Am Stammtisch höre ich oft, ein Skatspiel entscheide sich im ersten Stich. Das stimmt für ein paar wenige Blätter, bei denen von Anfang an alles klar ist. Die meisten Spiele aber, vor allem die knappen um die 61, fallen ganz am Ende, wenn nur noch drei oder vier Karten in jeder Hand liegen. Genau da machen viele den Fehler, den sie im ersten Stich vermieden haben: Sie spielen auf gut Glück eine Karte, obwohl längst feststeht, wer welche Karte noch hält. Das Endspiel ist der Teil, den man am sichersten beherrschen kann, weil so wenig übrig ist, und trotzdem der Teil, den die meisten am schlampigsten spielen.

Gratis-PDF

Skat-Spickzettel: Regeln und Kartenwerte

Alle Kartenwerte, Trümpfe und Grundwerte auf einer Seite, gratis als PDF, dazu ab und zu neue Skat-Tipps.

Kostenlos, jederzeit abbestellbar. Der Download startet gleich nach dem Eintragen.

Was ich mit Endspiel meine

Vom Endspiel rede ich, sobald die großen Entscheidungen gefallen sind. Die Trümpfe sind meist gezogen, die ersten Asse liegen auf dem Tisch, und jeder hält nur noch eine Handvoll Karten. Beim Farbspiel und beim Grand sind das oft die letzten drei bis fünf Stiche, beim Nullspiel manchmal schon früher der kritische Punkt, an dem eine einzige falsche Karte das ganze Spiel kippt. In dieser Phase gibt es kaum noch Zufall. Wer sauber mitgezählt hat, weiß fast genau, was kommt.

Mitzählen bis zum Schluss

Das Endspiel gewinnt man nicht am Ende, sondern man bereitet es von der ersten Karte an vor, indem man mitzählt. Ich verfolge während des ganzen Spiels drei Dinge: Wie viele Trümpfe sind schon gefallen, welche Asse und Zehnen liegen bereits, und wie viele Augen habe ich auf meiner Seite. Wie ich mir das am Tisch merke, ohne mich zu verkrampfen, habe ich unter Karten merken beschrieben.

Für das Endspiel ist die Trumpfzählung die wichtigste. Elf Trümpfe gibt es im Farbspiel, vier beim Grand. Wenn ich weiß, dass zehn Trümpfe gefallen sind, dann liegt der letzte irgendwo, und ich kann ausrechnen, ob er bei mir oder beim Gegner steckt. Diese eine Karte entscheidet oft, ob ich meine Zehn gefahrlos anspielen darf oder ob sie mir weggestochen wird. Wer bis dahin nicht mitgezählt hat, muss raten, und Raten kostet im Endspiel bares Geld.

Buch: Skat verstehen und gewinnen

Das Buch zum Blog

Skat verstehen und gewinnen

Das große Handbuch von Werner Brandt: alle Regeln, das Reizen mit vollständiger Reiztabelle, Farbspiel, Grand, Null und Ramsch, dazu vier Beispielhände Stich für Stich.

Werbung · Amazon-Partnerlinks. Bei einem Kauf erhalten wir eine Provision, ohne Mehrkosten für dich.

Die letzten Trümpfe im Blick

Der häufigste Endspielfehler ist, den letzten gegnerischen Trumpf zu vergessen. Ich habe schon zugesehen, wie ein Alleinspieler kurz vor Schluss triumphierend sein Ass anspielte, um die entscheidenden Augen zu holen, und der Gegner stach es mit dem letzten kleinen Trumpf weg, den alle übersehen hatten. Elf Augen weg, Spiel verloren.

Deshalb frage ich mich vor jedem Ausspielen im Endspiel: Ist noch ein Trumpf draußen? Wenn ja, wer hat ihn wahrscheinlich? Sitzt der letzte Trumpf hinter mir, also in der Hinterhand, dann spiele ich kein blankes Ass und keine ungedeckte Zehn an, sondern erst einmal eine Karte, die den Trumpf herauslockt oder die ich verschmerzen kann. Halte ich selbst den höchsten noch lebenden Trumpf, ziehe ich ihn oft zuerst, damit meine Asse und Zehnen danach ungestört durchlaufen. Die genaue Trumpfordnung, an der ich das ablese, steht unter Kartenreihenfolge und Trumpf.

Lange Karten sind am Ende Gold wert

Eine Karte, die im ersten Stich nichts wert war, kann im Endspiel ein sicherer Stich sein. Das gilt für lange Farben. Habe ich beim Grand fünf Karo, dann sind die Gegner nach zwei Runden Karo meist blank, und meine restlichen kleinen Karo laufen durch, obwohl es nur Achten und Neunen sind. Länge macht Stiche, sobald niemand mehr bedienen kann. Ich plane meine langen Farben deshalb bewusst für das Ende ein, statt sie früh zu verschleudern. Wie ich beim Farbspiel eine Farbe zum Laufen bringe, habe ich unter Farbenspiel-Strategie genauer aufgeschrieben.

Wichtig ist die Reihenfolge. Ich spiele meine lange Farbe erst dann durch, wenn die Gegner sie wirklich nicht mehr bedienen können und keinen Trumpf mehr haben, mit dem sie dazwischenstechen. Spiele ich zu früh, verschenke ich die Karte an einen Gegner, der noch abstechen kann. Ein Stich zu früh und ein Stich zu spät sind im Endspiel beide teuer.

