Der Grand ist ohnehin schon das Spiel mit dem meisten Respekt am Tisch, und der Grand Hand setzt noch eins drauf. Wer Hand spielt, sagt seinen Mitspielern damit: Ich brauche den Skat gar nicht, mein Blatt trägt so, wie es ist. Ich habe im Lauf der Jahre gelernt, dass genau diese Ansage öfter falsch als richtig fällt, weil viele die zwei Karten im Skat unterschätzen. Wenn der Grand Hand aber sitzt, ist er einer der schönsten und lukrativsten Erfolge überhaupt. In diesem Beitrag zeige ich, wie sich der Spielwert genau berechnet, welche Reizwerte dabei entstehen und woran ich erkenne, ob mein Blatt einen Hand-Grand aushält.

Was der Grand Hand überhaupt ist

Beim Grand sind nur die vier Buben Trumpf, sonst nichts. Die vier Farben stehen gleichberechtigt nebeneinander, und die Buben bilden in der Reihenfolge Kreuz, Pik, Herz, Karo die einzige Trumpfreihe. Diese Struktur macht den Grand so eigen: Es zählen nicht lange Farben, sondern hohe Karten, Fehlfarben-Asse und eben die Buben.

Ein Handspiel bedeutet, dass der Alleinspieler den Skat liegen lässt und ihn nicht aufnimmt. Er spielt also mit den zehn Karten, die er ausgeteilt bekommen hat, und rührt die beiden Skatkarten nicht an. Die Punkte, die im Skat liegen, zählen am Ende trotzdem für ihn, er sieht sie nur vorher nicht. Der Grand Hand ist damit die Kombination aus beidem: das schwerste Grundspiel plus der Verzicht auf den Skat.

Wichtig ist der Unterschied zum normalen Grand. Beim Grand aus der Hand nehme ich den Skat auf, schaue mir die zwei zusätzlichen Karten an und drücke zwei Karten weg. Beim Grand Hand bleibt der Skat unberührt. Genau dafür gibt es einen Multiplikator mehr, und das ist der Kern der ganzen Rechnung.

Wie sich der Spielwert berechnet

Der Grundwert des Grands ist 24. Das ist der höchste Grundwert im ganzen Skat, höher als jede Farbe. Aus diesem Grundwert entsteht der Spielwert, indem man ihn mit einem Faktor multipliziert. Dieser Faktor setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen, und jeder Baustein zählt genau eine Stufe.

Der erste Baustein ist die Zahl der Spitzen, also mit wie vielen Buben von oben man spielt oder eben ohne wie viele. Wer den Kreuz-Buben hat, spielt mit so vielen, wie lückenlos von oben da sind. Wer den Kreuz-Buben nicht hat, spielt ohne so viele, wie von oben fehlen. Diese Zahl heißt Spitzenfaktor. Dazu kommt immer das Spiel selbst als eine Stufe. Und beim Handspiel kommt eine weitere Stufe für Hand dazu.

Die Formel für den einfachen Grand Hand lautet also: Grundwert 24 mal (Spitzen plus Spiel plus Hand). Der niedrigste mögliche Grand Hand ist demnach ein Spiel mit oder ohne einem Buben: 24 mal (1 plus 1 plus 1), also 24 mal 3, das ergibt 72. Ein einfacher Grand aus der Hand mit demselben einen Buben käme dagegen nur auf 24 mal 2, also 48. Der Verzicht auf den Skat hebt den Wert hier direkt von 48 auf 72.

Nach oben geht es je nach Blatt weiter. Habe ich zum Beispiel die drei höchsten Buben, spiele ich mit dreien, und der Grand Hand steht bei 24 mal (3 plus 1 plus 1), also 24 mal 5, das sind 120. Wer die genaue Herleitung Schritt für Schritt nachvollziehen will, findet sie in meinem Beitrag zum Berechnen des Spielwerts.

Schneider, Schwarz und die Ansagen

Beim Grand Hand kann man denselben Weg gehen wie bei jedem Handspiel und weitere Stufen dazunehmen. Jede der folgenden Bedingungen bringt genau eine zusätzliche Stufe im Faktor: Schneider (der Gegner bleibt unter 30 Augen), Schneider angesagt, Schwarz (der Gegner bekommt keinen Stich), Schwarz angesagt und schließlich Ouvert, also offen mit aufgedeckten Karten.

Die Ansagen sind nur beim Handspiel erlaubt und müssen fallen, bevor die erste Karte liegt. Sage ich Schneider an, verpflichte ich mich, den Gegner unter 30 Augen zu halten, und bekomme dafür eine Stufe extra. Erreiche ich es nicht, ist das Spiel verloren, auch wenn ich sonst gewonnen hätte. Deshalb sage ich am Tisch nur an, was ich wirklich glaube zu schaffen.

