Der erste Stich ist beim Skat der wichtigste, und kaum ein Anfänger behandelt ihn so. Man nimmt seine zehn Karten, freut sich über ein Ass und legt es einfach hin. Am Skattisch sehe ich das ständig, und es verschenkt Spiele. Was du zum ersten Stich anspielst, verrät den anderen etwas über dein Blatt, legt die Richtung des Spiels fest und entscheidet oft schon, wer die Kontrolle bekommt. In diesem Artikel gehe ich die Ausspielregeln durch, getrennt danach, ob du Alleinspieler oder Gegenspieler bist, denn die beiden Rollen spielen fast gegensätzlich. Die Grundlagen setze ich voraus, sie stehen in den Skat-Regeln.
Vorweg ein Wort zur Sitzposition. Anspielen muss immer die Vorhand, also der Spieler links vom Geber, und danach der Sieger jedes Stichs. Ob du überhaupt zum ersten Stich herauskommst, hängt also davon ab, wo du sitzt. Wer in Vorhand sitzt, hat das Ausspiel und damit die erste Weiche in der Hand. Das ist ein Vorteil, den man nutzen sollte.
Als Alleinspieler: fast immer Trumpf voran
Wenn du das Spiel angesagt hast und in Vorhand sitzt, lautet die Grundregel im Farbspiel: Zieh Trumpf. Du sitzt auf der Trumpfmehrheit, sonst hättest du nicht angesagt, und solange die Gegner Trümpfe halten, können sie deine Asse abstechen. Also spielst du deinen höchsten Trumpf an, meist einen Buben, und nimmst den Gegnern ihre Trümpfe weg, bevor du deine Augen ins Rennen schickst. Warum das so entscheidend ist, steht ausführlich im Artikel zur Spielführung als Alleinspieler.
Beim Grand ist es dasselbe Prinzip mit anderen Karten. Es gibt nur vier Trümpfe, die Buben, und wenn du die beiden höchsten hältst, spielst du sie zuerst, um die gegnerischen Buben zu ziehen. Danach laufen deine Asse. Hältst du die hohen Buben nicht, überlegst du dir genau, ob ein Grand überhaupt sicher ist, wie der Artikel Grand spielen zeigt.
Sitzt du als Alleinspieler nicht in Vorhand, kommst du zum ersten Stich gar nicht heraus. Dann kommt ein Gegner zuerst, und du musst reagieren, statt zu bestimmen. Genau deshalb sind grenzwertige Spiele in Vorhand sicherer, das solltest du schon beim Reizen einplanen.
Als Gegenspieler: die Kunst des Anspielens
Hier wird es interessant, denn als Gegenspieler willst du dem Alleinspieler das Leben schwer machen, und das Ausspiel ist dafür dein schärfstes Werkzeug. Ein paar Leitlinien, die sich über die Jahre bewährt haben.
Spiel deine lange Farbe an. Wenn du in einer Nebenfarbe viele Karten hältst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Alleinspieler dort kurz ist und bald blank wird. Spielst du diese Farbe immer wieder, zwingst du ihn irgendwann zum Trumpfen, und das kostet ihn Trümpfe, die er lieber für seine eigenen Pläne behalten hätte.
Ass voran, wenn du es hast. Sitzt du in Vorhand und hältst ein Ass in einer Nebenfarbe, ist das Anspielen dieses Asses oft stark. Es macht ziemlich sicher einen Stich, denn der Alleinspieler kann es nur mit einem Trumpf schlagen, und in der ersten Runde hat er meist noch nicht abgeworfen. Dazu holst du elf Augen für deine Partei. Beim Gegenspiel geht es genau darum, gemeinsam auf 60 Augen zu kommen, wie der Artikel zum Gegenspiel erklärt.
Denk an deinen Partner. Du und der andere Gegenspieler seid ein Team. Wenn du eine Farbe anspielst, in der dein Partner hoch sitzt, kann er einen Stich machen oder dir Augen zuschieben, das sogenannte Schmieren. Anfangs weißt du nicht, wo dein Partner stark ist, aber mit jedem Stich lernst du dazu, und ein aufmerksames Anspiel im späteren Verlauf kann ein verloren geglaubtes Spiel drehen.
Vorsicht bei Farben, in denen der Alleinspieler stark sein könnte. Wenn du selbst nur eine einzelne hohe Karte in einer Farbe hältst, etwa eine blanke Zehn, spiel sie nicht an. Du fütterst damit womöglich das gegnerische Ass. Solche Karten hältst du zurück und wirst sie später los, wenn du eine andere Farbe nicht bedienen kannst.
Nullspiel: das Anspielen dreht sich um
Beim Nullspiel gelten andere Gesetze, denn dort will der Alleinspieler keinen einzigen Stich machen, und es gibt keine Trümpfe. Als Gegenspieler ist dein Ziel, ihm genau einen Stich aufzuzwingen. Dafür spielst du Farben an, in denen der Alleinspieler vermutlich hoch sitzt, und du versuchst, ihn nach oben zu treiben. Ein bewährtes Muster ist, eine Farbe von unten anzuspielen, also mit einer kleinen Karte, sodass er irgendwann seine hohe Karte legen und den Stich nehmen muss. Die geänderte Kartenreihenfolge, bei der die Zehn zwischen Bube und Neun rutscht, macht das Anspielen beim Null zu einer eigenen Kunst. Wer sie beherrschen will, findet die Details im Artikel zum Nullspiel und die Praxis in der Nullspiel-Strategie.
Als Nullspieler selbst spielst du, wenn du herauskommst, deine sichersten niedrigen Karten an, um dich zu entlasten. Eine blanke Sieben ist Gold wert, denn sie kann in ihrer Farbe nie einen Stich gewinnen. Aber die Feinheiten des Nullspiels sprengen diesen Artikel, hier geht es um das Anspielen im Farbspiel und im Grand.
Ein häufiger Fehler: das eigene Ass zu spät bringen
Ein Muster, das ich bei Gegenspielern oft sehe: Sie halten ihr Ass fest, warten auf den perfekten Moment, und am Ende sticht der Alleinspieler es doch noch ab, weil er in dieser Farbe längst blank ist. Als Gegenspieler in Vorhand gilt oft: Bring dein Ass früh, solange der Alleinspieler noch bedienen muss. Ein sicherer Stich mit elf Augen jetzt ist mehr wert als die Hoffnung auf einen noch besseren Moment, der vielleicht nie kommt.
Umgekehrt gilt für dich als Alleinspieler: Wenn du merkst, dass ein Gegner sein Ass zurückhält, kannst du diese Farbe gezielt selbst leer spielen und dann abwerfen, damit du sie später trumpfen kannst, statt das Ass zu erben.
Zusammengefasst
Zum ersten Stich denkst du in zwei Rollen. Als Alleinspieler ziehst du im Farbspiel und im Grand zuerst Trumpf, um die Gegner trumpffrei zu machen und deine Asse zu schützen. Als Gegenspieler spielst du deine lange Farbe oder ein Ass an, denkst an deinen Partner und behältst gefährdete hohe Karten zurück. In beiden Rollen ist die Vorhand der beste Platz, weil sie das Ausspiel hat.
Das Anspielen ist eine Fertigkeit, die mit jeder Runde besser wird. Achte ein paar Abende bewusst darauf, was du zum ersten Stich legst und warum, und du wirst merken, wie oft sich das ganze Spiel schon an dieser einen Karte entscheidet. Wer tiefer in die Farbstrategie einsteigen will, findet mehr in der Farbenspiel-Strategie und in der Strategie für Anfänger.