Nicht jedes Skatspiel wird bis zum letzten Stich ausgespielt. Wenn klar ist, wie es ausgeht, legt einer die Karten hin und sagt “passt schon”. Am Stammtisch geht das oft mit einem Handschlag und ohne großes Nachdenken, doch spätestens beim Preisskat oder im Streitfall lohnt es sich zu wissen, was die Skatordnung dazu wirklich sagt. Aufgeben ist erlaubt, aber nicht in jeder Lage und nicht ohne Folgen, wenn man sich verschätzt. In diesem Beitrag gehe ich der Reihe nach durch, wer wann aufgeben darf und was dabei zählt.
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Aufgeben ist nicht dasselbe wie Passen
Zuerst eine Klarstellung, denn zwei Dinge werden gern verwechselt. Beim Reizen “passt” man, wenn man nicht weiter mitbieten will; man steigt aus dem Bieten aus und überlässt einem anderen das Spiel. Das ist der ganz normale Ablauf, und wer bewusst nicht reizt, um einen Ramsch zu erzwingen, mauert. Wie das Bieten überhaupt läuft, steht unter Skat reizen.
Um dieses Passen geht es hier nicht. In diesem Beitrag geht es um das Aufgeben mitten im Kartenspiel: Das Reizen ist längst vorbei, der Alleinspieler steht fest, es sind vielleicht schon ein paar Stiche gefallen, und nun will eine Seite das Spiel nicht mehr zu Ende spielen. Genau dafür hat die Skatordnung eigene Bestimmungen.
Wenn der Alleinspieler aufgibt
Der Alleinspieler darf sein Spiel aufgeben, also als verloren einräumen. Das ist sein gutes Recht, wenn er erkennt, dass die 61 Augen nicht mehr zu holen sind. Solange er noch alle oder fast alle Karten auf der Hand hält, ist das völlig unproblematisch: Er wirft ein, das Spiel gilt als verloren, es wird abgerechnet, fertig.
Heikler wird es, wenn das Spiel schon weiter fortgeschritten ist. Dann kann der Alleinspieler nicht mehr einfach einseitig aufgeben, sondern nur noch mit Zustimmung wenigstens eines Gegenspielers. Der Grund ist einleuchtend: Je weiter das Spiel läuft, desto mehr geht es nicht nur um Sieg oder Niederlage, sondern auch um die Höhe. Ob die Gegenpartei den Alleinspieler nur schlägt oder ihn sogar Schneider spielt, macht in der Abrechnung einen Unterschied, und dieses Recht auf die volle Ausbeute darf man den Gegnern nicht durch eine schnelle Aufgabe nehmen. Ein aufgegebenes Spiel wird für den Alleinspieler wie ein verlorenes gewertet, also doppelt und mit dem entsprechenden Spielwert; wie sich der berechnet, steht unter Spielwert berechnen, oder du lässt ihn dir vom Spielwert-Rechner ausgeben.
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Wenn die Gegenpartei aufgibt
Die andere Richtung kommt genauso oft vor: Die beiden Gegenspieler sehen, dass sie ihre 60 Augen nicht mehr zusammenbekommen, und überlassen dem Alleinspieler das Spiel. Auch das ist erlaubt und beendet die Partie sofort. Der Alleinspieler bekommt sein Spiel gutgeschrieben, so wie es zu diesem Zeitpunkt steht.
Dabei ist eine Besonderheit wichtig, die viele am Tisch unterschätzen: Die beiden Gegenspieler bilden eine Partei und haften gemeinsam. Sobald einer von ihnen aufgibt, ist das Spiel für beide beendet, auch wenn der andere noch weiterspielen wollte. Deshalb sollte man nie vorschnell für die eigene Bank aufgeben, ohne sicher zu sein, dass wirklich nichts mehr geht. Ich habe schon Partner erlebt, die entnervt hingeworfen haben, während in der Hand des Nebenmanns noch ein sicherer Stich mit einer fetten Zehn steckte. Weg war er, und mit ihm die zehn Augen, die vielleicht doch noch gereicht hätten. Wie zwei Gegenspieler sauber zusammenarbeiten, damit es gar nicht so weit kommt, habe ich unter Gegenspiel im Skat beschrieben.
Karten hinlegen und alle Stiche verlangen
Der häufigste Fall in der Praxis ist weder ein echtes Aufgeben noch ein Überlassen, sondern die Abkürzung am Ende: Einer legt seine restlichen Karten offen auf den Tisch und erklärt, die macht er sowieso alle. Bei einer hohen Trumpfhand mit den letzten drei Buben stimmt das ja meist, und niemand hat Lust, es zäh auszuspielen.
