Am Doppelkopftisch kippt die Stimmung schnell, wenn jemand “Re!” ruft und der Nachbar sofort einwirft: “Zu spät, die Karte liegt schon auf dem fünften Stich.” Dann wird gezählt, diskutiert, und am Ende weiß keiner mehr genau, wonach eigentlich gezählt wird. Ich habe das an vielen Tischen erlebt, und fast immer liegt der Streit an derselben Verwechslung: Die Fristen für Re, Kontra und die Absagen zählen in Karten, die du noch in der Hand hältst, nicht in Stichen, die schon gespielt wurden. Das klingt wie eine Kleinigkeit, ist aber der Punkt, an dem die meisten Tische scheitern. In diesem Artikel gehe ich die Ansage-Fristen der Reihe nach durch, zeige dir, warum der erste Stich “Freistich” heißt, und erkläre die eine Regel, die fast nirgends richtig erklärt wird: die Erwiderung, wenn die Gegenpartei vor dir ansagt. Wenn dir die Grundlagen noch fehlen, lies vorher die Doppelkopf-Regeln für Anfänger.

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Der Freistich: deine erste Chance auf Re oder Kontra

Turnierregel: Die Erstansage “Re” (mit beiden Kreuz-Damen) oder “Kontra” (gegen die Kreuz-Damen) muss die ansagende Partei spätestens machen, solange der ansagende Spieler noch mindestens 11 Karten in der Hand hält. Genau deshalb heißt der erste Stich der “Freistich”: Du bekommst ihn geschenkt, um in aller Ruhe zu entscheiden, ob du ansagst.

Gedanklich rechnest du so: Zu Beginn hältst du 12 Karten. Spielst du deine erste Karte zum ersten Stich aus oder zu, hältst du noch 11, und genau das reicht noch für die Erstansage. Spielst du aber schon deine zweite Karte, zum zweiten Stich, hältst du nur noch 10 Karten, und die Frist für Re oder Kontra ist endgültig verstrichen. Das Fenster für die Erstansage reicht also genau bis zum Ende des ersten Stichs, keine Karte weiter.

Eine Ansage darfst du übrigens auch machen, wenn du gerade nicht selbst an der Reihe bist mit Kartenlegen. Und früher ist immer erlaubt: “mindestens 11 Karten” heißt, du darfst schon ansagen, wenn du noch 12 hältst, also bevor überhaupt eine Karte gefallen ist. Das verschiebt spätere Fristen nicht nach vorn, sie bleiben, wo sie sind.

Mit der Ansage zeigt deine Partei außerdem, zu wem sie gehört, was wiederum für die Partnererkennung der Gegenseite wichtig wird. Wie Mitspieler aus Ansagen, Schmierverhalten und der Kreuz-Dame ihre eigene Partei zusammenpuzzeln, erkläre ich ausführlich im Artikel Partner erkennen beim Doppelkopf.

Warum Karten in der Hand zählen, nicht Stiche

Hier liegt der eigentliche Stolperstein, und ich will ihn so unmissverständlich machen wie möglich: Die Doppelkopf-Turnierregeln zählen die Frist durchgehend in Karten, die noch in deiner Hand liegen, nicht in Stichen, die bereits abgeschlossen sind. Eine Karte gilt als “in der Hand”, solange sie nicht offen auf dem Tisch liegt. Sobald du sie spielst, ist sie weg, egal ob der Stich danach noch offen herumliegt oder schon eingezogen wurde.

Wenn du es dir lieber in Stichen merken willst, hier die Umrechnung, einmal und endgültig: Die Erstansage ist noch im gesamten ersten Stich möglich, danach nicht mehr. Keine 90 ist noch im zweiten Stich möglich. Keine 60 noch im dritten. Keine 30 noch im vierten. Schwarz noch im fünften. Aber merk dir bitte die Karten-Zahlen selbst, denn genau die stehen im Regelwerk, und genau die zählt am Tisch im Streitfall. Wer nach Stichen zählt und sich dabei um einen vertut, sagt entweder zu früh oder zu spät an.

