Zwei gleich gute Blätter, zwei völlig verschiedene Spiele. Das liegt oft nicht am Blatt, sondern daran, wo einer sitzt. Die Position am Tisch bestimmt, wer zuerst reizen muss, wer die erste Karte legt und wer im Stich das letzte Wort hat. Ich habe schon Grands verloren, die von einer anderen Seite des Tisches sicher durchgegangen wären, und ich habe mit mittelmäßigen Karten gewonnen, nur weil ich in Vorhand saß. Wer die drei Positionen versteht, reizt mutiger, wenn er darf, und passt rechtzeitig, wenn die Position gegen ihn arbeitet.

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Wer wo sitzt

Gegeben wird im Uhrzeigersinn, und die Namen der Positionen hängen am Geber. Links vom Geber sitzt die Vorhand, sie spielt die allererste Karte aus. Es folgt die Mittelhand, danach die Hinterhand. Am Dreiertisch ist die Hinterhand zugleich der Geber; am Vierertisch sitzt der Geber aus, und die drei aktiven Spieler verteilen sich auf Vor-, Mittel- und Hinterhand. Mit jeder Runde wandern die Rollen weiter, jeder ist also mal Vorhand, mal Mittelhand, mal Hinterhand.

Zwei Dinge kleben fest an der Position: die Reihenfolge beim Reizen und die Reihenfolge im Stich. Beides klingt nebensächlich, entscheidet aber im Laufe eines Spiels ziemlich viel. Wer die genaue Abfolge des Bietens noch einmal nachlesen will, findet sie im Beitrag zum Reizen.

Reizen: wer hört, ist im Vorteil

Beim Reizen fängt die Mittelhand an und sagt der Vorhand einen Wert an. Die Vorhand hält oder sagt weg. Wer von den beiden übrig bleibt, bekommt es danach mit der Hinterhand zu tun. Der springende Punkt: Die Vorhand muss nie von sich aus einen Wert nennen, sie antwortet nur mit “ja” oder “weg”. Sie hört also zu, während die anderen sich hochtreiben, und kann ihr Blatt in Ruhe an den gebotenen Werten messen.

Die Mittelhand hat es genau umgekehrt am schwersten. Sie eröffnet, ohne ein einziges Gebot der Gegner gehört zu haben. Sie muss blind einschätzen, wie weit ihr Blatt trägt, und läuft am ehesten Gefahr, sich mit einem mittelprächtigen Spiel selbst zum Alleinspieler zu machen. Die Hinterhand steigt zuletzt ein und hat vorher schon ein Bietduell mitgehört; auch das ist bares Wissen.

Für die Praxis heißt das: In Vorhand darf mein Blatt eine Spur dünner sein, ich lasse mir das Spiel oft von den anderen andienen. In Mittelhand bin ich vorsichtiger und reize nur hoch, wenn ich weiß, wohin die Reise geht. Wie viel ein bestimmtes Blatt überhaupt hergibt, rechne ich bei Grenzfällen kurz mit dem Reizwert-Rechner nach, statt mich zu verschätzen.

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Vorhand: die stärkste Position

Vorhand ist die beste Position am Tisch, und das aus einem einfachen Grund: Wer ausspielt, führt. Ich lege die erste Karte, ich gebe das Tempo vor, ich bestimme, welche Farbe zuerst läuft. Als Alleinspieler in Vorhand kann ich sofort Trumpf ziehen, und jede Trumpfrunde, die ich anspiele, nimmt den Gegnern bis zu zwei Trümpfe aus der Hand, einen von der Mittelhand, einen von der Hinterhand. Nach zwei sauberen Trumpfrunden ist bei den meisten Verteilungen die Luft raus, und ich spiele meine Farben durch.

Diese Kontrolle ist so viel wert, dass ich als Alleinspieler in Vorhand oft mit einem Trumpf weniger auskomme als in den anderen Positionen. Ein Farbspiel mit vier Trümpfen, das in Mittelhand heikel wird, geht in Vorhand meist glatt durch, weil ich die Gegner entwaffne, bevor sie zum Zug kommen. Mehr dazu, wie man als Solist die Trümpfe zieht und die Stiche einsammelt, steht im Beitrag Als Alleinspieler das Spiel führen.

Hinterhand: der letzte Blick

Die Hinterhand ist die zweitbeste Position, und ihre Stärke liegt im Timing. Im Stich legt sie zuletzt, sie sieht also beide Karten der anderen, bevor sie sich entscheidet. Das ist ein handfester Vorteil. Als Gegenspieler in Hinterhand kann ich einen schon gewonnenen Stich meines Partners mit einem fetten Luder veredeln, ohne ein Risiko einzugehen, denn ich weiß bereits, dass der Stich sitzt. Genauso kann ich einen billigen Stich verfallen lassen, wenn er mir nichts bringt, und meine Kraft für später aufsparen.

