Am Ende eines Skatabends steht die Frage: Wer hat gewonnen? Beantwortet wird sie von der Liste, dem Blatt Papier neben dem Tisch, auf dem jedes Spiel festgehalten wird. Wie man richtig aufschreibt, ist erstaunlich oft Quelle von Diskussionen, weil viele Runden es leicht unterschiedlich handhaben. In diesem Beitrag zeige ich zuerst die einfache Abrechnung, wie sie in fast jeder Kneipenrunde läuft, und danach das offizielle Seeger-Fabian-System, mit dem auf Turnieren und in Vereinen gerechnet wird. Beide sind nicht kompliziert, wenn man die Logik einmal verstanden hat.

Die einfache Liste: gewonnen plus, verloren doppelt minus

Die verbreitetste Form der Abrechnung am Küchentisch ist die reine Spielwertliste. Für jeden Mitspieler gibt es eine Spalte. Nach jedem Spiel schreibt der Schreiber den Spielwert des Alleinspielers auf:

  • Gewinnt der Alleinspieler, bekommt er den Spielwert gutgeschrieben, also ein Plus in seiner Spalte.
  • Verliert er, wird ihm der doppelte Spielwert abgezogen, ein Minus.

Das Verdoppeln bei Verlust ist die entscheidende Regel, und sie ist bewusst so gewählt. Wer ein Spiel annimmt, geht eine Verpflichtung ein; misslingt sie, tut das doppelt weh. Ein gewonnenes Karo mit einem Buben, also Spielwert 18, bringt plus 18. Dasselbe Spiel verloren kostet minus 36. Genau diese Asymmetrie sorgt dafür, dass man nicht leichtfertig jedes Blatt annimmt. Wie sich der Spielwert überhaupt zusammensetzt, habe ich im Beitrag Spielwert berechnen erklärt; nachrechnen lässt er sich schnell mit dem Spielwert-Rechner.

Am Ende zählt man jede Spalte zusammen. Wer die höchste Summe hat, hat gewonnen. Spielt man um Geld, wird die Differenz zwischen den Spielern nach einem vorher vereinbarten Satz pro Punkt ausgezahlt. Die Seeger-Fabian-Zusatzpunkte, um die es gleich geht, spielen bei dieser Geldabrechnung übrigens keine Rolle; sie gehören zum Turnierskat.

Ramsch, Bock und andere Sonderfälle notieren

Sobald eine Runde Ramsch spielt, wird die Liste etwas voller. Beim Ramsch gibt es keinen Alleinspieler; verloren hat, wer am Ende die meisten Augen im Stich hat. Üblich ist, dem Verlierer die Augenzahl als Minus einzutragen, oft mit einem festen Wert oder nach Tischabsprache. Weil hier vieles Vereinbarungssache ist, sollte die Runde vor dem ersten Ramsch klären, wie gewertet wird. Die Einzelheiten und die gängigen Varianten habe ich im Ramsch-Beitrag und beim Schieberamsch beschrieben.

Auch die Bockrunde ist reine Konvention. In einer Bockrunde zählen alle Spiele doppelt; man notiert das meist mit einem Strich am Rand oder trägt gleich die verdoppelten Werte ein. Wann eine Bockrunde ausgelöst wird, ist von Tisch zu Tisch verschieden, deshalb behandle ich sie ausführlich im Beitrag zur Bockrunde. Für die Liste gilt schlicht: Vorher festlegen, konsequent aufschreiben, im Zweifel den Schreiber fragen.

Das Seeger-Fabian-System im Turnierskat

Auf Turnieren und in Vereinen reicht die einfache Liste nicht aus, denn sie hat eine Schwäche: Ein Spieler, der nur schwache Blätter bekommt und selten ein Spiel annehmen kann, steht am Ende schlecht da, obwohl er womöglich klug gespielt hat. Das erweiterte Seeger-Fabian-System gleicht das aus, indem es zusätzlich zu den Spielwerten feste Bonuspunkte vergibt. Es ist die offizielle Grundlage des Turnierskats.

Die Grundidee: Nicht nur der Spielwert zählt, sondern auch die bloße Tatsache, dass ein Spiel gewonnen oder verloren wurde. Dadurch bekommt jedes einzelne Spiel Gewicht, unabhängig davon, wie hoch der Reizwert war.

Die Bonuspunkte genau gerechnet

Das System arbeitet mit einer Handvoll fester Zahlen. Für den Alleinspieler gilt:

  • Gewinnt er sein Spiel, erhält er zusätzlich zum Spielwert einen Bonus von 50 Punkten.
  • Verliert er sein Spiel, werden ihm 50 Punkte abgezogen, und zwar zusätzlich zum ohnehin verdoppelten und abgezogenen Spielwert.

