Mein erstes Preisskat werde ich nicht vergessen. Am Stammtisch hatte ich mich für einen soliden Spieler gehalten, doch im Turniersaal herrschte eine ganz andere Ruhe: kein Bock, kein Ramsch, kein Geplänkel, nur festes Reizen und eine Wertung, die ich vorher kaum kannte. Genau diese Wertung entscheidet im Turnier, wer vorne landet, und sie belohnt ein anderes Spiel als der gemütliche Feierabendskat. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie Preisskat und Turnierskat aufgebaut sind, wie eine Serie abläuft und vor allem, wie die Punkte nach dem erweiterten Seeger-System genau berechnet werden. Wenn du mit dem Gedanken spielst, einmal bei einem Turnier mitzumachen, findest du hier alles, was du für den Einstieg brauchst.

Was Preisskat vom Kneipenskat unterscheidet

Preisskat ist organisierter Skat nach der Internationalen Skatordnung des Deutschen Skatverbandes. Der wichtigste Unterschied zum Feierabendskat: Es gibt keine Hausregeln. Bockrunden fallen weg, ein Ramsch wird nicht gespielt, und auch beim Reizen wird streng nach Ordnung verfahren. Wer sich überreizt, verliert sein Spiel automatisch, ganz ohne Nachsicht. Diese Strenge klingt zunächst nüchtern, sorgt aber dafür, dass an jedem Tisch dieselben Bedingungen gelten und der Vergleich fair bleibt.

Gespielt wird an Dreier- oder Vierertischen. Am Vierertisch setzt der jeweilige Geber aus, sodass immer drei Personen aktiv spielen, einer allein gegen zwei. Reihum ist jeder einmal Geber und damit einmal Zuschauer. Am Dreiertisch spielt jeder in jeder Runde mit. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn sie wirkt sich später auf die Bonuspunkte aus.

Der Aufbau einer Serie

Die Grundeinheit eines Turniers ist die Serie. Üblicherweise umfasst eine Serie 48 Spiele, was am Vierertisch zwölf vollen Runden entspricht. Jeder spielt also im Lauf einer Serie gleich oft und hat gleich oft die Gelegenheit, als Alleinspieler anzutreten. Größere Turniere bestehen aus mehreren Serien hintereinander, und am Ende werden die Ergebnisse zusammengezählt. Wer die meisten Punkte gesammelt hat, steht oben in der Wertung.

Damit niemand durch einen ungünstigen Tisch benachteiligt wird, werden die Plätze oft nach jeder Serie neu gemischt. So sitzt du im Verlauf eines Turniers mit unterschiedlichen Gegnern zusammen, und Glück oder Pech mit einem einzelnen Tisch gleicht sich über die Serien hinweg aus.

Die Wertung nach dem erweiterten Seeger-System

Jetzt zum Kern, der Wertung. Im Turnier gilt das erweiterte Seeger-System, oft nach seinen Urhebern auch Seeger-Fabian-System genannt. Der Grundgedanke ist einfach: Aufgeschrieben wird in erster Linie beim Alleinspieler, aber gewonnene und verlorene Spiele werden mit festen Zusatzpunkten versehen, und bei einer Niederlage bekommen auch die Gegner etwas gutgeschrieben. So entsteht ein Ausgleich, der aktives, mutiges Spiel belohnt.

Die Regeln im Einzelnen:

  • Gewonnenes Spiel: Der Alleinspieler erhält den Spielwert plus einen Bonus von 50 Punkten.
  • Verlorenes Spiel: Dem Alleinspieler wird der doppelte Spielwert abgezogen, und zusätzlich verliert er 50 Punkte.
  • Bonus für die Gegner: Verliert der Alleinspieler, bekommt jeder Gegner Zusatzpunkte gutgeschrieben, nämlich 40 Punkte am Dreiertisch und 30 Punkte am Vierertisch. Am Vierertisch erhält auch der aussetzende Geber diese 30 Punkte.

Ein Beispiel macht es greifbar. Nehmen wir ein gewonnenes Pik-Spiel mit zwei Spitzen, also mit dem Spielwert 33 (11 mal 3). Im Turnier schreibst du dafür 33 plus 50, macht 83 Punkte gut. Verlierst du dasselbe Spiel, kostet es dich zweimal 33 plus 50, also 116 Punkte, und jeder deiner Gegner freut sich am Vierertisch über je 30 Zähler. Wer den Spielwert selbst noch nicht sicher im Kopf hat, rechnet ihn am besten mit dem Spielwert-Rechner durch; die vollständige Herleitung steht unter Skat-Werte berechnen.

