Geben ist die unauffälligste Handlung am Skattisch, und gerade deshalb wird sie oft schlampig gemacht. Karten schnell verteilen, Skat irgendwo dazwischen legen, los geht es. Solange niemand Karten falsch bekommt, fällt das nicht auf. Wird aber eine Karte aufgeworfen oder hat plötzlich jemand elf Blätter, kommt die Frage: was gilt jetzt? Ich habe am Tisch genug Diskussionen darüber erlebt, dass ich den Ablauf einmal sauber aufschreiben will. Die gute Nachricht: die Internationale Skatordnung des Deutschen Skatverbandes regelt das Geben klar und lückenlos. Wer die paar Punkte kennt, spielt schneller und streitet weniger.
Wer gibt und in welche Richtung
Gegeben wird reihum. Wer an einem Serienabend die Spielliste führt, sitzt üblicherweise auf Platz eins und beginnt mit dem Geben; danach wandert das Geben im Uhrzeigersinn weiter. Der Geber teilt ebenfalls im Uhrzeigersinn aus, also zuerst an seinen linken Nachbarn. Dieser linke Nachbar ist die Vorhand und kommt später auch beim Spiel zuerst an die Reihe.
Am Dreiertisch gibt jeder Spieler mit, ist also selbst Geber, Mittelhand oder Vorhand, je nachdem, wo er im Umlauf gerade steht. Am Vierertisch sitzt der Geber aus: er verteilt die Karten, spielt die Runde aber nicht mit, sondern schaut zu. Das ist der Grund, warum man am Vierertisch pro Umlauf ein Spiel mehr braucht, bis jeder gleich oft Vorhand war. Wenn du dir über die Sitzordnung bei drei, vier oder fünf Spielern unsicher bist, habe ich das im Beitrag zur Spieleranzahl ausführlich beschrieben.
Mischen und Abheben
Vor dem Geben werden die Karten gründlich gemischt. Das ist kein Ritual, sondern Pflicht: ein sauber gemischtes Blatt ist die Grundlage dafür, dass niemand aus der Kartenlage der Vorrunde Rückschlüsse ziehen kann. Wer nur zwei lustlose Handbewegungen macht, gibt den Mitspielern unter Umständen verwertbare Muster.
Danach lässt der Geber vom rechten Nachbarn abheben. Abheben ist ebenfalls Pflicht, und dabei gilt eine feste Grenze: es müssen mindestens vier Karten liegen bleiben und mindestens vier Karten abgehoben werden. Man darf also nicht knapp unter der obersten Karte abheben und auch nicht fast den ganzen Stapel wegnehmen. Wer das Abheben ganz auslässt, verstößt gegen die Ordnung; im Ernstfall kann das ein Grund sein, neu zu geben. Statt abzuheben kann der Nachbar auch klopfen, wenn beide Parteien das so vereinbaren, aber das ist bereits eine Tischkonvention und keine Pflicht.
Die Austeilfolge: drei, Skat, vier, drei
Jetzt kommt der Teil, den man sich merken sollte, weil er nicht willkürlich ist. Gegeben wird in vier Schritten:
- Zuerst bekommt jeder Mitspieler drei Karten.
- Dann werden zwei Karten verdeckt in die Tischmitte gelegt: das ist der Skat.
- Danach bekommt jeder Mitspieler vier Karten.
- Zuletzt bekommt jeder noch einmal drei Karten.
Drei, Skat, vier, drei. Am Ende hat jeder Spieler zehn Karten auf der Hand, und in der Mitte liegen zwei verdeckte Karten. Zehn mal drei plus zwei ergibt die zweiunddreißig Karten des Skatblatts, die Rechnung geht also immer auf. Wichtig ist die Stelle, an der der Skat fällt: er wird nach der ersten Dreierrunde gelegt, nicht am Anfang und nicht am Schluss. Diese Reihenfolge ist verbindlich. Es ist nicht erlaubt, den Skat zuerst zu legen oder die Karten einzeln reihum auszuteilen. Der Sinn dahinter ist Fairness: die feste Folge macht es praktisch unmöglich, gezielt bestimmte Karten in den Skat zu manövrieren.