Ein Beispiel mit allem Drum und Dran: Grand Hand, mit zwei Buben, Schneider angesagt und tatsächlich Schneider gespielt. Der Faktor ist dann Spitzen 2 plus Spiel 1 plus Hand 1 plus Schneider 1 plus Schneider angesagt 1, also 6. Das ergibt 24 mal 6, also 144. Das komplette Maximum ist der Grand Ouvert: mit vier Buben, Hand, Schneider, Schneider angesagt, Schwarz, Schwarz angesagt und Ouvert. Der Faktor ist 4 plus 1 plus 1 plus 1 plus 1 plus 1 plus 1 plus 1, also 11, und 24 mal 11 ergibt 264. Das ist der höchstmögliche Spielwert im ganzen Skat.

Die Reizwerte auf einen Blick

Beim Reizen muss ich vorher wissen, wie hoch ich mit einem geplanten Grand Hand gehen darf. Der Reizwert ist immer der Spielwert, den das Spiel mindestens haben wird. Weil der Grundwert 24 fest ist, hängt der Reizwert nur am Faktor. Hier die wichtigsten Werte für den reinen Grand Hand ohne weitere Ansagen:

  • Mit oder ohne 1 Buben: 24 mal 3, Reizwert 72
  • Mit oder ohne 2 Buben: 24 mal 4, Reizwert 96
  • Mit oder ohne 3 Buben: 24 mal 5, Reizwert 120
  • Mit oder ohne 4 Buben: 24 mal 6, Reizwert 144

Zum Vergleich: Der normale Grand aus der Hand mit einem Buben liegt bei 48, mit zwei Buben bei 72. Der Grand Hand liegt also immer eine ganze Stufe höher, weil der Hand-Faktor mitzählt. Wer beim Reizen unsicher ist, welcher Wert für sein konkretes Blatt herauskommt, kann das schnell mit dem Reizwert-Rechner prüfen; für den fertigen Spielwert nach dem Spiel hilft der Spielwert-Rechner. Eine vollständige Übersicht aller Reizwerte findet sich außerdem in meinem Beitrag zur Reizwerte-Tabelle.

Ein Punkt, der oft für Verwirrung sorgt: Verliert man einen Grand Hand, wird der Spielwert wie üblich verdoppelt und abgezogen, und es zählt der Wert, der zum Überreizen nötig gewesen wäre. Wer sich also zu einem hohen Grand Hand verleiten lässt und ihn verliert, kassiert einen entsprechend saftigen Minusbetrag.

Wann sich der Grand Hand wirklich lohnt

Die entscheidende Frage am Tisch ist nicht, ob ein Grand Hand schön aussieht, sondern ob mein Blatt die zwei fehlenden Skatkarten wirklich nicht braucht. Beim normalen Grand hole ich mir mit dem Skat zwei Chancen: eine Fehlfarbe zu verkürzen oder ein Loch zu stopfen. Beim Grand Hand verzichte ich darauf freiwillig. Das darf ich nur, wenn mein Blatt schon geschlossen trägt.

Für mich muss ein Grand Hand mindestens diese Merkmale haben. Ich brauche genug Buben, meist zwei oder mehr, mit dem Kreuz-Buben als Anker. Ich brauche in den langen Farben Asse und möglichst auch die Zehn, damit ich die Stiche sicher an mich ziehe. Und ich darf keine offene Schwäche haben, also keine Farbe, in der ich mit einer nackten Zehn oder einem einzelnen König hänge, den mir der Gegner abnehmen kann.

Besonders heikel sind blanke Zehnen. Eine Zehn ist zehn Augen wert, aber sie schlägt nur König, Dame und die kleinen Karten. Sitzt sie allein in einer Farbe und der Gegner spielt das Ass, ist sie weg, und zehn Augen sind futsch. Beim normalen Grand könnte ich so eine Zehn in den Skat drücken. Beim Grand Hand geht das nicht, deshalb schaue ich vor der Ansage genau, ob solche Wackelkandidaten in meinem Blatt liegen.

Meine Faustregel: Ich spiele Grand Hand, wenn ich das Blatt auch mit aufgenommenem Skat kaum verbessert hätte, weil ohnehin fast nur gute Karten drin sind. Habe ich dagegen eine Farbe, die ich gern gedrückt oder verkürzt hätte, nehme ich lieber den Skat und spiele den normalen Grand. Der niedrigere Wert ist mir den ruhigeren Schlaf wert. Wer tiefer in die Grand-Technik einsteigen möchte, findet mehr dazu in meinem Beitrag Grand spielen und in der Übersicht zu den Hand- und Ouvert-Spielen.

Kurz zusammengefasst

Der Grand Hand ist der Grand ohne aufgenommenen Skat, und der Verzicht bringt einen zusätzlichen Multiplikator. Der Grundwert bleibt 24, der Faktor ist Spitzen plus Spiel plus Hand, gegebenenfalls plus Schneider, Schwarz und Ansagen. Der einfachste Grand Hand steht bei 72, das Maximum als Grand Ouvert bei 264. Gespielt wird er dann, wenn das Blatt schon geschlossen trägt und die zwei Skatkarten nichts mehr gerettet hätten. Wer diese Grenze ehrlich zieht, gewinnt mit dem Grand Hand deutlich mehr, als er verliert.