Warum diese Zusatzpunkte sinnvoll sind

Auf den ersten Blick wirken die 50er-Boni und die Gegnerpunkte willkürlich. Sie haben aber einen guten Grund. Der feste Zuschlag von 50 Punkten macht jedes gewonnene Spiel wertvoll, auch das kleinste. Ein einfaches Spiel um 18 ist im Kneipenskat kaum der Rede wert, im Turnier bringt es dir mit dem Bonus jedoch 68 Punkte. Dadurch lohnt es sich, aktiv zu spielen, statt vorsichtig zu passen und auf die großen Blätter zu warten.

Die Gegnerpunkte sorgen für den zweiten Ausgleich. Sie gleichen aus, dass am Tisch nur einer als Alleinspieler auftritt, und sie verhindern, dass reines Abwarten belohnt wird. Wer nie spielt, sammelt auch keine Boni und fällt in der Wertung zurück. Dass es am Vierertisch je 30 und am Dreiertisch je 40 Punkte gibt, ist übrigens kein Zufall: So bleibt die Summe der verteilten Gegnerpunkte an beiden Tischgrößen ungefähr gleich, und Dreier- und Vierertische sind miteinander vergleichbar.

Kontra, Re und die feine Strenge

Auch mit Kontra und Re wird im Turnier klar umgegangen. Sie sind erlaubt und verdoppeln beziehungsweise vervierfachen den Spielwert nach den Regeln der Skatordnung; die Grundlagen dazu habe ich unter Kontra und Re beschrieben. Was im Turnier dagegen keinen Platz hat, sind spontane Sonderabreden. Jede Ansage, jedes Aufnehmen des Skats und jede Karte folgen der Ordnung, und bei Unklarheiten entscheidet die Turnierleitung. Diese Verlässlichkeit ist für mich einer der Reize des Wettbewerbs: Man kann sich ganz auf das Spiel konzentrieren, weil über die Regeln nicht diskutiert wird.

Vom Vereinsabend zum großen Turnier

Preisskat gibt es in vielen Größen. Am Anfang steht meist der örtliche Skatverein, in dem an festen Abenden nach Turnierregeln gespielt wird. Wer dort Gefallen findet, kann sich an Vereinspokalen, an offenen Preisskatabenden in Gaststätten und an den Meisterschaften der Verbände versuchen. Der Deutsche Skatverband gliedert sich in zahlreiche Vereine und regionale Verbände, und darüber führt der Weg bis zu den großen Meisterschaften. Das Schöne daran: Die Wertung ist auf jeder Ebene dieselbe. Was du am Vereinsabend über das Seeger-System lernst, gilt genauso beim größten Turnier. Du musst dich also nicht umgewöhnen, sondern kannst dich Schritt für Schritt steigern.

Ein offener Preisskatabend ist übrigens der einfachste Einstieg. Man meldet sich vor Ort an, zahlt ein kleines Startgeld, spielt zwei oder drei Serien, und am Ende gibt es eine Siegerehrung mit Preisen. Niemand erwartet dort, dass du perfekt spielst; die meisten sind froh über jedes neue Gesicht am Tisch. Genau so habe ich angefangen, und ich kann es jedem nur empfehlen.

Tipps für dein erstes Turnier

Aus meinen ersten Turnieren habe ich vor allem drei Lehren mitgenommen. Erstens: Spiele aktiv. Weil jedes gewonnene Spiel den 50er-Bonus bringt, sind auch kleine, sichere Farbspiele bares Geld wert. Wer nur auf den Grand wartet, verschenkt Punkte. Zweitens: Vermeide das Überreizen um jeden Preis. Ein überreiztes Spiel gilt als verloren, und mit doppeltem Spielwert plus 50 Minuspunkten reißt ein einziger Fehlgriff ein großes Loch in deine Serie. Rechne dein Blatt deshalb vor jedem Reizen sauber durch; der Reizwert-Rechner hilft dir, dein Limit zu finden. Drittens: Bleib auch im Gegenspiel wach. Jedes verlorene Spiel des Alleinspielers bringt dir Punkte, und ein aufmerksames Zusammenspiel mit deinem Partner kann eine Serie drehen.

Wer diese drei Dinge beherzigt, kommt schon beim ersten Turnier ordentlich zurecht. Der Rest ist Übung, Ruhe und ein bisschen Freude am Vergleich. Wenn du dich zusätzlich mit dem Verhalten am Tisch vertraut machen willst, lohnt ein Blick auf die Skat-Etikette, und zum Nachrechnen der Werte während der Partie leistet die Punkteliste gute Dienste. Dann steht deinem ersten Preisskat nichts mehr im Weg, und vielleicht sehen wir uns ja irgendwann an einem Turniertisch wieder.