Beim Skat spielen zwei gegen einen. Sobald das Reizen vorbei ist und der Alleinspieler feststeht, sitzt ihr beiden anderen im selben Boot, ob ihr wollt oder nicht. Viele Anfänger spielen als Gegenspieler trotzdem jeder für sich, sammeln ihre eigenen Stiche und wundern sich, warum der Alleinspieler ein Spiel nach dem anderen nach Hause bringt. Dabei ist gutes Gegenspiel kein Hexenwerk, sondern eine Handvoll Grundsätze, die du lernen und üben kannst. In diesem Artikel geht es genau darum: wie ihr als Team denkt, wie ihr Augen sammelt und rettet, und wie du deinem Partner das Leben leicht machst statt schwer.
Ihr seid ein Team, und 60 Augen genügen
Der wichtigste Gedanke zuerst: Als Gegenspieler bildet ihr zu zweit eine Partei. Eure Stiche werden am Ende zusammengezählt, es ist völlig egal, wer von euch die Augen eingefahren hat. Der Alleinspieler braucht 61 der insgesamt 120 Augen, um zu gewinnen. Ihr braucht nur 60. Das Unentschieden gehört euch, und das ist ein echter Vorteil, den ihr euch bewusst machen solltet.
Dieser Vorteil nützt euch aber nur, wenn ihr zusammenarbeitet. Der Alleinspieler hat in der Regel den Skat aufgenommen, er kennt zwölf Karten des Spiels und hat sich sein Blatt zurechtgedrückt. Er hat fast immer die stärkeren Karten. Was ihr dagegensetzen könnt, ist eure Zusammenarbeit: zwei Blätter, die sich ergänzen, zwei Spieler, die einander Augen zuschieben und dem Alleinspieler gemeinsam die Stiche streitig machen. Spielt ihr getrennt, jeder auf eigene Rechnung, verliert ihr fast immer. Spielt ihr zusammen, kippen erstaunlich viele Spiele, die auf dem Papier verloren aussahen.
Falls dir die Grundlagen des Spielablaufs noch nicht sicher sitzen, etwa die Kartenwerte oder wer wann ausspielt, lies vorher am besten die Skat-Regeln nach. Alles Folgende baut darauf auf.
Schmieren: euer wichtigstes Werkzeug
Das zentrale Werkzeug des Gegenspiels heißt Schmieren. Die Idee ist einfach: Wenn dein Partner einen Stich sicher gewinnt, gibst du hohe Augen dazu, also ein Ass (11 Augen) oder eine Zehn (10 Augen). Der Stich gehört ohnehin eurer Partei, also soll er so wertvoll wie möglich sein.
Ein typisches Beispiel: Dein Partner spielt ein Ass in einer Fehlfarbe aus, und du weißt aus dem bisherigen Spielverlauf, dass der Alleinspieler diese Farbe noch bedienen muss, also nicht stechen kann. Dann wirfst du nicht deine Sieben dazu. Hältst du die Zehn derselben Farbe, gibst du sie zu. Kannst du die Farbe nicht bedienen, schmierst du eine Zehn aus einer anderen Farbe. Aus einem Stich mit 11 Augen wird einer mit 21. Zwei, drei solcher Stiche, und ihr habt einen riesigen Schritt Richtung 60 gemacht.
Sicher gewinnen heißt dabei: Das Ass läuft durch, weil der Alleinspieler bedienen muss, oder dein Partner sticht mit einem Trumpf, den der Alleinspieler nicht mehr überstechen kann. Genau hier liegt die Kunst. Schmierst du in einen Stich, den der Alleinspieler am Ende doch bekommt, hast du ihm deine Zehn geschenkt. Deshalb gehören Schmieren und Mitzählen (dazu unten mehr) untrennbar zusammen. Im Zweifel gilt: Je später du im Stich zugibst und je mehr Karten du schon gesehen hast, desto sicherer kannst du schmieren.
Nicht gewinnbare Stiche: schenke dem Alleinspieler nichts
Die Kehrseite des Schmierens ist genauso wichtig. Kannst du einen Stich nicht gewinnen und bekommt ihn der Alleinspieler ohnehin, dann wirf die niedrigste Karte ab, die du loswerden kannst. Siebenen, Achten und Neunen zählen null Augen, sie sind wie gemacht dafür. Jedes Ass und jede Zehn, die du unnötig in einen Stich des Alleinspielers wirfst, arbeitet direkt gegen euch.
