Bevor man über Reizen, Trumpf und Spielwerte redet, lohnt sich ein Blick auf das Werkzeug selbst: das Skatblatt. 32 Karten, mehr braucht es nicht, und trotzdem stecken darin ein paar Feinheiten, die vielen erst nach Jahren am Tisch wirklich klar werden. Warum sind es genau 32? Wieso heißt dieselbe Farbe bei dem einen Kreuz und bei dem anderen Eichel? Und warum sortieren erfahrene Spieler die Buben getrennt vom Rest? In diesem Beitrag gehe ich das Blatt Karte für Karte durch, damit du am Ende genau weißt, was du in der Hand hältst.
32 Karten in vier Farben
Das Skatblatt umfasst 32 Karten, verteilt auf vier Farben. Jede Farbe enthält acht Karten: Sieben, Acht, Neun, Zehn, Bube, Dame, König und Ass. Damit fehlen gegenüber dem großen Kartenspiel bewusst die Zwei bis Sechs; Skat kommt mit den höheren Werten aus. Vier Farben mal acht Karten ergibt die 32, und diese Zahl ist kein Zufall. Beim Geben bekommt jeder der drei Spieler zehn Karten, zwei wandern verdeckt in den Skat. Zehn plus zehn plus zehn plus zwei, das geht genau auf.
Die vier Farben heißen im französischen Blatt Kreuz, Pik, Herz und Karo. Für das Reizen und für die Trumpfstärke haben sie eine feste Rangfolge, und die solltest du dir früh einprägen: Kreuz steht oben, darunter Pik, dann Herz, ganz unten Karo. Diese Reihenfolge taucht überall wieder auf, beim Grundwert eines Farbspiels genauso wie bei den vier Buben.
Französisches und deutsches Blatt
In Deutschland spielt man Skat mit zwei verschiedenen Kartenbildern, und beide sind völlig gleichwertig. Im Norden und Westen ist das französische Blatt verbreitet, mit den bekannten Zeichen Kreuz, Pik, Herz und Karo. In Teilen Ost-, Mittel- und Süddeutschlands trifft man häufiger auf das deutsche Blatt mit anderen Farbsymbolen und anderen Namen.
Die Zuordnung ist eindeutig, nur die Bezeichnungen wechseln:
- Kreuz entspricht der Eichel.
- Pik entspricht dem Laub (auch Grün oder Blatt genannt).
- Herz heißt in beiden Blättern Herz (im deutschen Blatt rot).
- Karo entspricht der Schelle (den Bollen).
Auch die Bildkarten tragen im deutschen Blatt eigene Namen. Der Bube heißt dort Unter, die Dame heißt Ober, und statt vom Ass spricht man oft vom Daus oder von der Sau. Wer beide Blätter kennt, kommt in jeder Runde zurecht; ich habe schon manche Partie an einem fremden Tisch gespielt, an dem plötzlich Eichel-Ober statt Kreuz-Dame auf den Tisch kam. Gemeint ist dieselbe Karte.
Die Rangfolge innerhalb einer Farbe
Innerhalb einer Farbe gilt beim Skat nicht die Reihenfolge, die man vom Kartenwert her vermuten würde. Von oben nach unten sieht sie so aus: Ass, Zehn, König, Dame, Neun, Acht, Sieben. Wichtig ist vor allem, dass die Zehn direkt hinter dem Ass steht und damit den König schlägt. Das überrascht Anfänger regelmäßig, denn der König wirkt “höher”. Am Tisch zählt aber diese Ordnung, und wer sie verinnerlicht, spielt seine Stiche sicherer.
Die Buben nehme ich hier bewusst aus. Sie stehen in dieser Reihe nicht mit drin, weil sie eine ganz eigene Rolle haben. Dazu gleich mehr.
Die vier Buben als Dauertrümpfe
Die vier Buben sind das Herzstück des Skatblatts. Beim Farbspiel und beim Grand gehören sie nicht zu ihrer aufgedruckten Farbe, sondern bilden gemeinsam die höchsten Trümpfe. Untereinander folgen sie wieder der bekannten Farbrangfolge: Kreuz-Bube (der Alte) ist der höchste, danach kommen Pik-Bube, Herz-Bube und Karo-Bube.
Beim Farbspiel reihen sich hinter den vier Buben die restlichen Karten der Trumpffarbe ein, also Ass, Zehn, König, Dame, Neun, Acht und Sieben dieser Farbe. Der Kreuz-Bube schlägt damit selbst das Trumpf-Ass. Beim Grand sind ausschließlich die vier Buben Trumpf, sonst nichts; alle vier Farben laufen dort als reine Farben ohne Oberkarten. Aus den Buben ergibt sich auch die Zahl der Spitzen, die beim Reizen den Ausschlag gibt. Wie man mit und ohne Spitzen richtig rechnet, habe ich ausführlich im Beitrag mit und ohne Spitzen beschrieben. Die genaue Trumpfordnung findest du im Beitrag zur Kartenreihenfolge und Trumpf.
