Es gibt diesen kurzen Moment, nachdem das Reizen entschieden ist und bevor du dein Spiel ansagst. Alle schauen dich an, die zwei Karten des Skat liegen verdeckt in der Mitte, und du triffst eine Entscheidung, die den Wert deines Spiels und manchmal auch den Ausgang bestimmt: Nimmst du den Skat auf, oder spielst du Hand? Anfänger greifen fast reflexartig zu den zwei Karten, weil zwei geschenkte Karten sich gut anfühlen. Erfahrene Spieler halten hier kurz inne. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie ich diese Wahl treffe, was sie kostet, was sie bringt, und woran ich mich orientiere.

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Was Hand bedeutet, und was Aufnehmen bedeutet

Beim Handspiel bleibt der Skat liegen. Du spielst mit den zehn Karten, die du gegeben bekommen hast, und rührst die zwei Karten in der Mitte nicht an. Wichtig, und oft vergessen: Die beiden Skatkarten zählen am Ende trotzdem dir. Sie wandern nach dem letzten Stich zu deinen gewonnenen Augen dazu. Du weißt nur nicht, was drinliegt, bis abgerechnet wird.

Nimmst du auf, dann legst du dir die zwei Skatkarten ins Blatt und hast für einen Augenblick zwölf Karten. Danach musst du zwei beliebige Karten wieder verdeckt weglegen, das nennt man drücken. Auch diese zwei gedrückten Karten zählen am Schluss zu deinen Augen. Der Unterschied ist also nicht, ob der Skat dir gehört, denn das tut er in beiden Fällen. Der Unterschied ist, ob du hineinschaust und dein Blatt verbesserst.

Der Preis: eine ganze Gewinnstufe

Hand zu spielen ist nicht gratis, aber es zahlt sich im Wert aus. Der Spielwert setzt sich aus dem Grundwert der Trumpffarbe und einem Multiplikator zusammen, der aus den Spitzen und den Gewinnstufen besteht. Hand ist eine eigene Gewinnstufe und zählt genau einen Faktor mehr. Ein Handspiel ist also bei sonst gleichem Blatt immer eine Stufe höher bewertet als dasselbe Spiel mit Aufnahme.

Ein Beispiel macht es greifbar. Du spielst Pik (Grundwert 11) und hast zwei Spitzen, also mit zweien. Nimmst du auf und gewinnst, ist der Wert (2 Spitzen + 1 für das Spiel) mal 11, das sind 3 mal 11, also 33. Spielst du dasselbe Blatt Hand, kommt die Gewinnstufe Hand dazu: (2 + 1 + 1) mal 11, das sind 4 mal 11, also 44. Elf Punkte mehr, nur weil du die zwei Karten nicht angefasst hast. Wenn du die genaue Zusammensetzung nachlesen willst, steht sie in der Reizwerte-Tabelle, und den Spielwert-Rechner kannst du für dein eigenes Blatt durchspielen.

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Was das Aufnehmen dir gibt

Der Grund, warum ich sehr oft aufnehme, ist einfach: zwei zusätzliche Karten und die Freiheit, zwei loszuwerden. Dieses Drücken ist ein unterschätztes Werkzeug. Ich kann damit drei Dinge tun, die mein Blatt sicherer machen.

Erstens sichere ich Augen. Wenn ich ein blankes Ass oder eine ungeschützte Zehn in einer Nebenfarbe habe, die der Gegner mir sonst abnimmt, drücke ich sie in den Skat. Dort sind die Augen sicher meine, ohne dass ich sie im Stich verteidigen muss.

Zweitens mache ich eine Farbe blank. Habe ich in einer Nebenfarbe nur noch eine einzige Karte, drücke ich sie weg. Dann bin ich in dieser Farbe frei und kann von Anfang an stechen oder abwerfen, statt bedienen zu müssen.

Drittens entsorge ich Ballast. Eine niedrige Karo-Sieben, die mir nur im Weg liegt, wandert in den Skat, und der Skat nimmt zwei bessere Karten auf. So wird aus einem wackligen Blatt oft ein stichsicheres.

Merke dir beim Drücken die eine feste Regel: niemals Trumpf und niemals einen Buben wegdrücken. Trümpfe sind deine Kontrolle, die gibst du nicht freiwillig her.

Was Hand dir gibt

Hand hat zwei Vorzüge. Der offensichtliche ist der höhere Wert, den ich oben durchgerechnet habe. Der zweite ist wichtiger, als viele denken: Nur beim Handspiel darfst du die hohen Ansagen machen. Schneider angesagt, Schwarz angesagt und Ouvert setzen alle Hand voraus. Wenn du aufnimmst, kannst du Schneider oder Schwarz zwar noch erreichen und mitgezählt bekommen, aber nicht mehr vorher ansagen und damit den Wert weiter hochtreiben. Wie diese Grade zusammenspielen, habe ich in Schneider und Schwarz ausführlich beschrieben.