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Die Absagen: eine Leiter mit eigenen Fristen

Wenn dein Blatt nach der Erstansage noch stärker aussieht, kannst du draufsatteln. Turnierregel: Eine Absage ist nur zulässig, wenn deine eigene Partei vorher eine regelgerechte Erstansage gemacht hat. Ohne Re oder Kontra gibt es keine keine 90, keine 60, keine 30 oder schwarz.

Die 240 Augen des Spiels sind dafür in Stufen zu je 30 Augen eingeteilt. “Keine 90” behauptet, die Gegenpartei bleibt unter 90 Augen. “Keine 60” und “keine 30” behaupten entsprechend weniger, und “schwarz” behauptet, die Gegenpartei macht keinen einzigen Stich. Jede dieser Absagen hat ihre eigene, eine Karte spätere Frist als die vorherige:

Ansage mindestens so viele Karten noch in der Hand
Erstansage (Re oder Kontra) 11
Keine 90 10
Keine 60 9
Keine 30 8
Schwarz 7

Du darfst dabei Stufen überspringen, solange die Frist der übersprungenen Stufe noch nicht abgelaufen ist. Sagst du direkt “keine 60” an, ohne vorher “keine 90” gesagt zu haben, zählen trotzdem beide Stufen in der Wertung, solange du beide noch innerhalb ihrer jeweiligen Frist gesagt hast. Was du dagegen nicht kannst: eine verpasste Absage später nachholen. Ist die Frist für “keine 90” vorbei, bleibt sie vorbei, egal wie gut dein Blatt danach noch aussieht.

Für den Spieltisch lohnt sich ein Spickzettel mit genau dieser Tabelle. Ich habe eine druckfertige Version mit allen Fristen und der Trumpfreihenfolge im Doppelkopf-Spickzettel zusammengestellt.

Was eine Ansage für den Sieg bedeutet

Ansagen verschieben nicht nur die Wertung am Ende, sie verschieben auch die Grenze, ab der eine Partei überhaupt gewinnt. Turnierregel: Ohne jede Ansage gewinnt die Re-Partei mit 121 Augen, die Kontra-Partei schon mit 120. Dieser eine Augen-Unterschied ist die Grundasymmetrie des Spiels: Die Kreuz-Damen-Partei hat die etwas stärkere Ausgangslage, deshalb braucht die Kontra-Partei ohne Ansage einen Punkt weniger.

Genau hier entsteht der häufigste Tischstreit, denn diese Asymmetrie kippt, sobald eine Ansage fällt. Wurde nur “Kontra” angesagt und die Re-Partei hat sich mit nichts gebunden, reicht der Re-Partei bereits das 120. Auge zum Sieg, während die Kontra-Partei, die sich mit ihrer Ansage selbst verpflichtet hat, jetzt tatsächlich 121 Augen braucht. Die Partei, die ansagt, hebt also ihre eigene Hürde an und senkt gleichzeitig die der Gegenseite. Wer ansagt, geht ein Risiko ein, keine billige Mutprobe.

Verpasst heißt verloren, auch mit Punktemehrheit

Das ist die bitterste Lektion am Doppelkopftisch, und sie trifft Anfänger regelmäßig: Turnierregel: Hat eine Partei eine Absage gemacht und das angesagte Ziel nicht erreicht, hat sie nicht gewonnen, selbst wenn sie am Ende die klare Mehrheit der Augen hält.

Ein Beispiel, wie es tatsächlich am Tisch passiert: Die Re-Partei sagt bei starkem Blatt zusätzlich “keine 90” ab. Sie behauptet damit, die Kontra-Partei bleibe unter 90 Augen. Das Spiel läuft, und am Ende landet die Kontra-Partei bei 95 Augen, die Re-Partei bei 145. Rein nach der normalen Siegschwelle wäre Re mit 145 Augen klar durch, 121 wären ja genug gewesen. Aber die Re-Partei hat sich selbst mit “keine 90” gebunden, und die Kontra-Partei hat dieses Limit mit 95 Augen überschritten. Re hat sein eigenes Versprechen gebrochen und verliert, trotz satter Punktemehrheit. Die Kontra-Partei bekommt sogar noch einen Zusatzpunkt dafür, dass sie das abgesagte Ziel erreicht hat. Diese Regel ist der Grund, warum erfahrene Spieler mit Absagen deutlich vorsichtiger sind als mit der einfachen Erstansage.

