Wer den Skat aufnimmt, bekommt zwei zusätzliche Karten und darf sein Blatt durch geschicktes Drücken verbessern. Das ist der Normalfall, und für die meisten Spiele ist es auch die richtige Entscheidung. Es gibt aber eine zweite Möglichkeit: Der Alleinspieler lässt die beiden Karten in der Mitte liegen und spielt mit den zehn Karten, die er auf der Hand hält. Das nennt man ein Handspiel. Wer noch mehr riskieren will, sagt zusätzlich Schneider oder Schwarz an oder legt sein Blatt sogar offen auf den Tisch. Jede dieser Entscheidungen erhöht den Spielwert, und jede erhöht auch das Risiko. In diesem Artikel schauen wir uns an, wie diese Zuschläge genau funktionieren und wann sie sich lohnen.

Das Handspiel: Der Skat bleibt liegen

Beim Handspiel verzichtet der Alleinspieler darauf, den Skat aufzunehmen. Die beiden verdeckten Karten bleiben unbesehen liegen und zählen am Ende trotzdem zu seinen Augen. Er weiß also bis zur Abrechnung nicht, was dort liegt. Das kann ihm helfen, wenn zufällig Augen im Skat liegen, es kann ihm aber auch schaden, wenn dort ein Bube liegt, der seine Spitzenrechnung verändert.

Der Lohn für diesen Verzicht: Das Handspiel zählt als Zuschlag und erhöht die Spielstufe um eins. Zur Erinnerung, der Spielwert eines Farb- oder Grandspiels berechnet sich als Grundwert mal Spielstufe. Die Grundwerte sind Karo 9, Herz 10, Pik 11, Kreuz 12 und Grand 24. Die Spielstufe setzt sich zusammen aus den Spitzen (mit oder ohne), plus eins für das Spiel selbst, plus eins für jeden Zuschlag. Wie diese Rechnung im Detail funktioniert, erklärt der Artikel zur Spielwertberechnung, und im Spielwert-Rechner kannst du jede Kombination direkt durchrechnen.

Ein Beispiel: Du spielst Kreuz mit zweien. Ohne Handansage ergibt das mit zweien plus Spiel eine Spielstufe von 3, also 12 mal 3 gleich 36. Spielst du dasselbe Blatt als Handspiel, kommt ein Zuschlag dazu: Spielstufe 4, also 12 mal 4 gleich 48. Das Handspiel macht aus demselben Blatt ein deutlich wertvolleres Spiel.

Schneider und Schwarz: erreicht und angesagt

Zwei weitere Zuschläge betreffen die Höhe des Sieges. Schneider bedeutet, dass die Gegenpartei höchstens 30 Augen erhält, der Alleinspieler also mindestens 90 der 120 Augen sammelt. Schwarz bedeutet, dass die Gegner keinen einzigen Stich bekommen. Beides erhöht die Spielstufe um eins, ganz gleich, ob es geplant war oder sich einfach so ergeben hat.

Interessant wird es mit der Ansage. Wer vor dem ersten Ausspiel Schneider ansagt, verpflichtet sich, die Gegner tatsächlich unter 31 Augen zu halten. Gelingt das, zählen zwei Zuschläge statt einem: Schneider erreicht plus Schneider angesagt. Misslingt es, ist das Spiel verloren, selbst wenn der Alleinspieler 61 oder mehr Augen hat. Dasselbe Prinzip gilt für Schwarz angesagt. Die Ansage ist also ein Versprechen mit Vertragsstrafe.

Wichtig: Schneider und Schwarz ansagen darf nur, wer Hand spielt. Wer den Skat aufgenommen hat, kann Schneider oder Schwarz zwar erreichen und bekommt dafür den Zuschlag, ansagen kann er sie nicht mehr. Die Ansage ist der Preis dafür, dass man mit offenen Karten kalkuliert, ohne den Skat gesehen zu haben.

Ouvert: Das offene Spiel

Die höchste Stufe des Selbstvertrauens ist das offene Spiel, das Ouvert. Der Alleinspieler legt sein Blatt vor dem ersten Ausspiel offen auf den Tisch. Die Gegner sehen jede seiner Karten und können ihr Gegenspiel perfekt darauf einstellen. Dafür bringt Ouvert einen weiteren Zuschlag von eins auf die Spielstufe. Bei Farb- und Grandspielen ist ein offenes Spiel nach verbreiteter Regel zugleich ein Handspiel mit angesagtem Schwarz, der Alleinspieler verspricht also, alle Stiche zu machen, während jeder seine Karten sieht. Das ist nur mit einem Blatt sinnvoll, das praktisch nicht zu schlagen ist.

