Es kommt seltener vor als das große Blatt, aber es kommt vor: Die Karten sind gegeben, das Reizen beginnt, und keiner will. Die Mittelhand passt, die Hinterhand passt, und dann sitzt die Vorhand da mit einem Blatt, mit dem sie auch nichts anfangen kann. Am Anfängertisch entsteht in diesem Moment regelmäßig Ratlosigkeit: Wird jetzt neu gegeben? Muss die Vorhand spielen? Oder gibt es einen Ramsch? Die Antwort hängt davon ab, ob ihr nach der offiziellen Skatordnung spielt oder nach einer Tischvereinbarung. Ich gehe beides der Reihe nach durch.

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Passen im Reizen ist kein verlorenes Spiel

Zuerst ein Missverständnis aus dem Weg. Wer im Reizen passt, hat nichts verloren. Passen heißt nur: Ich steige aus der Versteigerung aus, ich will dieses Blatt nicht als Alleinspieler übernehmen. Das ist eine völlig normale, oft kluge Entscheidung. Wie das Reizen überhaupt abläuft, wer wen reizt und warum die Vorhand eine Sonderrolle hat, habe ich unter Skat reizen ausführlich erklärt. Wichtig fürs Verständnis hier ist nur: Am Ende der Reizrunde steht entweder ein Alleinspieler fest, oder eben keiner. Und der zweite Fall ist das eingepasste Spiel.

Wann ein Blatt eingepasst ist

Damit ein Blatt eingepasst ist, müssen wirklich alle drei aussteigen. Der Ablauf ist immer derselbe. Zuerst reizt die Mittelhand die Vorhand. Passt die Mittelhand sofort, kommt die Hinterhand an die Reihe und reizt ihrerseits die Vorhand. Passt auch die Hinterhand, hat niemand ein Gebot abgegeben, und die Vorhand ist am Zug.

Jetzt liegt alles bei der Vorhand. Sie muss nicht gereizt worden sein, um spielen zu dürfen; sie darf ein Spiel schon zum kleinsten Reizwert 18 ansagen, einfach weil sie vorne sitzt. Sagt sie ein Spiel an, ist sie Alleinspielerin, und alles läuft normal weiter. Sagt aber auch die Vorhand “passe”, dann hat kein Mensch dieses Blatt gewollt. Genau das ist der Moment, in dem das Spiel eingepasst ist.

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Die offizielle Regel: das Blatt wird neu gegeben

Nach der Internationalen Skatordnung des Deutschen Skatverbandes ist der Fall eindeutig geregelt. Ein eingepasstes Spiel wird nicht gespielt. Es gibt keinen Alleinspieler, also gibt es auch nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren. Das Blatt wird weggelegt, die Karten werden neu gemischt, und es wird neu gegeben. Aufgeschrieben wird nichts.

Wer neu gibt, ergibt sich aus der normalen Reihenfolge: Das Geben wandert weiter wie sonst auch, der nächste Spieler ist an der Reihe. Ein eingepasstes Blatt hält den Tisch also nur kurz auf, kostet aber niemanden Punkte. Im Turnierskat ist das der Normalfall, denn dort wird der Ramsch nicht gespielt. Warum die Skatordnung so und nicht anders aufgebaut ist, kannst du im Beitrag zur Internationalen Skatordnung nachlesen.

Die verbreitete Konvention: der Ramsch

An den meisten Küchentischen und in vielen Kneipenrunden läuft es anders, und zwar aus einem einfachen Grund: Neu geben ist langweilig. Statt das Blatt kommentarlos wegzulegen, spielen viele Runden bei einem eingepassten Spiel einen Ramsch. Dann gibt es keinen Alleinspieler, sondern alle drei spielen gegeneinander, und wer am Ende die wenigsten Augen in seinen Stichen hat, kommt am besten weg. Der Verlierer ist, wer die meisten Augen einsammelt.

Das ist ausdrücklich eine Tischvereinbarung, keine Regel der Skatordnung. Der Ramsch steht nicht in der offiziellen Skatordnung und wird im Turnier nicht gespielt. Deshalb gilt: Ihr spielt nur dann einen Ramsch, wenn ihr das vor dem Abend verabredet habt. Wie der Ramsch genau funktioniert, welche Augenwertung gilt und was es mit Jungfrau und Durchmarsch auf sich hat, habe ich unter Ramsch beschrieben. Eine beliebte Verschärfung, bei der der Skat zwischen den Spielern geschoben wird, findest du unter Schieberamsch.

Warum passt überhaupt jeder?

