In über vierzig Jahren am Skattisch habe ich Revolution vielleicht eine Handvoll Mal erlebt, und jedes Mal war es eher ein Gaudi als ein ernstes Spiel. Trotzdem taucht der Name immer wieder auf, meist in der Runde, wenn jemand großspurig behauptet, seine Null sei unschlagbar. Genau da kommt Revolution ins Gespräch. Ich sage es gleich vorweg, damit hinterher keine Missverständnisse entstehen: Revolution ist keine offizielle Regel. Es steht nicht in der Internationalen Skatordnung, und bei Turnieren wird es nicht gespielt. Es ist eine reine Tischvereinbarung, so wie Bock oder Bierlachs. Wer es spielen will, muss es vorher ausdrücklich abmachen.
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Was Revolution im Kern ist
Revolution ist eine Variante des Null Ouvert. Grundsätzlich läuft es wie ein offenes Nullspiel: Der Alleinspieler legt seine zehn Karten aufgedeckt hin und darf keinen einzigen Stich machen. So weit kennst du das aus dem Beitrag Nullspiel verstehen.
Der Dreh, der dem Spiel den Namen gibt, liegt bei den Gegenspielern. Sie dürfen ihre Handkarten untereinander beliebig tauschen. Sie legen also ihre zwanzig Karten zusammen und verteilen sie neu, so wie es ihnen am meisten schadet. Damit können sie gezielt die Schwachstelle im Blatt des Alleinspielers angreifen. Der Name passt: Die Gegner lehnen sich auf und ordnen ihre Karten so, dass sie den Alleinspieler stürzen.
Die drei Varianten
Weil Revolution nirgends amtlich geregelt ist, gibt es keine eine wahre Fassung, sondern mehrere. Am Tisch begegnen mir drei:
- Nur die Gegner tauschen untereinander. Der Skat bleibt völlig unberührt. Das ist die verbreitetste Form.
- Die Gegner dürfen zusätzlich den Skat aufnehmen und zwei Karten drücken. Sie haben dann noch mehr Material, um eine Falle zu bauen.
- Die Gegner tauschen samt Skat, und der Alleinspieler muss ausspielen. Das ist die härteste Fassung.
Egal welche ihr wählt, klärt sie vor dem ersten Blatt. Ich habe erlebt, wie eine Runde mittendrin merkte, dass zwei Leute von unterschiedlichen Regeln ausgingen, und danach war der Abend gelaufen. Tischkonventionen wie diese gehören besprochen, nicht vorausgesetzt.
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Warum der Alleinspieler fast immer verliert
Hier liegt der eigentliche Witz an Revolution. Ein gut gebautes Null Ouvert ist im normalen Spiel unschlagbar. Der Alleinspieler hat in jeder Farbe entweder gar keine Karte oder so tiefe Karten, dass er immer unter die schon gelegten schlüpfen kann. Ob die eine gefährliche Karte beim richtigen Gegner sitzt oder im Skat liegt, ist dann oft reines Glück, und mit etwas Glück steht sie eben am falschen Platz und kann ihm nicht schaden.
Revolution nimmt dieses Glück heraus. Die Gegner halten zusammen alle Karten außer deinen zehn, und sie dürfen sie nach Belieben verteilen. Hast du irgendwo eine Lücke, also eine Karte, die gefangen werden kann, wenn der passende Nachbar in der richtigen Hand sitzt, dann schieben die Gegner genau diese Karte in genau die Hand, die sie braucht. Dann spielen sie die Farbe im richtigen Moment an und lassen dir keine Karte zum Unterlaufen.
Ein einfaches Beispiel. Nimm an, deine einzige heikle Stelle ist ein kleines Loch in einer Farbe: Du hältst die Sieben und die Neun, die Acht dazwischen fehlt dir. Im gewöhnlichen Null Ouvert kann das harmlos sein, wenn die Acht ungünstig für die Gegner verteilt ist. Bei Revolution legen sie die Acht einfach in die Hand, die sie zum passenden Zeitpunkt ausspielt, ziehen dir erst die Sieben ab und zwingen dir später die Neun als höchste Karte auf. Ein Stich, und dein Nullspiel ist verloren. Weil die Gegner fast jede solche Lücke finden und ausnutzen können, ist Revolution praktisch nicht zu gewinnen. Es ist eher ein Beweis, wie sicher deine Null wirklich ist, und die Antwort lautet meistens: nicht sicher genug.