Für die Gegenspieler kommt es darauf an, an wie vielen Personen der Tisch besetzt ist:

  • Am Dreiertisch erhält jeder der beiden Gegenspieler 40 Punkte, wenn der Alleinspieler sein Spiel verliert.
  • Am Vierertisch bekommen die Gegenspieler und der aussetzende Geber jeweils 30 Punkte für ein verlorenes Spiel des Alleinspielers.

Dass am Vierertisch auch der Geber, der gerade nicht mitspielt, Punkte gutgeschrieben bekommt, ist kein Versehen, sondern Absicht. Es sorgt dafür, dass niemand durch die Sitzordnung benachteiligt wird, denn am Vierertisch spielt man in jeder Runde einmal nicht mit.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Nehmen wir ein gewonnenes Kreuz mit zwei Spitzen, Spielwert 36, am Dreiertisch. Der Alleinspieler schreibt 36 plus 50, also 86 Punkte. Die beiden Gegenspieler bekommen nichts, weil das Spiel gewonnen wurde.

Jetzt dasselbe Spiel verloren. Der Alleinspieler verliert den doppelten Spielwert, also minus 72, dazu die 50 Bonuspunkte, macht zusammen minus 122. Jeder der beiden Gegenspieler schreibt am Dreiertisch plus 40. So kann ein einziges verlorenes Spiel das Blatt kräftig drehen, und genau das ist der Sinn: Das Annehmen eines Spiels bleibt eine ernste Entscheidung, das gute Gegenspiel wird belohnt. Wer sein Gegenspiel verbessern will, findet im Beitrag zum Gegenspiel einige praktische Grundsätze.

Über eine ganze Serie hinweg summieren sich diese Werte, und weil jedes gewonnene Spiel schon durch den Bonus deutlich zu Buche schlägt, lohnt es sich, auch kleine sichere Spiele zu spielen, statt auf das große Blatt zu warten. Der Reizwert dahinter lässt sich jederzeit mit dem Reizwert-Rechner prüfen, wenn du unsicher bist, wie hoch du gehen kannst.

Häufige Fehler beim Aufschreiben

Ein paar Stolperstellen tauchen immer wieder auf, und die meisten Streitfälle am Tisch gehen darauf zurück. Der häufigste Fehler ist, bei einem verlorenen Spiel den einfachen statt des doppelten Spielwerts einzutragen. Verloren heißt doppelt minus, in der einfachen Liste wie im Turniersystem. Ebenso oft vergisst man, den Spielwert bei einem überreizten Spiel richtig anzusetzen: Wer sich überreizt hat, hat automatisch verloren, unabhängig von den Augen, und es zählt der Wert, auf den er sich verpflichtet hat. Die Einzelheiten dazu stehen im Beitrag zum Überreizen.

Auch bei angesagtem Schneider oder Schwarz muss der erhöhte Spielwert in die Liste, nicht der Grundfall. Und schließlich sollte man sich angewöhnen, nach jeder Runde die Zwischensumme kurz zu prüfen. Ein Zahlendreher fällt sofort auf, wenn die Summen aller Spalten zusammen nicht aufgehen. Wer erst am Ende des Abends rechnet, sucht den Fehler dagegen mühsam über zwei Stunden hinweg.

Wer schreibt, und was man sich merken sollte

In den meisten Runden führt einer die Liste, oft der jeweilige Geber oder ein fest bestimmter Schreiber. Wichtiger als die Person ist die Sorgfalt: Jedes Spiel sofort eintragen, das Ergebnis laut ansagen, bei Unklarheiten nachfragen. Am Turnier übernehmen das heute oft Computer oder Apps, die nach genau diesen Regeln rechnen; am Küchentisch bleibt es beim Zettel.

Für den Alltag reicht die einfache Liste völlig aus, und die meisten Freizeitrunden kommen ihr Leben lang gut damit zurecht. Sobald du aber in einem Verein oder auf einem Turnier spielst, begegnet dir das Seeger-Fabian-System, und dann ist es gut, die Logik einmal verstanden zu haben. Merke dir die Kernzahlen: 50 Bonus für den Alleinspieler bei jedem Spiel, 40 je Gegner am Dreiertisch, 30 je Gegner und Geber am Vierertisch. Der Rest ergibt sich aus den Spielwerten, die du ohnehin kennst.

Wenn du das nächste Mal am Tisch sitzt, achte einmal bewusst darauf, wie deine Runde aufschreibt. Oft steckt in der scheinbar nebensächlichen Liste mehr System, als man denkt, und wer sie versteht, spielt am Ende bewusster.