Man erkennt einen erfahrenen Skatspieler oft schon daran, wie er seine Karten aufnimmt. Kein Hektik, kein Umsortieren mitten im Reizen, sondern ein ruhiger Griff, und die zehn Karten liegen in einer Ordnung, aus der er ablesen kann, was das Blatt hergibt. Anfänger dagegen halten ihre Karten oft, wie sie kamen, kreuz und quer, und wundern sich, dass sie im Reizen ins Schwimmen geraten. Sortieren ist keine Fleißarbeit, sondern der erste Schritt jeder Entscheidung. Ich zeige dir, wie ich es mache und was ich dabei alles aus dem Blatt herauslese.

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Warum ich mein Blatt überhaupt sortiere

Beim Skat bekommt jeder zehn Karten, zwei weitere liegen verdeckt im Skat. Zehn Karten klingen nach wenig, aber unsortiert sind sie ein Durcheinander, in dem man leicht eine Farbe übersieht oder einen Buben übersieht, der über Sieg und Niederlage entscheidet. Ich sortiere aus einem einzigen Grund: Ich will mit einem Blick sehen, wie stark ich bin. Wie viele Trümpfe könnte ich haben, welche Farbe ist meine längste, wo habe ich Augen, wo Lücken. Diese Fragen beantworte ich nicht durch Nachdenken, sondern durch die Ordnung auf der Hand. Ein gut sortiertes Blatt denkt ein Stück weit für dich mit.

Wichtig ist mir dabei die Ruhe. Ich nehme die Karten auf, fächere sie einmal sauber und sortiere in einem Rutsch. Wer während des Reizens nervös umsteckt, verrät den Gegnern, dass sich gerade etwas an seiner Einschätzung ändert. Am Skattisch sind das Signale, die geübte Spieler durchaus lesen.

Meine Reihenfolge: Farben trennen, Buben an den Rand

So ordne ich: Ich lege die vier Farben getrennt nebeneinander, damit keine zwei gleichen Farben auseinanderrutschen. Innerhalb einer Farbe sortiere ich von hoch nach niedrig, also Ass, Zehn, König, Dame und dann die kleinen. Die Buben nehme ich aus den Farben heraus und stelle sie an eine Seite, meist ganz nach links, denn sie gehören in jedem Farbspiel und im Grand nicht zu ihrer Farbe, sondern sind die höchsten Trümpfe. Ihre feste Reihenfolge ist Kreuz, Pik, Herz, Karo, vom stärksten zum schwächsten. Diese Rangfolge sollte man im Schlaf können; die ganze Kartenreihenfolge im Trumpf habe ich gesondert erklärt.

Ob ich Rot und Schwarz abwechselnd lege, ist Geschmackssache, aber ich mache es bewusst, damit ich beim schnellen Zugeben nicht aus Versehen die falsche Farbe erwische. Zwei schwarze Farben direkt nebeneinander sehen im Eifer des Gefechts ähnlich aus, und ein falsch bedienter Stich kann ein sicheres Spiel kosten. Kleine Ordnung, großer Schutz.

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Zuerst zähle ich die Buben

Wenn das Blatt liegt, wandert mein Blick als Erstes zu den Buben, denn sie bestimmen den Kern des Reizwerts. Entscheidend ist, ob ich den Kreuz-Buben habe, den höchsten Trumpf überhaupt. Habe ich ihn, spiele ich mit einer bestimmten Zahl von Spitzen, habe ich ihn nicht, spiele ich ohne. Diese Zahl, zusammen mit dem Grundwert der Spielfarbe, ergibt den Spielwert. Die Grundwerte sind fest: Karo neun, Herz zehn, Pik elf, Kreuz zwölf und der Grand vierundzwanzig.

Ein kurzes Beispiel, damit es greifbar wird. Ich halte Kreuz-Bube, Pik-Bube und Karo-Bube, es fehlt nur der Herz-Bube. Dann spiele ich mit zwei Spitzen, weil die Reihe der obersten Buben nach dem Pik-Buben unterbrochen ist. Bei einem Kreuz-Spiel rechne ich also zwei plus eins für das Spiel selbst, macht drei, mal Grundwert zwölf, ergibt sechsunddreißig. Ob ich mit oder ohne Spitzen und wie viele davon zählen, ist der Punkt, an dem viele durcheinanderkommen; ich habe das ausführlich unter mit und ohne Spitzen aufgeschrieben. Und wer nicht im Kopf rechnen will, tippt sein Blatt einfach in den Reizwert-Rechner und sieht sofort, wie hoch er reizen darf.

Was die Länge einer Farbe verrät

Nach den Buben schaue ich auf die Längen. Welche Farbe ist meine längste? Die ist der natürliche Kandidat für die Trumpffarbe, denn bei einem Farbspiel sind die vier Buben plus die sieben Karten dieser Farbe Trumpf, zusammen elf Stück. Je mehr davon ich selbst halte, desto eher habe ich die Mehrheit der Trümpfe und damit die Kontrolle. Fünf oder sechs Karten einer Farbe plus zwei, drei Buben sind ein handfestes Farbspiel.