Das klingt banal, wird aber ständig falsch gemacht. Der Alleinspieler zieht Trumpf, du musst bedienen und hast die Wahl zwischen einer kleinen und einer wertvollen Karte: Nimm die kleine. Du kannst eine Farbe nicht bedienen und der Stich geht erkennbar an den Alleinspieler: Wirf eine Lusche aus einer Farbe ab, mit der du ohnehin nichts mehr anfangen kannst. So räumst du nebenbei dein Blatt auf und machst dich in einer Farbe frei, in der du später stechen oder schmieren kannst.
Merke dir die Faustregel: Stiche eurer Partei werden schwer gemacht, Stiche des Alleinspielers werden leicht gemacht. Wer das konsequent durchzieht, spielt schon deutlich besseres Gegenspiel als der Durchschnitt am Stammtisch.
Deine Position entscheidet, wie du spielst
In jedem Stich gibt es eine feste Reihenfolge, und deshalb macht es einen großen Unterschied, ob du vor oder hinter dem Alleinspieler sitzt, also ob du deine Karte vor ihm oder nach ihm zugibst.
Sitzt du hinter dem Alleinspieler, bist du in der komfortablen Lage: Du siehst seine Karte, bevor du deine legst. Hat er klein zugegeben und dein Partner liegt mit einem Ass oder einem hohen Trumpf vorn, kannst du beruhigt schmieren. Hat der Alleinspieler den Stich übernommen, sparst du deine Augen und wirfst klein ab. Du triffst deine Entscheidung mit voller Information, und genau das solltest du ausnutzen.
Sitzt du vor dem Alleinspieler, ist deine Aufgabe eine andere: Du spielst deinem Partner in die Hand. Du legst deine Karte, ohne zu wissen, was der Alleinspieler tut. Also schaffst du am besten Situationen, in denen dein Partner hinter dem Alleinspieler bequem reagieren kann. Spielst du zum Beispiel eine Farbe an, die der Alleinspieler bedienen muss, kann dein Partner als Letzter in Ruhe entscheiden, ob er sticht, schmiert oder spart. Umgekehrt gilt: Wer vor dem Alleinspieler zugibt, muss mit dem Schmieren vorsichtiger sein, denn der Alleinspieler kommt noch nach dir dran und kann zugreifen.
Diese Rollen wechseln im Lauf des Spiels, je nachdem, wer den letzten Stich gewonnen hat und ausspielt. Gewöhne dir deshalb an, vor jedem Zugeben kurz zu prüfen: Wer kommt nach mir, und was weiß ich schon über diesen Stich?
Das richtige Ausspiel als Gegenspieler
Wenn du als Gegenspieler ausspielen darfst, hast du die Chance, dem Alleinspieler dein Spiel aufzuzwingen, statt seinem hinterherzulaufen. Ein bewährtes Mittel ist die lange Farbe. Spielst du eine Farbe an, von der du selbst viele Karten hältst, kann der Alleinspieler sie oft nicht mehr bedienen. Dann steht er vor einer unangenehmen Wahl: Er sticht mit Trumpf und verbraucht damit einen seiner wichtigsten Werte, oder er wirft ab und muss zusehen, wie dein Partner den Stich übernimmt und womöglich noch Augen dazukommen. Beides ist gut für euch. Jeder Trumpf, den er zum Stechen kleiner Farbkarten aufwenden muss, fehlt ihm später.
Genauso lohnend ist es, die kurzen Farben und Fehlfarben des Alleinspielers gezielt anzugreifen. Achte darauf, welche Farbe er in den ersten Stichen meidet oder sofort sticht: Dort ist er blank oder fast blank. Diese Farbe immer wieder anzuspielen zwingt ihn, Trumpf um Trumpf zu investieren.
Vorsicht dagegen mit dem Anspielen von Trumpf als Gegenspieler. In den meisten Lagen hilft das dem Alleinspieler, denn er will die Trümpfe der Gegner ohnehin ziehen, und du erledigst diese Arbeit für ihn. Es gibt Ausnahmen, etwa wenn ihr selbst ungewöhnlich viele Trümpfe haltet, aber als Grundregel für den Anfang gilt: Farbe spielen, das Trumpfziehen dem Alleinspieler überlassen.
