Es gibt am Skattisch wenige Momente, die so oft für Streit sorgen wie das Auszählen am Spielende. Der Alleinspieler dreht seine Stiche um, zählt fünfundfünfzig, sechzig, und dann greift er nach den beiden Karten, die er zu Beginn weggelegt hat. “Moment, die zählen doch nicht mit?” Doch, sie zählen. Und genau dieser Griff nach dem gedrückten Skat entscheidet manches Spiel, das auf der Kippe stand. Ich habe schon Runden gewonnen, weil in meinem Skat eine Zehn lag, an die niemand mehr gedacht hatte. Damit du am eigenen Tisch nie wieder in diese Diskussion gerätst, gehe ich hier in aller Ruhe durch, wann der Skat zu deinen Augen zählt, wann nicht, und wie ich am Ende sauber zusammenrechne.
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Hundertzwanzig Augen, und die Grenze liegt bei einundsechzig
Bevor wir über den Skat reden, muss der Rahmen stimmen. Im Skatblatt stecken insgesamt hundertzwanzig Augen. Das rechnet sich schnell nach: Jedes Ass zählt elf, jede Zehn zählt zehn, der König vier, die Dame drei, der Bube zwei. Neun, Acht und Sieben zählen null. Pro Farbe sind das dreißig Augen, mal vier Farben ergibt hundertzwanzig. Wer die einzelnen Werte noch einmal nachschlagen will, findet sie in der Punkteliste und ausführlich im Beitrag zum Augenzählen.
Als Alleinspieler gewinnst du dein Farbspiel oder deinen Grand, wenn du mindestens einundsechzig dieser hundertzwanzig Augen bekommst. Sechzig genügen den beiden Gegenspielern, denn hundertzwanzig geteilt durch zwei ergibt sechzig, und wer die Mehrheit will, braucht eins mehr. Deshalb ist einundsechzig die magische Zahl. Machst du neunzig oder mehr, sind die Gegner Schneider; lässt du ihnen keinen einzigen Stich, sind sie schwarz. Beide Male steigt dein Spielwert, und beides kannst du am Spielwert-Rechner durchspielen.
Jetzt kommt der Punkt, den viele übersehen: Diese hundertzwanzig Augen liegen nicht alle in den zehn Handkarten jedes Spielers. Zwei davon liegen im Skat.
Der Skat gehört dem Alleinspieler
Wer das Reizen gewinnt und den Skat aufnimmt, nimmt nicht nur zwei zusätzliche Karten in die Hand. Er nimmt zwei Karten mit ihren vollen Augen. Danach drückt er zwei Karten wieder verdeckt weg, und diese beiden gedrückten Karten bleiben sein Eigentum bis zum Spielende. Sie liegen die ganze Runde über unbeachtet auf dem Tisch, aber sie gehören zu seiner Beute. Am Ende zählen ihre Augen genauso zu seinem Ergebnis wie jeder gewonnene Stich.
Das ist keine Tischvereinbarung, sondern feste Regel der Internationalen Skatordnung. Für die Gegenspieler gilt spiegelbildlich dasselbe: Alles, was sie in ihren Stichen sammeln, ist ihr Konto. Der Skat aber ist tabu für sie; er zählt immer zur Alleinspielerpartei, egal was drinliegt.
Genau daraus entsteht die klassische Verwechslung. Anfänger zählen ihre Stiche, kommen auf achtundfünfzig und geben das Spiel schon verloren, obwohl im Skat ein Ass und ein König liegen. Fünfzehn Augen, die sie einfach vergessen haben. Deshalb ist mein erster Rat immer: Rechne erst zusammen, wenn der Skat aufgedeckt und dazugelegt ist.
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Wie ich am Ende sauber zusammenrechne
Am Skattisch mache ich es mir zur Gewohnheit, in einer festen Reihenfolge zu zählen, damit nichts verlorengeht. Ein Beispiel aus einer ganz normalen Runde.
Ich spiele Kreuz als Trumpf. Am Ende drehe ich meine Stiche um und komme auf sechsundfünfzig Augen. Das sieht knapp aus, zu knapp. Dann decke ich meinen gedrückten Skat auf: Da liegt die Karo Zehn und der Herz König, zusammen vierzehn Augen. Sechsundfünfzig plus vierzehn ergibt siebzig. Das Spiel ist gewonnen, und zwar deutlicher, als es einen Moment vorher aussah.
Zur Sicherheit mache ich die Gegenprobe. Die Gegenspieler haben in ihren Stichen fünfzig Augen. Siebzig plus fünfzig ergibt hundertzwanzig, die Rechnung geht auf. Wenn deine beiden Summen zusammen nicht hundertzwanzig ergeben, hast du dich irgendwo verzählt oder eine Karte übersehen. Diese kleine Kontrolle hat mir schon oft eine peinliche Fehlrechnung erspart.
Die Reihenfolge, die ich empfehle: erst die eigenen Stiche zählen, dann den Skat dazulegen, dann gegen hundertzwanzig prüfen. Wer den Skat als festen Schritt einbaut, vergisst ihn nie.