Rechnen wir das Maximum durch. Ein Grand mit allen vier Buben, offen gespielt: mit vieren plus Spiel ergibt 5, dazu Hand, Schneider, Schneider angesagt, Schwarz, Schwarz angesagt und Ouvert, also sechs Zuschläge. Spielstufe 11, Grundwert 24, Spielwert 24 mal 11 gleich 264. Mehr geht in einem Grand nicht.

Sonderfall Nullspiele

Beim Nullspiel funktioniert die Steigerung anders, denn Nullspiele haben feste Werte ohne Multiplikation. Null kostet 23, Null Hand 35, Null Ouvert 46 und Null Hand Ouvert 59. Auch hier steigert der Verzicht auf den Skat und das offene Spiel den Wert, nur eben in festen Stufen statt über eine Spielstufe. Beim Null Ouvert ist die Kombination aus offenem Blatt und dem Ziel, keinen Stich zu machen, besonders reizvoll: Die Gegner sehen alles und versuchen gezielt, dem Alleinspieler einen Stich unterzuschieben. Wie man ein Nullblatt beurteilt, steht im Artikel zum Nullspiel.

Wann lohnt sich ein Handspiel?

Die entscheidende Frage ist immer: Was kann der Skat mir noch geben, und was riskiere ich, wenn ich ihn liegen lasse? Drei Überlegungen helfen.

Erstens, die Spitzenfrage. Wer ohne Spitzen spielt, also die höchsten Trümpfe nicht hat, muss bedenken, dass ein fehlender Bube im Skat liegen kann. Liegt der Kreuz-Bube im Skat, zählt er zur Hand des Alleinspielers, und aus einem Spiel ohne zweien kann plötzlich ein Spiel mit einem werden. Das verändert die Spielstufe und kann dazu führen, dass das gereizte Gebot nicht mehr gedeckt ist. Beim Handspiel sieht man den Skat erst nach dem Spiel, die Überraschung kommt also bei der Abrechnung. Mehr zu diesem Mechanismus findest du im Artikel über das Reizen.

Zweitens, die Blattqualität. Ein Handspiel braucht ein Blatt, das aus eigener Kraft gewinnt, ohne dass zwei Tauschkarten es reparieren. Lange Trumpffarbe, sichere Asse, keine blanken Zehnen, die ein Gegner mit dem Ass abholen kann. Wenn du beim Anschauen deiner zehn Karten denkst, hier müsste ich eigentlich nichts drücken, dann ist das Blatt ein Kandidat.

Drittens, die Reizsituation. Manchmal zwingt das Reizen zum Handspiel: Du hast hoch gereizt, und nur der Handzuschlag bringt deinen Spielwert über das Gebot. Das ist legitim, aber es ist ein Spiel aus der Not, kein Spiel aus der Stärke. Besser ist es, den Handwert von vornherein einzukalkulieren.

Als Faustregel gilt: Handspiele sind die Ausnahme, nicht die Regel. Die zwei Karten aus dem Skat und die Möglichkeit, zwei Schwächen wegzudrücken, sind in den meisten Fällen mehr wert als eine zusätzliche Spielstufe. Aber wenn das Blatt steht, ist das Handspiel der direkteste Weg zu hohen Spielwerten, und mit Ansagen und Ouvert lässt sich ein wirklich starkes Blatt in ein sehr wertvolles Spiel verwandeln.

Zusammenfassung

Hand, Schneider angesagt, Schwarz angesagt und Ouvert sind Zuschläge, die die Spielstufe jeweils um eins erhöhen und damit den Spielwert vervielfachen können. Nullspiele haben stattdessen feste Werte von 23 bis 59. Ansagen sind Versprechen: Wer sie nicht hält, verliert das Spiel. Und Ansagen setzen ein Handspiel voraus. Wer ein Blatt hat, das keine Hilfe aus dem Skat braucht, sollte den Handwert mitreizen. Für alle anderen Fälle gilt: aufnehmen, drücken, solide gewinnen. Welche Spielart zu welchem Blatt passt, behandelt der Artikel Welches Spiel spielen?, und für die konkrete Rechnung steht der Spielwert-Rechner bereit. Wie du ein starkes Farbblatt dann in Stiche umsetzt, zeigt die Farbenspiel-Strategie.