Die Erwiderung: wenn die Gegenpartei vor dir ansagt

Das ist die Stelle, die in den wenigsten deutschen Erklärungen überhaupt vorkommt, obwohl sie ständig vorkommt: Was passiert, wenn die Gegenpartei ansagt, während deine eigene Partei noch gar nichts gesagt hat?

Turnierregel: Du darfst dann mit dem Gegenwort antworten, also “Kontra” gegen ein angesagtes “Re” oder “Re” gegen ein angesagtes “Kontra”. Diese Erwiderung ist noch eine Karte später erlaubt, als es für eine Erstansage nötig wäre. Sagt die Gegenpartei also regelgerecht bei 11 Karten an, darfst du mit der Erwiderung noch bei 10 Karten reagieren.

Jetzt kommt der Teil, auf den du wirklich achten musst. Willst du an diese Erwiderung direkt eine eigene Absage anhängen, zum Beispiel “Re, und keine 90”, dann zählt diese Absage nur, wenn deine Erwiderung selbst auch als Erstansage rechtzeitig gewesen wäre, also während du noch mindestens 11 Karten in der Hand hattest. Die Bedingung hängt an der Erwiderung, nicht an der Absage selbst, und das wird fast überall übersehen.

Ein Beispiel macht das greifbar. Die Kontra-Partei sagt bei 11 Karten “Kontra” an. Deine Partei hat noch nichts gesagt. Antwortest du sofort, ebenfalls bei 11 Karten, mit “Re”, und hängst “keine 90” an, zählt beides, denn deine Erwiderung kam früh genug, um auch als eigene Erstansage zu gelten. Wartest du dagegen und antwortest erst bei 10 Karten, nutzt du zwar die erlaubte zusätzliche Karte der Erwiderungsregel aus, deine “Re” zählt also noch. Aber die angehängte “keine 90” zählt dann nicht mehr, obwohl für “keine 90” allein 10 Karten eigentlich reichen würden. Der Grund: Deine Erwiderung selbst war zu diesem Zeitpunkt keine gültige Erstansage mehr, und ohne gültige Erstansage zum richtigen Zeitpunkt gibt es keine Absage dazu.

Was Ansagen und Absagen in der Wertung bringen

Turnierregel: Für die Spielwertung bringt ein angesagtes “Re” der Re-Partei 2 Zusatzpunkte, ein angesagtes “Kontra” der Kontra-Partei ebenfalls 2. Jede weitere Absage, egal ob keine 90, keine 60, keine 30 oder schwarz, bringt der ansagenden Partei je einen weiteren Punkt, sofern das Ziel am Ende auch erreicht wurde.

Hausregel: An vielen Tischen wird hier abgewichen, manche zählen nur 1 Punkt pro Ansage, andere verdoppeln die Werte in bestimmten Runden. Das ist reine Tischvereinbarung und keine Turnierregel. Welche Varianten dabei am häufigsten vorkommen, findest du im Artikel Doppelkopf-Hausregeln im Überblick.

Fazit: Karten zählen, nicht Stiche, und mit Absagen sparsam sein

Die Ansage-Fristen beim Doppelkopf sind kein Hexenwerk, aber sie verzeihen keine Unschärfe. Merke dir die Zahlen 11, 10, 9, 8, 7 als Karten in deiner Hand, nicht als Stiche auf dem Tisch, und du wirst am Tisch nie wieder in die Falle tappen. Sag Re oder Kontra noch im Freistich an, wenn du dir sicher bist, und spar dir die Absagen für Blätter, die wirklich tragen, denn eine verpasste Absage kostet dich das Spiel, auch wenn am Ende die Mehrheit der Augen bei dir liegt. Und falls die Gegenpartei dir die Entscheidung abnimmt, indem sie zuerst ansagt, denk an die Erwiderungsregel: Du darfst antworten, aber eine angehängte Absage zählt nur, wenn deine Antwort selbst früh genug kam, um als eigene Erstansage zu gelten.