Das Nullspiel ist im Skat ein Fremdkörper, und das macht auch seine Werte besonders. Während bei allen Farbspielen und beim Grand der Spielwert aus Grundwert und Faktor entsteht, haben die vier Nullspiele einfach feste Zahlen. Ich habe am Tisch oft erlebt, dass genau diese vier Werte durcheinandergeraten, weil sie sich nicht herleiten lassen wie der Rest. Man muss sie schlicht kennen. In diesem Beitrag lege ich alle vier offen, erkläre die Unterschiede zwischen den Varianten und gebe eine kleine Merkhilfe mit, damit die Zahlen sitzen. Wer das Nullspiel taktisch verstehen will, findet das in meinen Beiträgen zum Nullspiel; hier geht es um die reinen Werte.
Warum das Nullspiel eigene Werte hat
Beim Nullspiel gewinnt der Alleinspieler, wenn er keinen einzigen Stich macht. Das ist das genaue Gegenteil aller anderen Spiele. Es gibt keinen Trumpf, keine Augen, die zählen, und keine Buben, die sich als Trumpf einreihen. Die Karten stehen in jeder Farbe in einer schlichten Reihe: Sieben, Acht, Neun, Zehn, Bube, Dame, König, Ass. Die Zehn steht also zwischen Neun und Bube, nicht mehr weit oben, und die Buben sind ganz normale Karten ihrer Farbe.
Weil beim Nullspiel weder Augen noch Spitzen eine Rolle spielen, ergibt eine Multiplikation mit einem Grundwert keinen Sinn. Es gibt keine Spitzen zu zählen. Die Internationale Skatordnung des Deutschen Skatverbands legt deshalb für jede der vier Nullvarianten einen festen Spielwert fest. Diese Zahl ist gleichzeitig der Reizwert und der Wert, mit dem gutgeschrieben oder abgezogen wird.
Das hat eine praktische Folge, die viele überrascht: Ein Nullspiel hat immer denselben Wert, egal wie das Blatt aussieht. Ein Null bringt 23, ob es knapp oder locker durchläuft. Beim Farbspiel und Grand ändert sich der Wert mit den Spitzen, beim Nullspiel nie.
Die vier Werte im Überblick
Hier sind die vier Nullspiele mit ihren festen Werten, so wie sie in der Skatordnung stehen:
- Null: 23
- Null Hand: 35
- Null Ouvert: 46
- Null Ouvert Hand: 59
Diese vier Zahlen sind der Kern des ganzen Themas. Sie tauchen in jeder Punkteliste auf und lassen sich mit dem Reizwert-Rechner und dem Spielwert-Rechner jederzeit nachprüfen. Der wichtigste Merksatz dahinter: Jede Steigerung der Variante hebt den Wert deutlich an, und die Reihenfolge ist immer dieselbe, vom einfachen Null bis zum offen gespielten Handspiel.
Auffällig ist, dass der Null Ouvert mit 46 höher liegt als der Grand mit einem Buben, der bei 48 steht, aber unter vielen Farbspielen. Der Null Ouvert Hand mit 59 rangiert noch einmal darüber. Diese Werte muss man beim Reizen im Kopf haben, denn ein Nullspiel lässt sich nicht beliebig hochtreiben; es hat genau einen dieser vier Werte, und mehr wird es nie.
Was die vier Varianten unterscheidet
Der Unterschied zwischen den vier Spielen liegt in zwei Fragen: Nehme ich den Skat auf, und lege ich meine Karten offen hin? Aus diesen beiden Ja-oder-Nein-Fragen ergeben sich die vier Kombinationen.
Beim einfachen Null nehme ich den Skat auf und drücke zwei Karten weg. Das ist ein großer Vorteil, denn beim Nullspiel will ich gefährliche Karten loswerden, vor allem eine Farbe, in der ich eine Lücke habe. Genau deshalb ist der Null mit 23 der niedrigste Wert: Das Aufnehmen und Drücken macht das Spiel am sichersten. Wie ich beim Nullspiel richtig drücke, beschreibe ich ausführlich im Beitrag zum Drücken.