Reizwert und Wertung
Da Revolution nicht in der Skatordnung steht, gibt es keinen amtlichen Reizwert. In manchen Runden wird ihm ein Wert von 92 zugeschrieben, damit er über allen echten Nullspielen liegt. Wer eine Revolution überbieten wollte, müsste dann schon 96 sagen. Ob ihr diesen Wert nehmt oder einen anderen, ist wieder Sache eurer Tischabsprache.
Zum Vergleich die echten Nullwerte, die fest und offiziell sind:
- Null: 23
- Null Hand: 35
- Null Ouvert: 46
- Null Ouvert Hand: 59
Diese vier findest du mit der ganzen Herleitung im Beitrag Null-Werte. Weil eine Revolution kaum je gewonnen wird, ist ihr Reizwert ohnehin mehr Theorie als Praxis. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand ernsthaft bis dahin gereizt hätte, um eine Revolution durchzudrücken.
Wo Revolution herkommt
Man hört gelegentlich, Revolution sei das theoretisch höchste Spiel im Skat. Das stimmt in dem Sinn, dass es schwerer zu gewinnen ist als jedes reguläre Spiel, selbst als der Grand Ouvert, der offiziell die Spitze bildet. Aber es ist eben eine Kuriosität, keine Regel. In Vereinen und auf Turnieren, die nach der Skatordnung des Deutschen Skatverbandes spielen, kommt es nicht vor. Es lebt am Kneipentisch und in privaten Runden, meist als Mutprobe oder als Antwort auf jemanden, der seine Null für unbesiegbar hält.
Wenn ihr es trotzdem spielen wollt
Dann klärt vorher drei Dinge, sonst gibt es Streit:
- Welche Variante gilt? Tauschen die Gegner nur untereinander, oder dürfen sie an den Skat?
- Wer spielt aus?
- Was ist die Wertung, wenn der Alleinspieler wider Erwarten gewinnt, und was, wenn er verliert?
Schreibt das am besten in eure Hausordnung, so wie ihr auch Ramsch oder Bockrunden festlegt. Und haltet die Wertung sauber in der Punkteliste fest, damit am Ende des Abends niemand rechnet, wie es ihm gerade passt. Wie man ordentlich aufschreibt, steht im Beitrag Skat aufschreiben.
Was Revolution über dein Nullspiel verrät
So selten Revolution auf den Tisch kommt, so nützlich ist der Gedanke dahinter, wenn du dein eigenes Nullspiel verbessern willst. Revolution fragt im Grunde: Gibt es irgendeine Verteilung der übrigen Karten, bei der du einen Stich machen musst? Genau diese Frage solltest du dir vor jeder Null selbst stellen, auch ohne Tausch.
Ein wirklich sicheres Null Ouvert hat in jeder Farbe, in der du Karten hältst, eine lückenlose Reihe von unten: Sieben, dann Acht, dann Neun, ohne Loch. Dann kannst du immer unter jede angespielte Karte schlüpfen. Gefährlich sind die Sprünge, etwa Sieben und Neun ohne die Acht, oder eine einzelne Zehn ohne Deckung darunter. Wo du solche Lücken siehst, ist deine Null angreifbar, und ob sie hält, entscheidet dann die zufällige Verteilung. Revolution nimmt diesen Zufall weg und bestraft jede Lücke sofort. Wer mit diesem Blick reizt und drückt, legt seltener eine Null hin, die nur mit Glück durchgeht. Mehr dazu, wie man saubere Nullblätter erkennt und aufbaut, steht im Beitrag Nullspiel-Strategie.
Kurz zusammengefasst
- Revolution ist eine Tischvariante des Null Ouvert, keine offizielle Regel.
- Der Alleinspieler spielt offen und darf keinen Stich machen.
- Die Gegner dürfen ihre Karten (je nach Variante auch den Skat) tauschen und so jede Null knacken.
- Es gibt drei gängige Varianten; die Regeln müssen vorher abgesprochen werden.
- Ein Reizwert von 92 ist am Tisch üblich, aber nicht amtlich.
- Praktisch ist das Spiel für den Alleinspieler kaum zu gewinnen, und genau das ist der Reiz daran.
Wer beim nächsten Mal hört, seine Null sei unschlagbar, kann ja mal Revolution vorschlagen. Meistens wird die Behauptung dann ziemlich schnell kleiner.