Neulinge am Skattisch wundern sich oft über denselben Punkt. Sie haben ein Spiel knapp verloren, rechnen mit einem kleinen Minus, und dann zieht ihnen der Schreiber plötzlich den doppelten Betrag ab. “Warum doppelt?”, fragen sie, und zu Recht, denn beim Gewinnen gibt es den Wert ja auch nur einfach. Die Antwort steht kurz und trocken in der Internationalen Skatordnung des Deutschen Skatverbandes, und sie hat gute Gründe. Ich erkläre in diesem Beitrag, wie die Regel genau lautet, wie sich der Betrag berechnet und warum sie das Reizen vorsichtiger macht, als mancher denkt.
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Die Regel: verloren zählt doppelt
Die Skatordnung formuliert es so knapp wie möglich: Alle verlorenen Spiele zählen doppelt. Für den Alleinspieler heißt das, dass ihm bei einer Niederlage nicht der einfache, sondern der zweifache Spielwert abgezogen wird, und zwar als Minus auf seinem Konto. Gewinnt er dasselbe Spiel, bekommt er den Spielwert dagegen nur einfach gutgeschrieben. Gewinn und Verlust sind also nicht symmetrisch; die Niederlage wiegt doppelt so schwer wie der Sieg.
Das klingt hart, ist aber die logische Kehrseite davon, dass der Alleinspieler sich das Spiel durch das Reizen selbst ausgesucht hat. Er hat behauptet, ein Spiel bestimmter Höhe zu gewinnen. Hält er diese Behauptung nicht, soll ihn das spürbar kosten. Genau diese doppelte Wertung ist es, die mutiges, aber unüberlegtes Reizen bestraft.
Wie der Spielwert zustande kommt
Um den Abzug zu verstehen, muss man wissen, woraus sich der Spielwert ergibt. Bei den Farbspielen und beim Grand ist der Spielwert immer der Grundwert der Spielart, multipliziert mit einem Faktor, dem sogenannten Spiel. Die Grundwerte sind fest: Karo 9, Herz 10, Pik 11, Kreuz 12 und Grand 24. Der Faktor setzt sich zusammen aus der Zahl der Spitzen (mit oder ohne Buben) plus eins für das Spiel selbst, dazu kommen Stufen wie Hand, Schneider, Schwarz oder Ouvert. Den ganzen Rechenweg habe ich in Skat-Spielwert berechnen Schritt für Schritt aufgeschrieben, und den Unterschied zwischen Spielwert und Reizwert erkläre ich in Spielwert und Reizwert.
Wichtig für unser Thema ist nur: Der Spielwert ist zuerst eine positive Zahl. Erst die Niederlage macht daraus ein Minus, und dann eben ein doppeltes.
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Ein gerechnetes Beispiel
Nehmen wir ein ganz normales Farbspiel. Ich spiele Pik mit zweien, also Pik mit zwei Spitzen. Der Faktor ist dann drei (zwei Spitzen plus eins fürs Spiel), der Grundwert von Pik ist 11. Der Spielwert ist also 11 mal 3, das sind 33.
Gewinne ich dieses Spiel, schreibe ich mir plus 33 gut. Verliere ich es, ziehe ich mir nicht minus 33 ab, sondern minus 66. Ein einziges zu wenig geholtes Auge verwandelt also plus 33 in minus 66, eine Differenz von 99 Punkten gegenüber dem Gewinn. Das zeigt, wie teuer ein knapp verlorenes Spiel wirklich ist.
Noch deutlicher wird es beim Grand. Ein Grand mit einer Spitze hat den Faktor zwei und den Grundwert 24, macht einen Spielwert von 48. Verloren sind das nicht minus 48, sondern minus 96. Ein verlorener Grand reißt also fast hundert Punkte in die Liste, und genau deshalb überlege ich mir einen Grand immer zweimal, bevor ich ihn reize. Wie viel ein Spiel im Einzelfall wert ist, lässt sich bequem mit dem Spielwert-Rechner nachrechnen.
Verloren durch Stiche oder durch Überreizen
Ein Spiel kann auf zwei Wegen verloren gehen, und in beiden Fällen gilt der doppelte Abzug.
Der erste und häufigste Weg ist das Verlieren an den Augen. Der Alleinspieler bleibt unter 61 Augen, oder er wird Schneider oder schwarz, obwohl er es nicht sein dürfte. Dann ist das gespielte Spiel schlicht verloren, und es zählt doppelt. Wo genau die Augengrenzen liegen, habe ich in 60 zu 60 im Skat und in Schneider und Schwarz beschrieben.
