Irgendwann fragt am Stammtisch jemand: Wie viel kann ein einzelnes Skatspiel eigentlich maximal wert sein? Meistens folgt eine kleine Diskussion, jeder nennt eine andere Zahl, und selten stimmt sie. Die richtige Antwort lautet 264, und dahinter steckt ein ganz bestimmtes Spiel, das man in einem ganzen Skatleben vielleicht ein oder zwei Mal wirklich zu sehen bekommt. Ich rechne den Wert hier Schritt für Schritt vor, zeige, warum ausgerechnet dieses eine Spiel an der Spitze steht, und trenne dabei sauber zwischen Spielwert und Reizwert. Denn genau da liegt der Denkfehler, der die meisten Tischdiskussionen entgleisen lässt.
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Erst der Grundwert, dann die Spielstufen
Jeder Spielwert im Skat entsteht nach derselben Formel: Grundwert mal Spielstufe. Der Grundwert hängt allein davon ab, welches Spiel gespielt wird. Bei den Farbspielen sind es Karo 9, Herz 10, Pik 11 und Kreuz 12. Der Grand steht mit 24 deutlich darüber, und die Nullspiele haben feste Werte und tanzen aus der Reihe. Wer das noch einmal in Ruhe nachlesen will, findet die vollständige Aufstellung in meiner Reizwerte-Tabelle.
Die Spielstufe ist eine simple Summe von Faktoren. Sie beginnt bei den Spitzen, also der Zahl der Trümpfe, die von ganz oben lückenlos in deiner Hand liegen (mit Spitzen) oder eben lückenlos fehlen (ohne Spitzen). Dazu kommt immer der Faktor für das Spiel selbst, und danach zählt jede Zusatzansage einen weiteren Punkt: Hand, Schneider, Schneider angesagt, Schwarz, Schwarz angesagt und Ouvert. Diese Summe multipliziert man mit dem Grundwert. Wie das im Alltag aussieht, habe ich ausführlich unter Spielwert berechnen mit Beispielen durchgerechnet.
So kommt die 264 zustande
Der höchste Grundwert gehört dem Grand mit 24. Um von dort zum Maximum zu kommen, muss man die Spielstufe so weit treiben, wie es überhaupt geht. Beim Grand gibt es nur vier Trümpfe, nämlich die vier Buben, also ist bei den Spitzen bei vier Schluss. Wer alle vier Buben auf der Hand hält, spielt mit vier. Ab da addieren sich die Faktoren einer nach dem anderen auf. So sieht die Kette aus, jeder Schritt eine Stufe höher:
- mit 4 (die vier Buben) zählt 4
- Spiel macht 5
- Hand macht 6
- Schneider macht 7
- Schneider angesagt macht 8
- Schwarz macht 9
- Schwarz angesagt macht 10
- Ouvert (offen gespielt) macht 11
Die Spielstufe ist also 11. Und jetzt die Rechnung, die man sich merken sollte: 24 mal 11 ergibt 264. Das ist der höchste Spielwert, den ein Skatspiel nach der Internationalen Skatordnung überhaupt annehmen kann. Kein Farbspiel und kein Null kommt da heran. Das Spiel dahinter trägt einen eigenen Namen, den Grand Ouvert, und über seine Regeln und Feinheiten habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben: Grand Ouvert.
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Warum der Grand Ouvert die Ansagen geschenkt bekommt
Auf den ersten Blick wirkt es merkwürdig, dass so viele Faktoren zusammenkommen. Der Trick liegt in der Natur des Grand Ouvert selbst. Er ist immer ein Handspiel, der Skat bleibt also uneingesehen liegen, das bringt den Hand-Faktor automatisch mit. Und wer offen spielt, verpflichtet sich, keinen einzigen Stich abzugeben. Das bedeutet Schwarz, und Schwarz schließt Schneider zwingend ein. Weil beides von vornherein feststeht und beim Ouvert als angesagt gilt, sind Schneider, Schneider angesagt, Schwarz und Schwarz angesagt allesamt gesetzt. Der Spieler muss diese Ansagen nicht extra aussprechen, sie gehören zum Grand Ouvert dazu.
Die einzige Stellschraube, die dann noch bleibt, ist die Zahl der Buben. Nur wer wirklich alle vier auf der Hand hat, landet bei mit 4 und damit bei den vollen 264. Fehlt ein Bube, spielt man vielleicht mit 3 oder muss sich mit ohne begnügen, und der Wert sinkt entsprechend. Ein Grand Ouvert mit nur einem Buben käme rechnerisch auf 24 mal 8, also 192. Immer noch ein stattlicher Betrag, aber eben nicht die Krone.
