Skat sieht von außen komplizierter aus, als es ist. Wer zum ersten Mal an einem Tisch sitzt, hört Zahlen wie 18 und 20, sieht Buben als Trumpf laufen und versteht erst mal nur Bahnhof. Ich war genau da, und ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, dass alle anderen einen geheimen Code kennen. Dabei baut Skat auf sehr wenigen Grundideen auf, und die lassen sich an einem einzigen Abend begreifen. In diesem Artikel nehme ich dich an die Hand und gehe den Einstieg so durch, wie ich ihn heute einem Freund erklären würde: erst die Karten und das Ziel, dann der Ablauf einer Runde, und zum Schluss deine ersten eigenen Spiele. Danach kannst du mitspielen, und alles Weitere kommt mit der Übung von allein.
Was Skat eigentlich ist
Skat ist ein Kartenspiel für drei Personen. Das ist der erste Punkt, den man verstehen muss: Es spielt immer einer allein gegen die beiden anderen. Dieser eine heißt Alleinspieler, die beiden anderen sind die Gegenspieler und bilden für die Dauer eines Spiels ein Team. Wer der Alleinspieler wird, entscheidet sich vor jeder Runde neu, und zwar beim Reizen. Dazu später mehr.
Auch wenn ihr zu viert oder zu fünft am Tisch sitzt, spielen immer nur drei aktiv mit. Der Geber und bei fünf Personen noch ein weiterer setzen aus und geben nur die Karten. Wie das genau abläuft, habe ich im Artikel über die Spieleranzahl beim Skat beschrieben. Für den Anfang reicht: drei Aktive, einer allein gegen zwei.
Die 32 Karten und ihre Werte
Skat wird mit einem 32er Blatt gespielt. Vom klassischen 52er Kartenspiel fehlen also die Zweien bis Sechsen. Übrig bleiben in jeder der vier Farben acht Karten: Ass, Zehn, König, Dame, Bube, Neun, Acht, Sieben. Die Farben sind Kreuz, Pik, Herz und Karo, oft auch als deutsches Blatt mit Eichel, Grün, Herz und Schellen.
Jetzt kommt der wichtigste Merksatz für jeden Anfänger: Nicht jede Karte ist gleich viel wert. Es gibt zwei völlig verschiedene Rangfolgen, und man muss sie auseinanderhalten.
Die eine ist die Reihenfolge beim Stechen, also welche Karte welche schlägt. Die andere ist der Augenwert, also wie viele Punkte eine Karte am Ende zählt. Die Augen sind:
- Ass: 11 Augen
- Zehn: 10 Augen
- König: 4 Augen
- Dame: 3 Augen
- Bube: 2 Augen
- Neun, Acht, Sieben: 0 Augen
Zähl das zusammen und du kommst pro Farbe auf 30 Augen, mal vier Farben ergibt genau 120 Augen im ganzen Spiel. Diese Zahl solltest du dir merken, denn um sie dreht sich am Ende alles. Wer die Augenwerte sicher im Kopf haben will, findet in meinem Beitrag Augen zählen im Skat alles ausführlich, und die Punkteliste zeigt dir die Werte übersichtlich auf einen Blick.
Auffällig ist, dass die Zehn direkt hinter dem Ass die zweitstärkste Augenkarte ist, obwohl sie beim Stechen unter König und Dame stehen würde. Genau hier stolpern Anfänger gern: Die Zehn ist wertvoll, aber verletzlich. Merk sie dir als kostbare Karte, die man nicht leichtfertig verschenkt.
Trumpf und Buben: die eigentliche Hierarchie
Skat ist ein Trumpfspiel. Trumpf bedeutet, dass eine bestimmte Gruppe von Karten alle anderen Farben schlägt. Beim häufigsten Spiel, dem Farbspiel, sind die vier Buben immer Trumpf, und dazu kommt die komplette angesagte Trumpffarbe. Spielt der Alleinspieler zum Beispiel Kreuz, dann sind Trumpf: die vier Buben plus alle sieben restlichen Kreuzkarten.
Die vier Buben haben untereinander eine feste Reihenfolge, und die ist immer gleich: Kreuz-Bube ist der höchste, dann Pik-Bube, dann Herz-Bube, dann Karo-Bube. Diese Reihenfolge musst du dir einprägen, sie taucht überall wieder auf, auch beim Reizen. Unter den Buben folgen dann die übrigen Trumpfkarten der angesagten Farbe in der normalen Reihenfolge Ass, Zehn, König, Dame, Neun, Acht, Sieben.
In den drei anderen Farben, die nicht Trumpf sind, gilt die schlichte Reihenfolge Ass, Zehn, König, Dame, Neun, Acht, Sieben. Kein Bube ist dort dabei, denn die stehen ja alle beim Trumpf.
Wie eine Runde abläuft
Eine Runde Skat hat einen festen Ablauf, und wenn du ihn einmal durchgespielt hast, sitzt er. Er geht so:
Geben. Der Geber mischt und teilt aus. Jeder Spieler bekommt zehn Karten, und zwei Karten kommen verdeckt in die Tischmitte. Diese zwei heißen der Skat. Gegeben wird in einer festen Folge: erst drei Karten pro Spieler, dann die zwei in den Skat, dann vier, dann noch drei.
Reizen. Jetzt wird ausgehandelt, wer allein spielen darf. Die Spieler bieten Zahlen, und wer am höchsten geht, wird Alleinspieler. Diese Zahlen sind keine Wette auf die Augen, sondern der Spielwert, den man sich zutraut. Das Reizen ist für Anfänger die größte Hürde, deshalb habe ich ihm einen eigenen Artikel gewidmet: Reizen verständlich erklärt. Dort steht auch, woher die berühmte 18 kommt. Fürs Erste reicht: Wer sich das stärkste Blatt zutraut, gewinnt das Reizen und wird Alleinspieler.
Skat aufnehmen und drücken. Der Alleinspieler darf (muss aber nicht) die zwei Karten aus dem Skat aufnehmen. Dann hat er kurz zwölf Karten und legt zwei wieder verdeckt weg. Das nennt man Drücken. Die gedrückten Augen zählen am Ende für den Alleinspieler mit, deshalb drückt man gern hohe Augen in kurzen Farben. Wie man klug drückt, steht im Beitrag Skat drücken.
Spielansage. Der Alleinspieler sagt an, was er spielt, also welche Trumpffarbe oder ob er Grand oder Null spielt. Dazu gleich mehr.
Spielen. Die Vorhand, also der Spieler links vom Geber, spielt die erste Karte aus. Reihum legt jeder eine Karte, wer den Stich gewinnt, spielt zum nächsten aus. Es gilt Bedienpflicht: Du musst die ausgespielte Farbe bekennen, wenn du sie hast. Erst wenn du sie nicht hast, darfst du trumpfen oder eine beliebige Karte abwerfen.
Zählen. Am Ende zählen der Alleinspieler und das Gegnerteam jeweils die Augen in ihren gewonnenen Stichen. Der Alleinspieler braucht 61 der 120 Augen, um zu gewinnen. Die Gegner gewinnen, sobald sie 60 zusammen haben, denn 60 zu 60 reicht dem Alleinspieler nicht.
Die Spielarten: womit du anfängst
Skat kennt drei große Spielarten, und du musst sie nicht alle sofort beherrschen. Für den Einstieg reicht das Farbspiel, den Rest lernst du nach und nach.
Das Farbspiel. Du bestimmst eine der vier Farben zum Trumpf. Die vier Buben und die ganze Trumpffarbe stechen alles andere. Das ist das häufigste Spiel und der beste Ausgangspunkt zum Üben. Wie du deine Trümpfe geschickt einsetzt, steht in der Farbspiel-Strategie.
Der Grand. Hier sind nur die vier Buben Trumpf, sonst nichts. Der Grand ist das wertvollste normale Spiel und braucht ein starkes Blatt, meist mehrere Buben und viele Asse. Für den Anfang schaust du dir den Grand am besten erst an, wenn das Farbspiel sitzt; Details stehen im Artikel Grand spielen.
Das Nullspiel. Beim Null dreht sich alles um. Es gibt keinen Trumpf, die Buben sind ganz normale Karten, und dein Ziel ist, keinen einzigen Stich zu machen. Das klingt seltsam, ist aber ein eigener Reiz. Wer verstehen will, wie das funktioniert, liest Das Nullspiel verstehen.
Welches Spiel sich mit welchem Blatt lohnt, ist eine eigene Kunst. Eine praktische Entscheidungshilfe habe ich unter Welches Spiel soll ich spielen? zusammengetragen.
Deine ersten Spiele: worauf du achtest
Wenn du das erste Mal wirklich mitspielst, hilft dir eine Handvoll einfacher Leitplanken mehr als jede Theorie.
Reize vorsichtig. Als Anfänger verliert man die meisten Punkte durch Überreizen, also durch das Ansagen eines Werts, den das Blatt nicht trägt. Geh im Zweifel lieber einen Tick zu niedrig als zu hoch. Wenn du deinen Wert vor dem Reizen abschätzen willst, hilft dir der Reizwert-Rechner, und nach dem Spiel zeigt der Spielwert-Rechner, was dein Spiel tatsächlich wert war.
Zähl die Augen mit. Behalte im Kopf, wie viele Augen schon in den Stichen liegen. Sobald du oder die Gegner die 61 sicher habt, ändert das deine Entscheidungen. Anfangs fühlt sich das nach viel Rechnen an, aber es wird schnell zur Gewohnheit.
Sichere deine Asse und Zehnen. Die hohen Augen sind das Kapital jeder Farbe. Verschenke sie nicht an einen Stich, den der Gegner ohnehin bekommt.
Und der wichtigste Rat: Spiel viel. Skat lernt man nicht am Papier, sondern am Tisch. Nach den ersten paar Abenden verschwindet der Nebel, und die Zahlen, die anfangs so kryptisch klangen, ergeben plötzlich Sinn. Wer typische Stolperfallen von Anfang an umgehen will, dem lege ich noch die häufigsten Anfängerfehler ans Herz. Und wenn du die Grundregeln kompakt nachschlagen willst, findest du sie in den Skat-Regeln.