Die richtige Reihenfolge beim Ausspielen

Wenn ich am Ende die Führung habe und mehrere sichere Stiche halte, spiele ich sie nicht in beliebiger Folge. Ich hole zuerst die Augen herein, die ich sicher bekomme, und behalte dabei die Führung, damit die Gegner nicht dazwischenkommen. Eine kleine Faustregel: erst die Karten spielen, bei denen noch etwas schiefgehen könnte, solange ich sie kontrolliere, und die todsicheren Stiche zuletzt.

Als Alleinspieler will ich außerdem vermeiden, den Gegnern eine fette Karte zu schenken. Spiele ich eine Farbe an, in der ein Gegner blank ist, schmiert ihm sein Partner womöglich eine Zehn oder ein Ass hinein, und schon sind zehn oder elf Augen auf der falschen Seite. Wie dieses Zuschieben funktioniert, damit ich es beim Gegner erkenne, steht unter Schmieren und Wimmeln. Im Endspiel zähle ich deshalb nicht nur meine Stiche, sondern die Augen darin, denn gewonnen wird mit 61, nicht mit einer bestimmten Zahl an Stichen. Warum das so ist, steht unter Augen zählen.

Ein Endspiel, durchgerechnet

Nehmen wir ein Farbspiel in Kreuz. Es sind noch drei Stiche zu spielen, ich bin Alleinspieler und habe 48 Augen sicher in meinen bisherigen Stichen. Ich brauche also noch 13 der restlichen Augen für die 61. In der Hand halte ich den Kreuz-Buben (den höchsten Trumpf, der noch lebt), das Kreuz-Ass als Trumpf und eine kleine Herz-Sieben. Die Gegner halten zusammen noch sechs Karten, darunter das Herz-Ass und die Herz-Zehn, sonst nur kleine Fehlkarten; einen Trumpf hat keiner von ihnen mehr.

Ich zähle: Ein Trumpf ist außer meinen beiden keiner mehr draußen, das habe ich mitverfolgt. Also stehen mein Kreuz-Bube und mein Kreuz-Ass beide sicher. Spiele ich zuerst den Kreuz-Buben, muss der eine Gegner seine wertlose Karo abwerfen, der andere ebenfalls, ich bekomme nur zwei Augen, behalte aber die Führung. Dann das Kreuz-Ass: wieder werfen beide ab, elf Augen für mich, macht mit den zwei vom Buben dreizehn. Damit bin ich bei 61. Die letzte Herz-Sieben gebe ich ab, sie interessiert mich nicht mehr, das Spiel steht schon.

Hätte ich die Reihenfolge gedreht und zuerst die Herz-Sieben angespielt, hätte der Gegner mit dem Herz-Ass gestochen, mir die Führung genommen und seinem Partner womöglich die Herz-Zehn hineingeschmiert. Plötzlich fehlen mir die Augen, obwohl ich dieselben Karten hielt. Genau daran sieht man: Im Endspiel entscheidet nicht nur, welche Karten man hat, sondern in welcher Reihenfolge man sie spielt.

Als Gegenspieler das Endspiel drehen

Auch von der anderen Seite lohnt sich der wache Blick bis zum Schluss. Als Gegenspieler versuche ich im Endspiel zweierlei: den Alleinspieler unter 61 zu halten und meinem Partner Augen zuzuschieben, wo ich selbst den Stich nicht bekomme. Halte ich den letzten Trumpf, hebe ich mir den für den Moment auf, in dem der Alleinspieler seine dicke Karte anspielt, und steche sie weg. Ein einziger geklauter Stich mit Ass und Zehn dreht ein knappes Spiel. Wie das Zusammenspiel zu zweit gegen den Alleinspieler funktioniert, habe ich unter Gegenspiel beim Skat und für das Farbspiel unter Farbspiel im Gegenspiel beschrieben.

Wichtig ist, auch als Gegner mitzurechnen. Wenn ich weiß, dass der Alleinspieler schon 59 Augen hat und nur noch zwei kleine Karten kommen, dann kämpfe ich um jeden dieser letzten Stiche, denn zwei Augen fehlen ihm zur 61. Umgekehrt lasse ich locker, wenn längst klar ist, dass er durch ist, und spare mir das Nachdenken für das nächste Blatt.

Meine Faustregeln fürs Endspiel

Wenn nur noch wenige Karten liegen, laufe ich immer dieselbe kurze Liste durch. Erstens: Ist noch ein Trumpf draußen, und wo sitzt er? Zweitens: Welche meiner Karten stehen jetzt sicher, weil höhere schon gefallen sind? Drittens: In welcher Reihenfolge spiele ich, damit ich die Führung behalte und den Gegnern keine fette Karte schenke? Und über allem die eine Frage, die im Skat immer zählt: Reichen meine Augen für die 61?

Das Endspiel belohnt Genauigkeit wie kein anderer Teil des Spiels, weil so wenig Zufall übrig ist. Wer die letzten drei Stiche ruhig durchdenkt, holt Spiele nach Hause, die andere in den letzten Sekunden noch verschenken. Und wenn du dir vor dem Reizen schon überlegst, welche Stiche am Ende stehen werden, bist du dem halben Tisch voraus; wie ich das vorab einschätze, steht unter Sichere Stiche zählen. Ob dein Spiel den Reizwert am Ende trägt, prüfst du wie immer mit dem Spielwert-Rechner.