Erlaubt ist das, aber an eine Bedingung geknüpft: Wer die Karten offen hinlegt und alle restlichen Stiche für sich verlangt, muss dazu eine zutreffende Erklärung geben, also wirklich alle Stiche sicher haben. Stimmt der Anspruch, ist alles gut, das Spiel wird entsprechend gewertet und man spart sich das Ausspielen. Stimmt er aber nicht, weil man sich verrechnet oder eine gegnerische Karte übersehen hat, dann gehen die restlichen Stiche an die andere Partei. Das ist eine harte, aber logische Folge: Wer behauptet, alles zu machen, und daneben liegt, verschenkt genau das, was er vollmundig für sich reklamiert hat.
Deshalb ist die Gegenseite auch nicht verpflichtet, den Anspruch einfach zu schlucken. Glaubt sie, doch noch einen Stich zu bekommen, kann sie verlangen, dass mit den nun offen liegenden Karten weitergespielt wird. Der Alleinspieler spielt dann natürlich weiter, wie er will, aber jeder sieht seine Karten. Mein Rat: Leg nur dann offen hin und verlange alles, wenn du es dir wirklich sicher ausgerechnet hast. Im Zweifel spielst du die zwei, drei Stiche lieber sauber aus, statt dir mit einer falschen Ansage das halbe Spiel zu ruinieren.
Ich erinnere mich an einen Grand, bei dem sich ein Mitspieler genau das eingebrockt hat. Er legte mit den letzten vier Karten hin, den Kreuz-Buben und drei vermeintlich hohen Karten, und verlangte den Rest. Übersehen hatte er, dass in einer seiner Farben noch das gegnerische Ass saß, während er nur die blanke Zehn hielt. Weil sein Anspruch nicht stimmte, wanderten die restlichen Stiche an uns, und aus einem knapp gewonnenen Grand wurde eine Niederlage. Hätte er einfach ausgespielt, wäre ihm der Fehler beim ersten Anspiel aufgefallen, und er hätte seine Zehn vielleicht noch gerettet. Seitdem lege ich selbst nur hin, wenn ich jede offene Karte der Gegner im Kopf habe.
Beim Online-Skat stellt sich die Frage übrigens seltener, weil das Programm die letzten erzwungenen Stiche oft selbst auflöst und richtig zuordnet. Am echten Tisch aber trägst du die Verantwortung für deinen Anspruch selbst, und die Skatordnung nimmt dich beim Wort.
Schneider und Schwarz beim Aufgeben
Ein verbreiteter Irrtum ist, man könne beim Aufgeben auch gleich Schneider oder Schwarz “mitgeben” oder abwenden. So einfach ist es nicht. Ob jemand Schneider ist, hängt allein an den tatsächlich gemachten Augen: Wer 30 Augen oder weniger holt, ist Schneider, und wer gar keinen Stich bekommt, ist schwarz. Diese Stufen entstehen aus dem, was auf dem Tisch liegt, nicht aus einer Absichtserklärung.
Wenn also noch unklar ist, ob die 31 Augen für die Schneiderfreiheit noch fallen oder ob die letzte kleine Karte doch noch einen Stich und damit die Rettung vor Schwarz bringt, dann ist das kein Fall für ein schnelles Aufgeben. Genau solche Situationen spielt man aus, weil sich sonst nicht sauber entscheiden lässt, wie hoch das Spiel am Ende zählt. Die vollständige Systematik der Gewinnstufen habe ich unter Schneider und Schwarz aufgeschrieben, und die reinen Zahlen findest du in der Punkteliste.
Was das für den Feierabendtisch bedeutet
Im gemütlichen Spiel unter Freunden nimmt man das alles nicht so genau. Da sagt einer “die letzten sind meine”, der andere nickt, und weiter geht es. Das ist völlig in Ordnung, solange sich alle einig sind, denn am eigenen Küchentisch gilt, worauf man sich verständigt. Streit gibt es erst, wenn einer den Anspruch anzweifelt, und dann ist es gut, die Regel zu kennen.
Für mich haben sich zwei einfache Grundsätze bewährt. Gib nur auf, wenn das Ergebnis wirklich feststeht, und verlange nur dann alle Stiche, wenn du dir sicher bist. Alles andere spielst du die paar Karten zu Ende, das kostet keine Minute und erspart dir die peinliche Situation, dass dir ein übersehener Trumpf das ganze Spiel dreht. Wer es ganz genau wissen will, findet den verbindlichen Rahmen in der Internationalen Skatordnung, dem offiziellen Regelwerk des Deutschen Skatverbandes.