Der zweite Weg ist das Überreizen. Hier kann der Alleinspieler alle nötigen Augen holen und trotzdem verloren haben, weil er höher gereizt hat, als sein Spiel am Ende wert ist. Ein solches Spiel ist immer verloren, und der Abzug richtet sich nicht nach den geholten Augen, sondern nach dem Spielwert, den er für seinen Reizwert gebraucht hätte. Ein kurzes Beispiel: Ich habe bis 30 gereizt, spiele dann aber nur ein Pik mit einem Buben, Faktor zwei, also 11 mal 2 gleich 22. Mein Spiel ist nur 22 wert und deckt die gereizten 30 nicht. Es gilt als verloren, und abgezogen wird der nächste Pik-Wert, der die 30 erreicht, also 33, und das doppelt, macht minus 66. Die Einzelheiten und die vollständige Rechnung dazu stehen in Überreizen beim Skat.
Wie das auf der Liste aussieht
Auf der einfachen Kneipenliste schreibt man dem Alleinspieler bei einem Sieg den Spielwert als Plus in seine Spalte und bei einer Niederlage den doppelten Spielwert als Minus. Praktisch sieht das so aus: Gewinne ich mein Pik mit zweien, steht eine 33 in meiner Spalte; verliere ich es, steht dort eine 66 mit Minuszeichen. Wer am Ende des Abends die Spalten zusammenrechnet, merkt schnell, dass ein einziges verlorenes Spiel zwei oder drei gewonnene wieder auffrisst. In manchen Runden wird der doppelte Verlustbetrag zusätzlich den beiden Gegnern gutgeschrieben, in anderen nicht; das ist Vereinbarungssache. Im offiziellen Turnierskat nach dem Seeger-Fabian-System kommt noch ein Abzug von 50 Punkten je verlorenem Spiel obendrauf, und die Gegner bekommen Zusatzpunkte. Wie man sauber aufschreibt und wie Seeger-Fabian funktioniert, habe ich in Skat aufschreiben erklärt.
Bei Kneipenwertungen wie dem Bierlachs gelten eigene Rechenregeln, die mit der offiziellen Abrechnung nicht verwechselt werden sollten; das ist eine Tischvereinbarung, keine Regel der Skatordnung.
Beim Ramsch gilt die Verdopplung nicht
Ein häufiger Irrtum betrifft den Ramsch. Weil dort niemand ein Spiel angesagt hat, gibt es auch keinen Alleinspieler und keinen Spielwert, der sich verdoppeln ließe. Beim Ramsch zählt man am Ende die Augen, und wer die meisten hat, verliert, meist mit einem festen Minusbetrag oder mit seinen Augen als Minuspunkten, je nach Vereinbarung am Tisch. Die doppelte Wertung aus der Skatordnung greift hier also nicht. Wie der Ramsch gewertet wird und welche Varianten es gibt, habe ich in Ramsch ausführlich beschrieben. Es lohnt sich, beides sauber auseinanderzuhalten, denn gerade Anfänger verrechnen sich oft, wenn im selben Abend reguläre Spiele und Ramschrunden auf derselben Liste stehen.
Warum die Regel klüger macht
Die doppelte Wertung verändert, wie ich am Tisch denke. Weil ein Verlust doppelt wiegt, lohnt sich ein riskantes Spiel erst dann, wenn ich deutlich sicherer bin als bei einem Spiel, das ich ohnehin kaum verlieren kann. Faustregel: Ein Spiel, bei dem ich mir nicht mindestens einigermaßen sicher bin, reize ich lieber ab und lasse es dem Gegner. Besonders vorsichtig bin ich bei Hand- und Ouvert-Spielen, denn dort ist der Spielwert ohnehin hoch, und verdoppelt reißt eine Niederlage ein großes Loch.
Das heißt nicht, dass man nie etwas wagen soll. Aber wer die doppelte Wertung im Hinterkopf hat, reizt mit mehr Verstand und weniger Bauch. Wie weit ich beim Reizen überhaupt gehen darf, prüfe ich vorab mit dem Reizwert-Rechner, und wie man die eigene Reizgrenze aus den Spitzen abliest, steht in Mit und ohne Spitzen.
Meine Faustregel
Gewinn zählt einfach, Verlust zählt doppelt. Das ist die kürzeste Zusammenfassung der Regel, und sie steht genau so sinngemäß in der Skatordnung. Wer sie beim Reizen mitdenkt, versteht schnell, warum erfahrene Spieler lieber ein Spiel auslassen, das sie nur knapp gewinnen würden. Am Skattisch sage ich mir: Ein sicheres kleines Spiel ist mehr wert als ein unsicheres großes, denn das große kostet im Zweifel das Doppelte.