Das Handspiel: der Skat zählt, auch wenn ich ihn nie gesehen habe
Beim Handspiel wird es interessant. Hier verzichtet der Alleinspieler bewusst darauf, den Skat aufzunehmen. Er spielt mit seinen zehn Karten und lässt die beiden Skatkarten verdeckt liegen. Trotzdem, und das überrascht viele, zählen diese beiden Karten am Ende zu seinen Augen. Es ist egal, dass er sie nie gesehen und nicht bewusst gedrückt hat. Der Skat gehört der Alleinspielerpartei, ob aufgenommen oder nicht.
Das ist mehr als eine Formalie. Beim Handspiel weiß ich vorher nicht, was für Augen im Skat auf mich warten. Manchmal liegen dort zwei blanke Neunen, null Augen, dann habe ich Pech gehabt. Manchmal liegen dort zwei Asse, zweiundzwanzig geschenkte Augen. Diese Ungewissheit gehört zum Reiz des Handspiels dazu. Wer die Mechanik und den Reizwert von Hand- und Ouvertspielen im Detail nachlesen will, findet das im Beitrag zu den Hand- und Ouvertspielen.
Ein Gedanke daraus für die Praxis: Wenn ich Hand spiele und mein Blatt ohnehin nur knapp reicht, dann rechne ich den Skat vorsichtig mit null Augen ein. Kommt am Ende etwas heraus, ist es ein Bonus. Wer sich auf die Augen im ungesehenen Skat verlässt, verliert öfter, als ihm lieb ist.
Wo der Skat nicht mitzählt
Es gibt genau eine reguläre Spielart, bei der der Skat für das Ergebnis keine Rolle spielt: das Nullspiel. Beim Null geht es nicht um Augen, sondern um Stiche. Der Alleinspieler gewinnt, wenn er keinen einzigen Stich macht. Ob im Skat ein Ass oder eine Sieben liegt, ist für den Ausgang völlig gleichgültig, weil hier gar nicht nach Augen gerechnet wird. Beim einfachen Null darf der Alleinspieler den Skat zwar aufnehmen und zwei ungünstige Karten wegdrücken, das ist sogar ein wichtiges taktisches Mittel; aber gezählt werden am Ende keine Augen. Wie das offensive Wegdrücken beim Null funktioniert, steht im Beitrag zum Nullspiel.
Etwas anders liegt der Fall beim Ramsch. Der Ramsch ist keine offizielle Spielart der Skatordnung, sondern eine verbreitete Tischvereinbarung für die Runden, in denen alle drei Spieler gepasst haben. Beim Ramsch verliert, wer die meisten Augen kassiert, und was mit dem Skat geschieht, hängt von der Absprache ab. In vielen Runden bekommt der Skat der Spieler, der den letzten Stich macht; in anderen wird er getrennt vergeben oder zählt gar nicht. Weil das reine Vereinbarung ist, solltet ihr das vor dem Spiel klären, sonst gibt es genau beim Auszählen den Streit, den dieser Beitrag eigentlich vermeiden soll. Mehr dazu im Beitrag zum Ramsch.
Warum das Drücken deshalb so entscheidend ist
Wenn die beiden gedrückten Karten sicher zu meinen Augen zählen, dann ist das Drücken kein lästiger Nebenschritt, sondern eine echte Chance. Ich kann Augen im Skat parken, an die kein Gegner mehr herankommt. Eine blanke Zehn, die im Spiel leicht gefangen würde, ist im Skat sichere Beute. Ein zweites Ass in einer kurzen Farbe, das ich sonst kaum durchbekomme, liegt im Skat unangreifbar.
Das ist einer der Gründe, warum erfahrene Spieler beim Drücken nicht nur auf saubere Farben achten, sondern auch auf die Augen. Wer eine Farbe blank drückt, um später stechen zu können, gibt vielleicht Augen aus der Hand; wer stattdessen eine Zehn ohne Deckung in den Skat legt, sichert sie. Beides hat seinen Platz, und die Kunst liegt im Abwägen. Ich habe diese Abwägung ausführlich im Beitrag zum Drücken beschrieben.
Umgekehrt sollte dich die Skatregel als Gegenspieler wachrütteln. Wenn du merkst, dass der Alleinspieler knapp bei sechzig steht, denke daran, dass er zwei Karten im Rücken hat, die du nie zu sehen bekommst. Rechne nie damit, dass sein Skat leer ist. Zwei geparkte Asse können ein Spiel drehen, das ihr längst gewonnen glaubt.
Kurz zusammengefasst
Der Skat gehört dem Alleinspieler, und seine beiden Karten zählen zu dessen Augen. Das gilt beim Farbspiel und beim Grand, ganz gleich ob der Skat aufgenommen und gedrückt oder als Handspiel verdeckt liegen gelassen wurde. Beim Nullspiel spielt der Skat für das Ergebnis keine Rolle, weil dort Stiche und keine Augen zählen. Beim Ramsch entscheidet die Tischvereinbarung. Zähl am Ende immer erst deine Stiche, leg den Skat dazu, und prüf gegen die hundertzwanzig. Wer diesen einen Schritt zur Gewohnheit macht, verliert nie wieder ein Spiel, das er längst gewonnen hatte.