Genauso wichtig sind die kurzen Farben. Habe ich in einer Farbe nur eine einzige Karte oder gar keine, dann ist das eine Chance, denn eine kurze Farbe kann ich beim Drücken blank machen und später mit Trumpf abstechen. Eine blanke Farbe ist bares Gold für den Alleinspieler, weil die dicken Karten der Gegner in dieser Farbe an meinem Trumpf verpuffen. Beim Drücken geht es genau darum, solche Lücken sauber zu bauen. Ein sortiertes Blatt zeigt mir diese Möglichkeiten sofort, weil die kurzen Farben nackt am Rand liegen und ins Auge springen.

Zwischen den Extremen liegen die mittleren Farben mit drei, vier Karten, und die sind oft die eigentliche Frage. Habe ich dort Augen ohne Deckung, also eine Zehn ohne Ass, dann ist das eine Schwachstelle, die ich im Spiel schützen muss. Solche Wackelkandidaten erkenne ich nur, wenn die Farben ordentlich von hoch nach niedrig liegen.

Vom sortierten Blatt zur Entscheidung

Jetzt setzt sich alles zusammen. Aus der Zahl der Buben, der längsten Farbe und den Lücken forme ich in wenigen Sekunden eine erste Idee: Reizt sich das als Farbspiel, taugt es sogar zum Grand, weil ich starke Buben und nebenher genug Asse habe, oder halte ich lieber ein Nullspiel, weil ich viele kleine Karten und kaum Buben sehe. Das sortierte Blatt ist die Landkarte für diese Frage. Wie ich am Ende die Spielart wähle, habe ich unter welches Spiel spielen genauer beschrieben.

Ein Grand kündigt sich meist so an: zwei oder mehr Buben, dazu mehrere Asse und Zehnen, aber keine lange Trumpffarbe. Ein Farbspiel zeigt sich an der Länge, ein Nullspiel an vielen kleinen Karten, am liebsten mit Sieben und Acht als Absicherung nach unten. Erst wenn ich das gesehen habe, mische ich mich ins Reizen ein, und dann weiß ich auch, wo meine Schmerzgrenze liegt. Ob das Blatt den gereizten Wert am Ende trägt, prüfe ich nach dem Spiel gern noch einmal mit dem Spielwert-Rechner, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie knapp es wirklich war.

Ein Blatt zum Mitlesen

Nehmen wir ein konkretes Beispiel, damit das Sortieren nicht abstrakt bleibt. Ich bekomme diese zehn Karten: Kreuz-Bube, Pik-Bube, dazu in Kreuz das Ass, die Zehn, den König und die Acht, in Pik das Ass, in Herz das Ass und in Karo die Acht und die Sieben. Sortiert liegt das so vor mir: links die beiden Buben, dann die vier Kreuz von hoch nach niedrig, danach die einzelnen Asse in Pik und Herz und ganz rechts die kleinen Karo.

Was lese ich heraus? Erstens die Buben: Kreuz-Bube und Pik-Bube, die beiden obersten in ununterbrochener Reihe, also mit zwei Spitzen. Bei einem Kreuz-Spiel macht das zwei plus eins mal zwölf, also sechsunddreißig. Zweitens die Länge: Vier Kreuz plus zwei Buben ergeben sechs Trümpfe von elf, das ist die Mehrheit, ich habe die Kontrolle. Drittens die Augen: zwei blanke Asse in Pik und Herz bringen sichere elf Augen, sobald ich sie durchbekomme. Viertens die Lücke: die beiden kleinen Karo kann ich beim Drücken loswerden und Karo blank machen, dann stechen meine Trümpfe die gegnerischen Karo-Augen ab. Aus einem sortierten Blatt wird so in wenigen Sekunden ein klarer Plan: ein bequemes Kreuz-Spiel mit zwei Spitzen. Ohne Ordnung hätte ich lange gebraucht, um dasselbe zu sehen.

Ein paar Gewohnheiten am Tisch

Zum Schluss die kleinen Dinge, die man sich früh angewöhnen sollte. Halte die Karten dicht am Körper und nach oben gefächert, damit die Nachbarn nicht mitlesen. Sortiere möglichst gleichmäßig, denn wer die Trümpfe demonstrativ zusammenschiebt, sobald er ein starkes Blatt hat, erzählt den Gegnern mehr, als ihm lieb ist. Und lass das Umsortieren, sobald das Reizen läuft; eine ruhige Hand verrät nichts. Zu diesen Feinheiten gehört noch einiges mehr, das im Beitrag zur Skat-Etikette steht.

Sortieren wirkt banal, aber es ist die Gewohnheit, aus der alles Weitere folgt. Ich habe in vierzig Jahren am Skattisch kaum einen starken Spieler gesehen, der sein Blatt schlampig hält. Die Ordnung auf der Hand ist die Ordnung im Kopf, und wer sie hat, reizt sicherer, spielt sauberer und verschenkt weniger. Fang bei den Buben an, achte auf die Längen und die Lücken, und der Rest ergibt sich fast von selbst.