Es passiert schneller, als man denkt. Einer ist mit den Gedanken woanders, wirft eine Herz ab, obwohl noch ein Karo auf der Hand liegt, und die ausgespielte Farbe war Karo. Falsch bedient. Am Küchentisch wird dann gern lange diskutiert, wer jetzt was hat und ob man den Stich einfach zurücknimmt. Die Internationale Skatordnung des Deutschen Skatverbandes ist da erfreulich eindeutig, und wer die paar Regeln kennt, erspart sich das halbe Streiten. Ich gehe sie der Reihe nach durch, so wie sie in der Ordnung stehen und wie ich sie am Tisch anwende.
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Was Bedienen überhaupt heißt
Zur Erinnerung der Kern der Sache: Nach dem Ausspielen muss jeder Spieler eine Karte in der ausgespielten Farbe oder im geforderten Trumpf zugeben, soweit ihm das möglich ist (Ziffer 4.2.1 der Skatordnung). Wer die Farbe nicht hat, darf abwerfen oder mit Trumpf stechen; wird Trumpf gefordert und man hat keinen, gibt man eine beliebige Karte zu (4.2.2). Diese Bedienpflicht steht über allem anderen, sie ist keine Frage der Höflichkeit, sondern die Grundregel des Stichspiels. Die Feinheiten von Bedienpflicht und Stichzwang habe ich im Beitrag Bedienpflicht und Stichzwang ausführlich behandelt.
Falsch bedient hat also nur, wer die verlangte Farbe oder den Trumpf hätte bedienen können und es nicht getan hat. Wer eine Farbe schlicht nicht auf der Hand hat und deshalb abwirft, macht alles richtig. Das klingt selbstverständlich, wird am Tisch aber regelmäßig verwechselt.
Das Spiel ist sofort zu Ende
Jetzt der entscheidende Satz. Wurde eine ausgespielte Farbe oder geforderter Trumpf nicht bedient, obwohl es möglich war, ist das Spiel sofort beendet (4.2.3). Es wird nicht einfach der Stich korrigiert und weitergespielt, als wäre nichts gewesen. Der Verstoß beendet die Partie an Ort und Stelle, und dann wird nach festen Regeln entschieden, wer gewonnen hat.
Wichtig ist die Unterscheidung, ob das Spiel in diesem Moment schon entschieden war oder nicht. War es bereits entschieden, hatte also eine Partei schon sicher ihre nötigen Augen beisammen, dann gewinnt diese Partei mit den bis dahin eingebrachten Augen (4.1.3). Der Verstoß ändert am Ausgang dann nichts mehr. Spannend wird es, wenn die Partie beim Fehler noch offen war.
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Wer falsch bedient, hat verloren, aber nur einfach
Für den Normalfall, dass beim Verstoß noch nichts entschieden war, sagt die Ordnung: Wer vor der Spielentscheidung falsch bedient (oder einen anderen Regelverstoß begeht), für den ist das Spiel in der Stufe einfach verloren, also nicht mit Schneider oder Schwarz (4.1.4). Das ist eine faire Regel. Die schuldige Partei verliert, aber sie verliert nur das nackte Spiel, ohne die zusätzlichen Gewinnstufen für Schneider und Schwarz.
“Einfach” meint hier die Gewinnstufe, nicht die Abrechnung. Wie ein verlorenes Spiel danach aufgeschrieben wird, richtet sich nach den üblichen Regeln; das steht in der Punkteliste und im Beitrag Skat aufschreiben. Eine höhere Gewinnstufe als einfach bekommt die nicht schuldige Seite nur, wenn sie nachweisen kann, dass sie diese Stufe bei regelgerechtem Spiel sicher erreicht hätte (4.1.4). Am Vereinstisch heißt das im Klartext: Behaupten reicht nicht, die Karten müssen es hergeben.
Wenn der Alleinspieler falsch bedient
Bedient der Alleinspieler selbst falsch, während die Partie noch offen ist, hat er sein Spiel verloren, und zwar einfach. Die Gegenspieler bekommen ihren Punktgewinn für das vereitelte Spiel, ohne dafür einen einzigen weiteren Stich machen zu müssen. Ein unbedachter Abwurf des Solisten kostet also das ganze Spiel, egal wie stark sein Blatt sonst war. Ich habe schon erlebt, dass ein sicher stehender Grand an einer einzigen fahrig gelegten Karte gescheitert ist. Das tut weh, ist aber die Regel.
Wenn ein Gegenspieler falsch bedient
Bedient umgekehrt ein Gegenspieler falsch, hat die Gegenpartei verloren, und der Alleinspieler gewinnt sein Spiel, zunächst ebenfalls nur einfach. Hier greift aber ein wichtiger Sonderfall. War der Alleinspieler durch seine Reizung gezwungen, eine höhere Gewinnstufe zu erreichen, etwa weil er sich hochgereizt hat und den bloßen Spielwert gar nicht mehr erreicht, dann muss ihm bei einem Regelverstoß der Gegenpartei die fällige höhere Gewinnstufe ausnahmsweise zuerkannt werden, sofern die Gegenspieler diese Stufe nicht ohnehin schon erreicht hatten (4.1.5).