Der klassische Fall ist ein Blatt, das so stark ist, dass es die zwei Skatkarten schlicht nicht braucht. Vier Buben und eine lange Trumpffarbe gewinnen von selbst. Hier wäre Aufnehmen fast verschenkt, weil ich nichts zu verbessern habe, aber eine Gewinnstufe liegen ließe. Beim Grand spitzt sich diese Überlegung besonders zu; dazu habe ich einen eigenen Beitrag über die Grand Hand geschrieben.

Das Risiko, das Hand mit sich bringt

Hand hat einen Haken, und der heißt: die zwei unbekannten Karten. Du weißt nicht, was im Skat liegt. Vielleicht sind es zwei Luschen, vielleicht aber ein Ass und eine Zehn, also 21 Augen, die auf der falschen Seite fehlen und dir am Ende die 61 vermasseln. Und du kannst nichts dagegen tun, weil du nicht drücken darfst. Wenn dein Blatt knapp ist, wenn eine Farbe wackelt, wenn dir zwei, drei sichere Augen zum ruhigen Gewinnen fehlen, dann ist Aufnehmen fast immer die klügere Wahl. Ein sicher gewonnenes Spiel mit weniger Wert schlägt ein hoch bewertetes Spiel, das du verlierst und dann doppelt bezahlst.

Wie ich entscheide, in vier Fragen

Ich gehe am Tisch eine kurze Kette von Fragen durch, meist in Sekunden.

Trägt mein Blatt sicher ganz allein? Wenn ich auch ohne die zwei Karten ruhig auf 61 komme, denke ich über Hand nach. Ist es knapp, nehme ich auf.

Habe ich etwas zu drücken? Eine kurze Fehlfarbe oder ein ungeschütztes Ass, das ich in Sicherheit bringen will, spricht klar fürs Aufnehmen. Habe ich nichts Sinnvolles wegzulegen, verliert das Aufnehmen an Wert.

Wie hoch habe ich gereizt? Wenn ich mich weit hinausgereizt habe und der Spielwert knapp über meinem Reizwert liegen muss, prüfe ich beides. Manchmal reicht der niedrigere Aufnahmewert gerade noch, und das Drücken sichert mir den Sieg. Manchmal brauche ich die zusätzliche Stufe von Hand, um den Reizwert überhaupt zu erreichen. Wer sich hier verschätzt, riskiert überreizt zu sein.

Will ich etwas ansagen? Sobald ich mit Schneider angesagt, Schwarz oder Ouvert liebäugle, ist die Sache entschieden, denn das geht nur Hand.

Ein Blatt, zwei Wege

Nimm ein konkretes Beispiel. Du hältst Kreuz-Buben und Pik-Buben, dazu Kreuz-Ass, Kreuz-Zehn und Kreuz-König, also eine schöne lange Kreuz-Reihe. Dann kommen Herz-Ass und Herz-Neun, und zum Schluss eine einzelne Karo-Sieben und eine einsame Pik-Acht. Kreuz als Trumpf steht fest, das Blatt ist stark. Aber zwei Dinge stören: die blanke Pik-Acht und die blanke Karo-Sieben, zwei Nebenfarben, in denen ich nach dem ersten Anspiel wehrlos bin.

Spiele ich Hand, muss ich hoffen, dass mir niemand früh Pik oder Karo unter die Nase hält, in denen ich sofort einen Stich und womöglich Augen abgebe. Nehme ich dagegen auf und ziehe zwei brauchbare Karten, drücke ich die Pik-Acht und die Karo-Sieben weg. Danach halte ich nur noch Kreuz und Herz, bin also in zwei Farben blank und kann von Anfang an stechen oder abwerfen, wie ich will. Das Spiel wird ruhig und sicher. Den einen zusätzlichen Faktor, den Hand gebracht hätte, gebe ich dafür gern her. Sicher gewonnen ist mehr wert als hoch verloren.

Ein häufiger Fehler, den ich immer wieder sehe

Am Stammtisch wird Hand gern aus dem Bauch heraus gespielt, ein bisschen aus Stolz, ein bisschen aus Bequemlichkeit, weil man nicht drücken mag. Das kostet über einen Abend hinweg Spiele. Genauso oft sehe ich das Gegenteil: jemand nimmt auf, hat aber gar nichts Sinnvolles zu drücken und legt am Ende gute Augen oder gar einen halben Stich weg, nur um irgendetwas loszuwerden. Beides sind vermeidbare Verluste.

Meine Kurzfassung: Nimm auf, wenn du dein Blatt verbessern oder Augen sichern kannst. Spiele Hand, wenn dein Blatt sicher trägt und du den höheren Wert oder eine Ansage willst. Alles andere entscheidet der Reizwert, und den rechnest du am besten vorher aus, nicht hinterher. Wenn du unsicher bist, welches Spiel überhaupt zu deinem Blatt passt, hilft dir mein Beitrag Farbspiel, Grand oder Null weiter; und den Reizwert-Rechner nutze ich selbst, um Grenzfälle vorher durchzuspielen.