Dass alle drei passen, hat meist einen von zwei Gründen. Entweder sind die Blätter reihum wirklich mau, ohne Buben, ohne lange Farbe, ohne stehende Asse. Dann ist Passen die ehrliche Antwort auf schlechte Karten. Oder alle drei sind vorsichtig und trauen ihrem mittelmäßigen Blatt kein sicheres Spiel zu. Wie ich vor dem Reizen einschätze, ob ein Blatt trägt, habe ich unter Sichere Stiche zählen aufgeschrieben. Ehrlich gesagt sehe ich am Stammtisch öfter das zweite: Es wäre durchaus ein kleines Spiel drin gewesen, aber keiner wollte den Kopf hinhalten.

Wenn bei euch der Ramsch gilt, ändert das die Rechnung beim Passen übrigens spürbar. Ein Ramsch kann teuer werden, wenn man am Ende auf einem Berg Augen sitzt. Manche Runden vereinbaren deshalb, dass die Vorhand vor dem Ramsch noch eingreifen darf.

Die Vorhand hat das letzte Wort

Die Vorhand sitzt in dieser Situation am längeren Hebel, und das solltest du nutzen. Weil sie auch ohne Gebot ein Spiel zum Reizwert 18 ansagen darf, hat sie immer die Wahl: mitpassen und den Ramsch riskieren, oder ein billiges, aber sicheres Spiel ansagen und dem Ramsch entgehen.

Spielt ihr mit Ramsch und ich sitze mit einem müden, aber nicht ganz hoffnungslosen Blatt in der Vorhand, dann überlege ich mir das Passen zweimal. Ein einfaches Farbspiel, das ich mit Ach und Krach über 61 bringe, ist mir oft lieber als ein Ramsch, bei dem ich die Kontrolle über die Augen verliere. Aber Vorsicht: Ein angesagtes Spiel muss ich auch gewinnen. Sage ich aus reiner Ramsch-Angst ein Spiel an, das ich nicht halte, verliere ich den doppelten Spielwert und stehe schlechter da als nach dem schlimmsten Ramsch. Welche Spielart zu einem schwachen Blatt noch passt, bespreche ich unter Welches Spiel spielen?, und den Reizwert prüfst du vorher mit dem Reizwert-Rechner.

Neu geben oder Ramsch: was ich lieber mag

Wenn mich jemand am Tisch fragt, wie wir eingepasste Spiele handhaben sollen, plädiere ich meistens für den Ramsch, und zwar nicht aus Prinzip, sondern weil er den Abend interessanter macht. Neu geben ist sauber und schnell, aber es fühlt sich an wie ein geschenkter Zug ohne Inhalt. Ein Ramsch dagegen verlangt genau die Fähigkeiten, die man sonst im Gegenspiel braucht: wenig Augen einsammeln, dem Nachbarn die dicken Karten überlassen, im richtigen Moment abwerfen. Wer Ramsch spielen kann, wird auch als Gegenspieler besser.

Es gibt aber gute Gründe für die einfache Variante. In einer Runde, die schnell viele Spiele hinter sich bringen will, oder wenn Anfänger mit am Tisch sitzen, die vom Ramsch nur verwirrt werden, ist Neu geben die klare, streitfreie Lösung. Und wer sich an den Turnierskat gewöhnen möchte, spielt ohnehin am besten von Anfang an ohne Ramsch, weil er dort nicht vorkommt.

Ein kleines Beispiel aus einer meiner Runden: Dreimal hintereinander passte alles durch, dreimal spielten wir Ramsch, und einer von uns fing sich zweimal einen dicken Batzen Augen ein, weil er die falschen Stiche machte. Am Ende des Abends stand genau das in der Liste. Hätten wir jedes Mal neu gegeben, wäre nichts passiert. So aber wurde aus drei toten Blättern echtes Spiel. Genau deshalb mag ich die Konvention, solange alle sie kennen und wollen.

Klärt vor dem ersten Spiel, was gilt

Weil hier offizielle Regel und Tischbrauch auseinandergehen, entstehen genau an dieser Stelle die meisten Diskussionen. Ich mache es mir zur Gewohnheit, an einem fremden Tisch vor dem ersten Geben eine einzige Frage zu stellen: Was passiert bei euch, wenn alle passen, neu geben oder Ramsch? Und wenn Ramsch, welche Variante? Diese halbe Minute erspart später jeden Streit. Zum guten Ton am Tisch gehört das ohnehin dazu, mehr davon steht unter Skat-Etikette.

Zusammengefasst: Offiziell wird ein eingepasstes Blatt neu gegeben, ohne dass jemand etwas gewinnt oder verliert. Sehr viele Freizeitrunden spielen stattdessen einen Ramsch, aber nur, weil sie es vereinbart haben. Und die Vorhand darf immer noch ein Spiel ansagen, wenn sie den Ramsch vermeiden will, solange sie es sich zutraut. Wer diese drei Punkte kennt, steht auch dann sicher da, wenn am Tisch mal keiner spielen mag.