Das ist die Rettung für den Spieler, der sich verreizt hat: Ein Fehler der Gegner darf ihm nicht zum Nachteil ausgelegt werden. Wie es beim Verreizen ohne einen solchen Gegnerfehler ausgeht, habe ich im Beitrag Überreizen beschrieben.
Weiterspielen verlangen
Die geschädigte Seite hat noch eine zweite Möglichkeit, und die wird oft vergessen. Statt den einfachen Gewinn zu nehmen, kann die nicht schuldige Partei verlangen, dass weitergespielt wird. Die schuldige Partei ist dann zum Weiterspiel verpflichtet, der Fehler wird berichtigt, und der Regelverstoß zählt als nicht begangen (4.1.6 und 4.2.3).
Warum sollte man das wollen? Wegen Schneider und Schwarz. Wenn ich als Alleinspieler merke, dass ein Gegner falsch bedient hat, mein Blatt aber ohnehin auf Schneider oder sogar Schwarz zulief, dann nehme ich nicht den einfachen Gewinn, sondern lasse weiterspielen und hole mir die höhere Stufe am Brett. Umgekehrt können die Gegenspieler auf Weiterspielen bestehen, wenn sie ein Spiel des Solisten noch kippen oder ihn in den Schneider drücken wollen. Man wägt also ab: sicherer einfacher Gewinn oder die Chance auf mehr.
Zu spät gemerkt: die Renonce und ihre Frist
Nicht jeder Fehler fällt sofort auf. Wird das Nichtbedienen erst im weiteren Spielverlauf oder sogar nach Spielende bemerkt, so gilt das Spiel rückwirkend von dem Verstoß an als beendet, und es wird nach denselben Regeln entschieden (4.2.4). Man rechnet also zurück bis zu dem Stich, in dem falsch bedient wurde, und schaut, wie der Stand dort war.
Das geht aber nicht ewig. Das Recht, ein Nichtbedienen im Nachhinein zu reklamieren, erlischt mit dem Zusammenwerfen der Karten beider Parteien (4.2.5). Sind die Karten erst einmal gemischt zusammengeschoben, ist ein Verstoß nicht mehr zu belangen; er gilt dann, als wäre er nicht geschehen. Deshalb der praktische Rat: Wer einen Verdacht hat, spricht ihn aus, bevor die Karten in der Mitte landen. Danach ist die Sache erledigt.
Zu viele oder zu wenige Karten
Ein Verwandter des Nichtbedienens ist die falsche Kartenzahl. Hat ein Spieler trotz ordnungsgemäßem Geben plötzlich zu viele oder zu wenige Karten, weil er fehlerhaft gedrückt, doppelt zugegeben oder es sonst verschuldet hat, ist das Spiel zugunsten der Partei mit der richtigen Kartenzahl beendet (4.2.6). Auch das Vorwerfen oder spielbeeinflussende Vorziehen einer Karte durch einen Gegenspieler wird nach denselben Bestimmungen behandelt (4.2.7). Die Logik ist immer dieselbe: Wer den Fehler verursacht, trägt die Folgen.
Was ich am Tisch daraus mache
In der freien Runde nehmen wir es mit dem Weiterspielen oft locker und einigen uns pragmatisch. Sobald es aber um etwas geht, im Verein, im Turnier oder wenn ein Spiel knapp ist, halte ich mich strikt an die Ordnung, und das rate ich jedem. Die Regeln sind nicht dazu da, jemanden vorzuführen, sondern damit ein Fehler eine klare, vorhersehbare Folge hat und niemand sich benachteiligt fühlt.
Zwei Dinge merke ich mir vor allem. Erstens: Falsch bedient beendet das Spiel sofort, die schuldige Partei verliert einfach, und die Gegenseite kann auf Weiterspielen bestehen, wenn sie auf Schneider oder Schwarz aus ist. Zweitens: Reklamieren muss man, solange die Karten noch liegen. Wer beides beherzigt, kommt an jedem Skattisch ohne langes Palaver aus. Den kompletten Ablauf einer Runde und alle Grundregeln findest du im Beitrag zu den Skat-Regeln.
Kurz zusammengefasst
- Falsch bedient ist nur, wer die verlangte Farbe oder den Trumpf hätte bedienen können und es nicht getan hat (4.2.1 bis 4.2.3).
- Der Verstoß beendet das Spiel sofort. War es schon entschieden, gewinnt die Partei mit den bis dahin eingebrachten Augen (4.1.3).
- War die Partie noch offen, verliert die schuldige Partei in der Stufe einfach, ohne Schneider und Schwarz (4.1.4).
- Musste der Alleinspieler eine höhere Stufe erreichen, wird ihm diese bei einem Fehler der Gegner zuerkannt, sofern die Gegner sie nicht schon erreicht hatten (4.1.5).
- Die nicht schuldige Partei kann statt des einfachen Gewinns Weiterspielen verlangen, um Schneider oder Schwarz zu holen (4.1.6).
- Reklamieren geht nur, bis die Karten beider Parteien zusammengeworfen sind (4.2.5).
Titelbild: „SKAT Berliner Spielkarten“ von Mithila Madawa, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.