Beim Null Hand lasse ich den Skat liegen. Ich spiele mit den zehn Karten, die ich bekommen habe, ohne die Chance, eine schwache Farbe zu bereinigen. Das ist deutlich riskanter, und dafür steigt der Wert auf 35. Wer Null Hand ansagt, hat meist ein von Natur aus sauberes Blatt, in dem keine Farbe gefährlich hängt.
Beim Null Ouvert nehme ich den Skat auf, drücke, und lege danach meine Karten offen auf den Tisch. Die Gegner sehen mein ganzes Blatt und dürfen sich abstimmen, wie sie mir einen Stich aufzwingen. Trotzdem ist der Wert mit 46 hoch, weil ein sauber durchspielbares offenes Blatt selten ist. Der Null Ouvert Hand schließlich verbindet beides: Skat liegen lassen und offen spielen. Das ist das schwerste Nullspiel überhaupt und bringt mit 59 den höchsten Nullwert.
Wann sich welcher Wert lohnt
Aus den Werten ergibt sich fast von selbst, welche Variante ich wähle. Habe ich ein Blatt, das nur mit dem Drücken sicher wird, spiele ich den einfachen Null und nehme die 23. Ist mein Blatt schon von Haus aus lückenlos, kann ich Null Hand riskieren und 35 mitnehmen; ich sollte aber wirklich sicher sein, denn ein verlorenes Handspiel wird verdoppelt abgezogen.
Den Null Ouvert wähle ich, wenn mein Blatt so eindeutig durchläuft, dass es mir egal ist, ob die Gegner es sehen. Das ist häufiger der Fall, als man denkt, denn ein echtes Null-Blatt hat in jeder Farbe eine tiefe Karte als Startpunkt und keine gefährliche Lücke. Der offene Wert von 46 ist dann geschenkt. Den Null Ouvert Hand spiele ich nur mit einem wirklich makellosen Blatt, bei dem selbst der Verzicht auf den Skat nichts verdirbt.
Ein Blick auf das Reizen: Weil die Werte fest sind, kann ich beim Reizen genau abschätzen, wie weit ich mit einem Nullspiel komme. Ein einfacher Null trägt bis 23, ein Null Hand bis 35 und so weiter. Wenn der Gegenspieler höher reizt, als mein geplantes Nullspiel wert ist, muss ich passen oder auf eine höhere Nullvariante ausweichen, falls mein Blatt sie hergibt. Mehr zu dieser Abwägung steht in meinem Beitrag zum Reizen.
Eine Merkhilfe für die vier Zahlen
23, 35, 46, 59. Diese vier Zahlen bekommt man mit ein wenig System schnell in den Kopf. Mir hilft es, sie paarweise zu sehen: Die beiden nicht offenen Spiele sind 23 und 35, die beiden offenen 46 und 59. Innerhalb jedes Paars ist das Handspiel das teurere. Und grob gilt: Ouvert kostet etwa das Doppelte des jeweiligen verdeckten Spiels, denn 46 ist ungefähr das Doppelte von 23 und 59 liegt nah beim Doppelten von 35.
Wer sich unsicher ist, muss die Zahlen aber nicht raten. Sie stehen in jeder Punkteliste, und beide Rechner auf der Seite geben sie sofort aus. Ich empfehle trotzdem, die vier Werte auswendig zu lernen, denn beim Reizen und Werten bleibt keine Zeit zum Nachschlagen. Sitzen die Zahlen einmal, spielt man das Nullspiel viel entspannter, weil man immer weiß, worum es geht.
Kurz zusammengefasst
Die vier Nullspiele haben feste Werte, die sich nicht aus Grundwert und Faktor ergeben: Null 23, Null Hand 35, Null Ouvert 46 und Null Ouvert Hand 59. Der Wert steigt, je mehr man auf Hilfe verzichtet, also den Skat liegen lässt oder offen spielt. Weil die Zahlen fest sind, bleibt ein Nullspiel immer gleich viel wert, egal wie das Blatt fällt. Wer die vier Werte sicher kennt, reizt ruhiger und wählt die passende Variante zu seinem Blatt. Wie man ein Nullspiel dann auch technisch sicher nach Hause bringt, steht in meinen Beiträgen zum Nullspiel und zur Nullspiel-Strategie.