Trumpf mehr draußen, ich habe die Kontrolle vollständig.
Jetzt ernte ich. Kreuz-Ass und Kreuz-Zehn laufen ungestört durch, niemand kann noch stechen. Danach spiele ich Herz-Ass, das als höchste Herz sticht, und Karo-Ass ebenso. Meine kleinen Reste, Herz-Neun und Karo-Sieben, sind mir gleichgültig, die gebe ich am Ende ab. Ob dabei noch ein oder zwei magere Stiche an die Gegner gehen, ändert nichts mehr, denn die Augen habe ich längst.
Zählen: die 61 und die Abrechnung
Am Schluss wird gezählt, und zwar Augen, nicht Stiche. Das ist der Punkt, an dem viele Anfänger stolpern; warum die Augen zählen und nicht die Anzahl der Stiche, steht unter Augen zählen. Rechne ich nur meine sicheren eigenen Karten zusammen, komme ich auf: Kreuz-Bube 2, Pik-Bube 2, Kreuz-Ass 11, Kreuz-Zehn 10, Kreuz-König 4, Herz-Ass 11, Karo-Ass 11. Das sind 51 Augen aus der Hand. Dazu die 14 aus dem gedrückten Skat, Pik-Zehn und Karo-König, macht zusammen 65.
Damit bin ich über der 61, und zwar bevor ich auch nur eine einzige gegnerische Karte einrechne. Tatsächlich kommen noch die beiden gegnerischen Buben aus dem ersten Stich dazu und einiges mehr, aber das brauche ich gar nicht: Das Spiel steht schon mit 65. Die Gegner haben zusammen 55 Augen, liegen also klar über 30 und sind damit nicht im Schneider.
Bleibt der Spielwert. Ich habe Kreuz gespielt, Grundwert 12. Ich hielt beim Reizen die beiden obersten Buben, es fehlte mir der nächste, also spiele ich “mit zwei”, und mit zwei spielt drei. Zwölf mal drei ergibt 36. Wie diese Rechnung genau funktioniert, steht unter Skat-Werte berechnen, und schnell nachschlagen kannst du sie im Spielwert-Rechner. Die 24, die ich gereizt hatte, ist von den 36 sauber gedeckt, kein Überreizen. Ich schreibe mir also 36 Punkte gut.
Aufschreiben und weiter zur nächsten Runde
Der Zettel bekommt eine Zeile: plus 36 für mich, die Gegner bleiben leer. Wie so ein Blatt aussieht und welche Zählweisen es gibt, steht unter Skat aufschreiben. Dann wird neu gemischt, der nächste gibt, und die Vorhand rückt einen Platz weiter. So läuft Runde um Runde, bis die vereinbarte Zahl an Spielen voll ist.
Wenn du dir diesen einen Durchgang einprägst, hast du das Gerüst für jeden Abend: geben, sortieren, reizen, aufnehmen oder Hand, drücken, ansagen, die Stiche mit Plan spielen, Augen zählen, Wert eintragen. Die Reihenfolge ist immer dieselbe, nur die Blätter wechseln. Und das eigentlich Schöne kommt erst danach, wenn du nicht mehr über den Ablauf nachdenken musst und der Kopf frei wird für das, worauf es wirklich ankommt, nämlich die richtige Karte zur richtigen Zeit.