Diese Freiheit, erst zu schauen und dann zu handeln, macht die Hinterhand zum idealen Platz zum Schmieren. Wann sich das lohnt und welche Karten man dem Partner zuschiebt, habe ich im Beitrag Schmieren und Wimmeln ausführlich beschrieben.

Mittelhand: das undankbare Los

Bleibt die Mittelhand, und ehrlich gesagt ist das der Platz, an dem ich am wenigsten gern sitze. Beim Reizen muss sie vorlegen, ohne Information. Im Stich legt sie in der Mitte, sie sieht also die Karte der Vorhand, weiß aber nie, was die Hinterhand hinterher noch draufpackt. Als Gegenspieler in Mittelhand tappe ich beim Zugeben halb im Dunkeln: Schmiere ich, kann die Hinterhand des Alleinspielers den Stich vielleicht doch noch abnehmen, und mein schönes Luder ist verschenkt.

Aus dieser Zwickmühle kommt man nur mit Disziplin heraus. In Mittelhand reize ich zurückhaltender und werfe als Gegenspieler nicht blind Augen in einen Stich, dessen Ausgang ich noch nicht kenne. Lieber gebe ich klein zu und warte auf eine Situation, in der ich als Hinterhand oder als Vorhand wieder das Heft in die Hand bekomme.

Als Gegenspieler die Position nutzen

Auch im Gegenspiel dreht sich viel um die Position, nur andersherum als beim Alleinspieler. Sitzt du als Gegenspieler in Vorhand, hast du das Ausspiel gegen den Solisten und kannst ihn stören, etwa indem du eine lange Farbe anspielst oder ihm früh die Trümpfe abnötigst. Der Gegenspieler in Hinterhand ist der geborene Abnehmer und Schmierer. Die beiden Gegenspieler sollten sich als Team begreifen: Der eine bringt den Stich nach Hause, der andere lädt ihn mit Augen voll. Wie dieses Zusammenspiel im Detail funktioniert, steht im Beitrag zum Gegenspiel, und warum der erste Stich dabei so oft die Weichen stellt, habe ich gesondert aufgeschrieben.

Ein kleines Beispiel aus einer Runde neulich: Der Alleinspieler saß in Mittelhand und spielte einen Grand. Ich hatte als Vorhand-Gegner zwei Buben und eine lange Kreuzfarbe. Statt abzuwarten, habe ich sofort Kreuz nachgezogen. Der Solist musste bedienen, konnte nicht schmieren, und mein Partner in Hinterhand hat jeden Stich, den ich nicht selbst machte, mit Zehnen und Assen zugedeckt. Am Ende fehlten dem Alleinspieler die Augen, obwohl seine Buben eigentlich gut standen. Die Position hat den Ausschlag gegeben, nicht das Blatt.

Meine Faustregeln

Nach vierzig Jahren am Tisch läuft es bei mir auf ein paar einfache Merksätze hinaus. In Vorhand darf ich mutiger reizen und komme als Solist mit weniger Trumpf aus, weil ich das Ausspiel habe. In Hinterhand spiele ich geduldig, weil der letzte Blick im Stich Gold wert ist. In Mittelhand halte ich mich zurück, beim Reizen wie beim Schmieren, denn diese Position bestraft Übermut am schnellsten.

Wichtig ist, die Position nicht als Schicksal zu sehen, sondern als Bedingung, die man einkalkuliert. Dasselbe Blatt ist in Vorhand ein Spiel und in Mittelhand ein Pass, und beides kann richtig sein. Wer sich das vor jedem Reizen kurz klarmacht, trifft über den Abend gerechnet deutlich bessere Entscheidungen. Ob ein Spiel am Ende genug Wert bringt, um den Reizwert zu decken, prüfe ich im Zweifel mit dem Spielwert-Rechner nach.

Kurz zusammengefasst

  • Vorhand (links vom Geber) spielt aus, führt das Spiel und hört beim Reizen nur zu. Stärkste Position, als Solist reicht oft ein Trumpf weniger.
  • Hinterhand legt im Stich zuletzt und sieht beide Karten der anderen. Ideal zum Schmieren und für ruhiges, informiertes Spiel.
  • Mittelhand muss beim Reizen blind eröffnen und legt im Stich in der Mitte. Undankbarste Position, hier lieber vorsichtig reizen und zugeben.
  • Position ist kein Schicksal, sondern Teil der Rechnung: dasselbe Blatt kann in Vorhand ein Spiel und in Mittelhand ein Pass sein.
  • Wie die Positionen in der Drei- und Viererrunde wandern, steht im Beitrag zur Spieleranzahl.

Titelbild: „Skat Players“ von Thomas Kirchner, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons.