Es gibt kaum ein Gefühl beim Aufnehmen der Karten, das dem gleichkommt: Du sortierst dein Blatt, und da liegen sie, alle vier Buben nebeneinander. Kreuz, Pik, Herz, Karo. Die halbe Runde reizt du im Kopf schon weg, bevor die erste Zahl gefallen ist. Und tatsächlich, mit vier Buben hast du beim Grand eine Sache sicher: die volle Kontrolle über die Trümpfe. Kein Gegner kann dir dazwischenstechen, denn die Buben sind im Grand die einzigen Trümpfe, und du hast sie alle. Was viele dabei vergessen: Kontrolle ist nicht dasselbe wie Sieg. Ich habe genug Vier-Buben-Grands gesehen, die sang- und klanglos verloren gingen. Warum das passiert und wie du es vermeidest, darum geht es hier.
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Vier Buben, aber nur acht Augen in der Hand
Rechnen wir zuerst nüchtern nach, was die vier Buben an Augen bringen. Ein Bube zählt zwei Augen, vier Buben also acht Augen. Das ist alles. Zum Gewinnen brauchst du 61 der insgesamt 120 Augen im Spiel. Acht davon liegen in deinen Trümpfen, die restlichen 53 und mehr musst du dir aus den sechs anderen Karten deiner Hand und aus dem, was fällt, zusammensammeln.
Genau hier liegt das Missverständnis. Die vier Buben verhindern, dass die Gegner stechen, aber sie machen kaum Augen. Die dicken Augen stecken in den Assen (elf) und Zehnen (zehn), und die liegen im Grand in den Farben verteilt, nicht bei den Buben. Wenn du deine Buben abziehst und danach nur noch kleine Farbkarten in der Hand hast, dann räumen die Gegner in den Nebenfarben ab, sobald deine Trümpfe verbraucht sind. Du schaust zu, wie Ass um Ass auf den Tisch wandert, und keiner davon gehört dir.
Was vier Buben wirklich wert sind
Der Grand hat den Grundwert 24, den höchsten aller regulären Spiele. Multipliziert wird er mit dem Spitzenfaktor. Beim Grand sind nur die vier Buben Spitzen, gezählt vom Kreuz-Buben abwärts über Pik und Herz bis Karo. Hältst du alle vier, bist du “mit vier”. Der Faktor rechnet sich so: vier Spitzen plus eins für das Spiel selbst ergibt fünf. Also 24 mal 5, macht einen Spielwert von 120.
Zum Vergleich: Der kleinste Grand überhaupt ist schon 48 wert (mit oder ohne einem, Spiel zwei). Mit vier Buben liegst du also am oberen Ende dessen, was ein einfacher Grand hergibt. Spielst du zusätzlich Hand, kommt ein weiterer Faktor dazu, und du landest bei 144. Sagst du noch Schneider oder gar Schwarz an oder spielst offen, klettert der Wert weiter, bis ganz oben der Grand ouvert Hand mit angesagtem Schwarz bei 264 steht. Die genaue Zahl für dein Blatt musst du nicht auswendig können; wirf sie in den Spielwert-Rechner oder prüfe im Reizwert-Rechner, wie hoch du damit reizen darfst.
Und das ist der erste praktische Punkt: Mit vier Buben gewinnst du fast jede Reizrunde, weil du bis 120 mitgehen kannst und kaum ein Gegner so weit reicht. Die Frage ist nie, ob du das Spiel bekommst. Die Frage ist, ob du die 61 Augen auch nach Hause bringst.
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Warum du damit trotzdem verlieren kannst
Volle Trumpfkontrolle bedeutet: Du ziehst in den ersten Zügen alle Buben ein, und danach hat kein Gegner mehr einen Trumpf. Klingt großartig, hat aber eine Kehrseite. Sobald die Trümpfe weg sind, ist der Grand ein reines Farbspiel ohne Trumpf. Jede Farbe wird von oben nach unten gewonnen, das höchste Blatt sticht. Und wenn in deinen Farben nur Neunen, Achten und Damen stehen, dann gehört das höchste Blatt regelmäßig den Gegnern.
Ich habe einen Grand mit vier Buben schon Schneider verloren, weil ich außer den Buben nur Kleinzeug hatte. Vier Trümpfe rein, applaudiert haben die anderen trotzdem nicht, denn danach kassierten sie mit ihren Assen und Zehnen die kompletten Nebenfarben. Am Ende hatte ich meine acht Bubenaugen plus ein paar Reste, keine 30. Ein teurer Abend, und eine Lektion, die ich nicht vergessen habe.
Der Denkfehler dahinter ist verständlich. Vier Buben sehen nach Sieg aus, weil sie unschlagbar sind. Aber unschlagbar heißt beim Grand nur, dass niemand deine Buben sticht. Es heißt nicht, dass deine Buben Augen holen. Die Buben sind dein Schutzschild, nicht dein Schwert.
Das gute und das schlechte Vier-Buben-Blatt
Halten wir zwei konkrete Blätter nebeneinander, beide mit allen vier Buben.
Das schwache Blatt: vier Buben, dazu Herz-9, Herz-8, Karo-9, Karo-8, Pik-9, Pik-7. Du ziehst zweimal, dreimal Trumpf, die Gegner werfen ihre kleinen Karten ab. Danach spielst du eine Neun an, und ab hier läuft alles gegen dich. Kreuz-Ass, Kreuz-Zehn, Pik-Ass, alles fällt den Gegnern zu, weil du in keiner Farbe die Oberhand hast. Augen für dich: die acht aus den Buben und mit Glück eine gestohlene Dame. Das ist ein sicherer Verlust, oft sogar Schneider.
Das starke Blatt: vier Buben, dazu Kreuz-Ass, Kreuz-Zehn, Pik-Ass, Pik-Zehn, Herz-Ass, Karo-9. Jetzt sieht die Sache völlig anders aus. Du ziehst die Buben, und weil kein Gegner mehr stechen kann, sind deine Asse und Zehnen unantastbar. Kreuz-Ass und Kreuz-Zehn bringen 21 Augen, Pik-Ass und Pik-Zehn noch einmal 21, Herz-Ass elf. Zusammen mit den acht Bubenaugen bist du weit über 61, bevor die Gegner überhaupt ins Spiel kommen. Das ist ein Grand, den du im Schlaf gewinnst, und je nach den zwei Karten im Skat sogar mit Schneider.
Der Unterschied zwischen beiden Blättern sind nicht die Buben, die sind identisch. Der Unterschied sind die Asse und Zehnen daneben. Merke dir diese Faustzahl: Im Vier-Buben-Grand ist jedes Ass fast ein sicherer Stich mit elf Augen, weil niemand es stechen kann. Zwei Asse mit den Zehnen dahinter tragen dich fast von allein über die Ziellinie.
Wann ein Farbspiel die klügere Wahl ist
Jetzt der Fall, den kaum jemand auf dem Schirm hat. Angenommen, du hast vier Buben, aber deine Augen daneben sind mau, dafür aber eine lange Farbe, sagen wir sechs Karo. Im Grand ist diese Länge wertlos, weil im Grand nur die Buben Trumpf sind und deine sechs Karo einfach sechs Farbkarten bleiben. Machst du aber Karo zum Trumpf, spielst also ein Farbspiel, dann sind deine vier Buben plus sechs Karo zehn Trümpfe. Zehn von elf. Damit ziehst du den Gegnern jeden Trumpf ab und gewinnst anschließend mit deinen kleinen Karo Stich um Stich, weil sie zu Trümpfen geworden sind.
Ein Farbspiel bringt weniger Punkte als der Grand, das stimmt. Aber ein gewonnenes Karo (Grundwert neun, mit vier, Spiel fünf, macht 45) ist unendlich viel mehr wert als ein verlorener Grand über 120, der dir doppelt vom Konto geht. Ich entscheide bei vier Buben deshalb immer zuerst: Trägt mein Blatt die 61 Augen im Grand? Wenn ja, Grand. Wenn nein, aber ich habe eine lange Nebenfarbe, dann lieber das solide Farbspiel. Mehr zur Blattbewertung habe ich unter Welches Spiel passt zu deinem Blatt aufgeschrieben.
Meine Faustregeln für den Grand mit vier Buben
Am Tisch läuft bei mir vor der Ansage immer die gleiche kurze Prüfung ab, und sie dauert keine zehn Sekunden.
Erstens: Wie viele Asse habe ich? Zwei Asse oder mehr, dann steht der Grand meist. Ein einziges Ass ist Wackelware. Kein Ass bei vier Buben ist fast immer eine Falle.
Zweitens: Sind die Asse gedeckt? Ass mit Zehn in derselben Farbe ist Gold, denn beide sind sicher und bringen zusammen 21 Augen. Ein blankes Ass bringt nur seine elf, und dahinter droht die Zehn des Gegners zu fallen, die dann ihm gehört.
Drittens: Habe ich eine lange Nebenfarbe? Wenn die Augen für den Grand nicht reichen, aber eine Farbe fünf oder sechs Karten lang ist, prüfe das Farbspiel als sichereren Weg.
Viertens: Reizen ist kein Problem, halten ist das Problem. Lass dich von den vier Buben nicht dazu verleiten, blind bis 120 zu reizen und dann einen Grand anzusagen, den dein Blatt nicht trägt. Wer zu hoch reizt und dann verliert, zahlt doppelt; ich habe die bittere Mechanik dahinter unter Überreizt beim Skat beschrieben.
Vier Buben sind ein wunderbares Blatt, keine Frage. Aber sie sind ein Versprechen auf Kontrolle, nicht auf Augen. Wer diesen Unterschied verinnerlicht, gewinnt seine Grands mit vier Buben verlässlich und weiß in den seltenen Fällen, in denen das Farbspiel klüger ist, den Braten rechtzeitig zu riechen. Wie viel deine jeweilige Ansage bringt, rechnest du dir schnell über die Punkteliste oder den Spielwert-Rechner aus. Und wenn du beim Grand grundsätzlich noch unsicher bist, lies dazu, wie ich einen Grand aufbaue und wann sich ein Grand aus der Hand lohnt.