Wer am Skat hängen bleibt, hat oft die Frage, was man mit ihm anfangen darf. Aufnehmen darf ihn nur der Alleinspieler, und auch das nur beim entsprechenden Spiel; wie das Aufnehmen und das anschließende Drücken funktioniert, steht in meinem Beitrag zum Drücken. Wer Hand spielt, lässt den Skat unberührt liegen.
Wenn beim Geben etwas schiefgeht
Beim Geben passieren Fehler, und die Ordnung unterscheidet sauber, welcher Fehler welche Folge hat. Zwei Fälle sind am Tisch am häufigsten.
Eine Karte wird aufgeworfen. Wenn beim Geben durch den Geber eine Karte offen auf den Tisch fällt, also für andere sichtbar wird, muss neu gegeben werden. Es reicht schon eine einzige aufgedeckte Karte. Neu gibt in diesem Fall derselbe Spieler; das Geben wandert also nicht weiter, nur weil der Geber sich vergriffen hat. Man mischt neu, lässt abheben und teilt noch einmal aus.
Ungleiche Kartenzahl (Fehlgeben). Hat am Ende jemand zu viele und jemand zu wenige Karten, liegt ein Fehlgeben vor. Wird das bemerkt, bevor das Reizen beendet ist, wird neu gegeben. Auch wenn beide Parteien eine falsche Kartenzahl haben, ist neu zu geben. Entscheidend ist der Zeitpunkt: wer erst spät merkt, dass die Verteilung nicht stimmt, hat schlechtere Karten in der Diskussion, weil dann schon Spielhandlungen erfolgt sind.
Ein Sonderfall ist gravierender als alle anderen: hat der falsche Spieler gegeben, also jemand, der laut Umlauf gar nicht an der Reihe war, dann ist selbst ein bereits beendetes Spiel ungültig. Deshalb lohnt es sich, im Zweifel kurz innezuhalten und zu klären, wer eigentlich dran ist, bevor die Karten fliegen. Genau solche Kleinigkeiten sind es, die einen ruhigen Skatabend von einem streitigen unterscheiden; mehr zum guten Ton am Tisch habe ich in der Skat-Etikette gesammelt.
Warum die Reihenfolge Fairness schafft
Man kann all das als Formalität abtun, aber dahinter steckt ein Gedanke. Das Geben ist der einzige Moment, in dem eine einzelne Person alle Karten in der Hand hält. Die feste Folge, das Pflicht-Abheben und die klaren Fehlerregeln nehmen dem Geber jede Möglichkeit, das Blatt zu seinen Gunsten zu beeinflussen, und sie nehmen zugleich den Verdacht aus dem Spiel. Wer immer nach demselben Muster gibt, muss sich nie rechtfertigen. Das ist im Verein genauso wichtig wie am Küchentisch, denn Vertrauen entsteht aus Verlässlichkeit.
Für mich gehört sauberes Geben zum Handwerk dazu wie sicheres Reizen. Es kostet keine Sekunde extra, sobald die Folge sitzt, und es erspart einem die kleinen Reibereien, die einen Abend sonst zäh machen. Drei, Skat, vier, drei, abgehoben wird immer, und wer sich verteilt, gibt neu. Mehr muss man sich nicht merken.
Kurz zusammengefasst
- Gegeben wird reihum im Uhrzeigersinn; am Vierertisch sitzt der Geber aus.
- Erst gründlich mischen, dann vom rechten Nachbarn abheben lassen (mindestens vier Karten liegen bleiben, mindestens vier abheben).
- Austeilfolge: drei Karten, dann zwei in den Skat, dann vier, dann drei. Jeder hat am Ende zehn Karten, zwei liegen im Skat.
- Aufgeworfene Karte oder Fehlgeben vor Ende des Reizens: neu geben, beim aufgeworfenen Blatt gibt derselbe Spieler.
- Hat der falsche Spieler gegeben, ist auch ein beendetes Spiel ungültig.
Wer die weiteren Grundlagen nachlesen will, findet den kompletten Ablauf einer Runde in den Skat-Regeln, und wie es nach dem Geben mit dem Bieten weitergeht, steht im Beitrag zum Reizen.