Wie oft man das am Tisch wirklich sieht
Ich will ehrlich sein: Ein echter 264er ist ein Fabelwesen. Dazu brauchst du ein Blatt, mit dem du alle vier Buben hältst und trotzdem jeden einzelnen Stich sicher nach Hause bringst, obwohl die Gegner deine Karten offen vor sich sehen und gezielt gegen dich spielen dürfen. Solche Hände kommen vor, aber sie sind extrem selten, und viele Spieler wählen in dieser Lage lieber einen normalen Grand mit Schneider- oder Schwarz-Ansage, weil der ähnlich sicher gewinnt, ohne das kleine Restrisiko des offenen Spiels. In über vier Jahrzehnten am Skattisch habe ich einen sauberen Grand Ouvert mit allen vier Buben an einer Hand abzählen können. Man erzählt danach jahrelang davon.
Genau deshalb lohnt der Blick auf die realistischeren Spitzenwerte. Ein gewonnener Grand Hand mit zwei Buben bringt schon 24 mal 4, also 96. Ein Grand mit Schneider angesagt kann leicht in den Bereich um 168 klettern. Das sind die Spiele, die einen Abend tatsächlich entscheiden. Der 264er ist mehr Legende als Alltag.
Spielwert ist nicht gleich Reizwert
Und hier kommt der Punkt, an dem sich die meisten Stammtischdebatten verheddern. 264 ist der Spielwert, also das, was am Ende auf dem Blatt gutgeschrieben wird. Der Reizwert dagegen ist die Zahl, bis zu der beim Reizen geboten wurde. Beide hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe. Beim Reizen musst du nur so hoch gehen, wie es nötig ist, um die Gegenspieler zum Passen zu bringen. Hältst du das Monsterblatt für einen Grand Ouvert, kann es gut sein, dass beide Gegner schon bei 18 aussteigen und du den Zuschlag für einen lächerlich kleinen Reizwert bekommst. Dein Spiel ist trotzdem 264 wert, weil sich der Spielwert allein aus dem tatsächlich gespielten Spiel ergibt.
Wichtig ist nur die eine Bedingung: Dein Spielwert muss mindestens so hoch sein wie dein höchstes Gebot. Sonst hast du dich überreizt und verlierst, selbst wenn du jeden Stich machst. Wie diese Falle im Detail funktioniert und wie du sie vermeidest, habe ich unter Überreizen beim Skat beschrieben. Bis zu 264 zu reizen ist theoretisch erlaubt, kommt aber praktisch nie vor, weil dafür zwei Spieler gleichzeitig an Traumblätter glauben müssten.
Der Mythos vom noch höheren Wert
Immer wieder höre ich Zahlen wie 256 oder gar 360, die angeblich der wahre Höchstwert seien. Das stammt fast immer aus einer Verwechslung. Manche verrechnen sich bei den Spitzen, andere denken an einen Kreuz-Farbspiel-Ouvert mit allen elf Trümpfen. Rechnen wir das kurz nach: Kreuz hat den Grundwert 12, und mit allen elf Trümpfen käme die Spielstufe auf 18 (mit 11, Spiel, Hand, Schneider, Schneider angesagt, Schwarz, Schwarz angesagt, Ouvert). Das ergibt 12 mal 18, also 216. Klingt hoch, bleibt aber klar unter dem Grand Ouvert. Der höhere Grundwert des Grand schlägt die größere Zahl an Trümpfen im Farbspiel.
Wenn am Tisch trotzdem größere Beträge auftauchen, dann durch Tischkonventionen wie Bock- oder Ramschrunden, in denen der Spielwert verdoppelt oder mit einem Faktor multipliziert wird. Das sind reine Vereinbarungen und je nach Runde verschieden, sie ändern nichts am eigentlichen Spielwert nach der Skatordnung. Mehr dazu steht in meinen Beiträgen zur Bockrunde und zum Ramsch. Der amtliche Höchstwert eines einzelnen Spiels bleibt 264, alles darüber ist eine Verabredung obendrauf.
Selber nachrechnen
Wer die 264 einmal selbst nachvollziehen will, gibt am schnellsten einen Grand Ouvert mit vier Buben in den Spielwert-Rechner ein und sieht das Ergebnis sofort. Und wenn du wissen willst, welche Reizwerte auf dem Weg dorthin überhaupt in Frage kommen, hilft der Reizwert-Rechner. So bekommst du ein Gefühl dafür, wie schnell die Werte klettern, sobald ein paar Ansagen zusammenkommen, und warum schon ein normaler Grand mit Schneider einen Abend kippen kann.
Fazit
Das teuerste Skatspiel ist der Grand Ouvert mit allen vier Buben, und sein Wert von 264 entsteht ganz nüchtern aus 24 mal 11. Kein anderes Spiel kommt heran, weil der hohe Grundwert des Grand jede Trumpfzahl im Farbspiel überbietet. In der Praxis wirst du diesen Wert kaum je auf deinem Blatt stehen sehen, dafür ist das passende Blatt zu selten. Aber die Rechnung dahinter lohnt sich trotzdem, denn sie zeigt dir, wie Spielstufen und Grundwert zusammenspielen. Und wenn am Stammtisch das nächste Mal die Frage nach dem Höchstwert fällt, kennst du nicht nur die Zahl, sondern auch die Kette, aus der sie sich ergibt.