Die Augenwerte: zusammen immer 120
Jede Karte trägt einen Zählwert, die sogenannten Augen. Sie entscheiden am Ende, wer gewonnen hat, denn der Alleinspieler braucht mindestens 61 Augen. Die Werte sind schnell gelernt:
- Ass: 11 Augen
- Zehn: 10 Augen
- König: 4 Augen
- Dame: 3 Augen
- Bube: 2 Augen
- Neun, Acht, Sieben: 0 Augen
Rechnet man eine Farbe zusammen, kommen 11 plus 10 plus 4 plus 3 plus 2 auf 30 Augen. Vier Farben ergeben zusammen 120 Augen, und diese Summe ist eine feste Größe im Spiel. 61 Augen genügen zum Sieg, bei 90 oder mehr wird die Gegenpartei Schneider, und wer keinen einzigen Stich abgibt, spielt schwarz. Die vollständige Übersicht aller Werte samt Beispielen liegt in der Punkteliste, und das reine Zählen habe ich im Beitrag Augen zählen Schritt für Schritt erklärt.
Ein kleiner Merksatz, der mir selbst am Anfang geholfen hat: Ass und Zehn tragen fast die gesamte Last, zusammen sind das 21 der 30 Augen einer Farbe. Die Neun, Acht und Sieben sind zählwertfrei; sie heißen deshalb auch die Luschen oder Blanken. Sie können trotzdem entscheidend sein, etwa um eine Farbe abzuwerfen oder den Skat abzudecken.
Warum die Rangfolge nicht gleich der Augenwert ist
Ein Punkt sorgt fast immer für Verwirrung: Die Zehn steht in der Rangfolge über dem König, obwohl der König “wichtiger” aussieht. Der Grund ist rein historisch und praktisch zugleich. Weil die Zehn mit zehn Augen nach dem Ass die wertvollste Karte ist, soll sie auch in der Stichreihenfolge hoch stehen, damit sie nicht zu leicht von einer niedrigen Karte des Königs geschluckt wird. Für dich am Tisch heißt das: Wer die Zehn ausspielt, riskiert nur gegen Ass und die Trumpfbuben etwas. Der König dagegen ist zählwertstark, aber schlägt in seiner Farbe weder Zehn noch Ass.
Diese Trennung von Augenwert und Rangfolge ist eine der ersten Hürden für Neulinge. Wer sie einmal verstanden hat, liest ein Blatt ganz anders. Weitere Fachbegriffe rund um die Karten habe ich in den Skat-Begriffen gesammelt.
Die Farben und ihre Grundwerte beim Reizen
Die Rangfolge der Farben ist nicht nur Zierde, sie steckt direkt im Spielwert. Jede Trumpffarbe hat einen festen Grundwert, mit dem der Reizwert eines Farbspiels berechnet wird, und dieser Grundwert steigt in genau der Reihenfolge, die du schon von den Buben kennst:
- Karo: Grundwert 9
- Herz: Grundwert 10
- Pik: Grundwert 11
- Kreuz: Grundwert 12
Der Grand steht mit dem Grundwert 24 über allen Farbspielen, und das Nullspiel hat feste Sonderwerte, die sich von diesem System lösen. Aus dem Grundwert und den Spitzen ergibt sich der Reizwert, den man am Tisch ansagt. Ein Kreuz-Spiel ist also nicht “besser” im Sinne der Karten, aber es bringt pro Spitze mehr, weil der Grundwert höher liegt. Wer die Farbrangfolge im Kopf hat, weiß beim Aufnehmen sofort, wie hoch er reizen kann. Die vollständige Folge aller Reizwerte habe ich in der Reizwerte-Tabelle aufgeschrieben, und wer schnell rechnen will, nutzt den Reizwert-Rechner.
Genau hier schließt sich der Kreis: Dieselbe Ordnung Kreuz, Pik, Herz, Karo bestimmt die Stärke der vier Buben, den Grundwert der Farbspiele und damit letztlich, wer das Spiel bekommt. Ein einziges Prinzip zieht sich durch das ganze Blatt.
Vom Blatt zum Spiel
Das Skatblatt ist die gemeinsame Grundlage jeder Partie, egal ob am Küchentisch oder auf dem Turnier. 32 Karten, vier Farben in fester Rangfolge, vier Buben als Dauertrümpfe und Augenwerte, die sich immer zu 120 addieren. Mehr Bausteine braucht es nicht, und doch entsteht daraus eines der reichsten Kartenspiele überhaupt.
Mein Rat an alle, die gerade anfangen: Nimm ein Blatt in die Hand und sortiere es einmal bewusst. Lege die vier Buben nach oben, dahinter die Trumpffarbe in der richtigen Reihenfolge, dann die übrigen Farben. Wer das ein paarmal macht, hat die Ordnung im Kopf, bevor er sie am Tisch braucht. Wenn du danach den nächsten Schritt gehen willst, führt der Weg über das Reizen und die Berechnung des Spielwerts.