Trümpfe zählen: wann ist er blank?
Vieles vom Gesagten steht und fällt mit einer Frage: Hat der Alleinspieler noch Trumpf? Ein Ass, das er nicht mehr stechen kann, ist ein sicherer Stich zum Schmieren. Dasselbe Ass einen Stich zu früh gespielt wandert samt aufgeschmierter Zehn in seinen Stapel.
Deshalb: Zähle die Trümpfe mit. In einem Farbspiel gibt es elf Trümpfe, die vier Buben und die sieben Karten der Trumpffarbe. Beim Grand sind es nur die vier Buben. Merke dir, wie viele Trümpfe schon gefallen sind und wie viele davon du und dein Partner beigesteuert habt, dann weißt du, wie viele der Alleinspieler höchstens noch halten kann. Wenn er beim Trumpfziehen selbst nicht mehr bedient oder eine Farbe plötzlich nicht mehr sticht, ist das eine weitere wertvolle Information.
Das klingt nach viel Kopfarbeit, wird aber schnell zur Gewohnheit. Fang einfach an: Zähle zunächst nur, wie oft Trumpf gespielt wurde. Mit etwas Übung merkst du dir zusätzlich, welche Buben schon weg sind, und irgendwann weißt du in vielen Spielen ziemlich genau, was der Alleinspieler noch auf der Hand hält.
Augen mitzählen: 60 reicht, und manchmal rettet weniger das Spiel
Neben den Trümpfen solltet ihr die Augen im Blick behalten. 120 Augen stecken im Spiel, ihr braucht 60. Wer mitzählt, erkennt den Moment, in dem sich das Spiel entscheidet. Manchmal fehlt euch gegen Ende nur noch eine Zehn, und genau dann lohnt sich ein Risiko, das du früher im Spiel nicht eingegangen wärst. Umgekehrt kannst du, wenn eure 60 schon sicher sind, entspannt spielen und dem Partner Klarheit verschaffen.
Und selbst wenn es für 60 nicht mehr reicht, ist noch nicht alles egal. Bleibt eine Partei bei 30 Augen oder weniger, ist sie Schneider, und das erhöht den Spielwert für den Alleinspieler. Mit 31 Augen seid ihr aus dem Schneider heraus. Ein paar gezielt gerettete Augen in den letzten Stichen sind also bares Geld wert, oder zumindest Punkte auf der Abrechnungsliste. Und hat der Alleinspieler ein Handspiel mit Schneideransage gewagt, gewinnt ihr das ganze Spiel schon dadurch, dass ihr die 31 erreicht. Mitzählen lohnt sich in jeder Phase, nicht erst kurz vor Schluss.
Zusammenspiel ist Übungssache
Zum Schluss ein ehrliches Wort: Gutes Gegenspiel ist der schwierigste Teil des Skats. Ihr dürft euch nicht absprechen, eure einzige erlaubte Sprache sind die Karten selbst, also welche Karte du wann spielst oder abwirfst. Diese stumme Verständigung zu lernen, die Abwürfe des Partners zu lesen und selbst lesbar zu spielen, das braucht Zeit und viele gespielte Runden. Du wirst Zehnen in gegnerische Stiche schmieren, Asse einen Stich zu früh spielen und Trümpfe falsch zählen. Das gehört dazu, und es geht jedem so.
Genau dieses Zusammenspiel ist aber auch der Teil, der Skat schwer und schön zugleich macht. Ein Spiel, das ihr zu zweit gegen ein starkes Blatt herunterkämpft, weil jeder Abwurf gepasst hat, ist befriedigender als jeder glatte Grand. Fang mit den Grundsätzen aus diesem Artikel an: eigene Stiche schmieren, dem Alleinspieler nichts schenken, Position beachten, lange Farben anspielen, Trümpfe und Augen zählen. Wenn du darüber hinaus an deinem Spiel arbeiten willst, findest du in der Skat-Strategie für Anfänger weitere Grundlagen, die auch dein Gegenspiel besser machen. Und dann hilft nur eines: spielen, spielen, spielen, am besten regelmäßig mit denselben Leuten, damit ihr ein Gefühl füreinander entwickelt.