Beim Ramsch geht es darum, möglichst wenige Augen einzusammeln, und wer am Ende die meisten hat, zahlt. So weit die Grundidee. Am Stammtisch höre ich dann aber regelmäßig einen Satz, der neue Spieler verwirrt: “Aufpassen, sonst wirst du Jungfrau.” Klingt harmlos, hat es aber in sich, denn eine Jungfrau am Tisch verändert die ganze Abrechnung. In diesem Beitrag erkläre ich, was die Jungfrau genau ist, wie sie sich auf die Punkte auswirkt, wie sie mit dem Durchmarsch und einer Bockrunde zusammenspielt und warum du sie unbedingt vor dem ersten Ramsch absprechen solltest.

Wenn du mit dem Ramsch selbst noch nicht ganz vertraut bist, lies zuerst meinen Grundlagenartikel zum Ramsch. Dort steht, wie das Spiel zustande kommt, wie gezählt wird und warum die Buben ihre Sonderrolle behalten. Hier geht es nur um diese eine Regel.

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Was eine Jungfrau ist

Eine Jungfrau ist ein Spieler, der über den gesamten Ramsch hinweg keinen einzigen Stich bekommt. Nicht wenige Augen, nicht ein kleiner Stich, sondern gar keiner. Zehn Stiche werden gespielt, und wenn drei davon bei dem einen Nachbarn landen, sieben beim anderen und keiner bei dir, dann bist du Jungfrau.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Stichen und Augen. Für die Jungfrau zählt allein, ob du überhaupt einen Stich nach Hause holst. Ob dieser Stich viel oder wenig wert ist, spielt keine Rolle. Selbst ein Stich aus drei Luschen, also drei wertlosen Karten mit null Augen, hebt den Status auf. Du hast dann zwar keinen einzigen Punkt kassiert, bist aber trotzdem keine Jungfrau mehr, weil ein Stich vor dir liegt. Diese Feinheit ist der Grund, warum erfahrene Ramscher manchmal absichtlich einen mageren Stich verschenken: nicht um Augen zu vermeiden, sondern um den anderen aus der Jungfrau zu holen und die Verdopplung zu verhindern.

Wie sich die Jungfrau auf die Wertung auswirkt

Die verbreitetste Regelung ist einfach: Wird ein Spieler Jungfrau, verdoppeln sich die Minuspunkte des Verlierers. Verlierer ist beim Ramsch immer der Spieler mit den meisten Augen. Zur Erinnerung, im Skatblatt stecken insgesamt 120 Augen; wer davon die größte Zahl abbekommt, schreibt sie sich als Minus an. Sitzt eine Jungfrau am Tisch, wird dieser Betrag verdoppelt.

Ein Beispiel aus einer typischen Runde. Anton bekommt 78 Augen, Bernd 42, und ich gehe leer aus, bin also Jungfrau. Ohne Sonderregel schriebe sich Anton 78 Minuspunkte an. Weil ich Jungfrau bin, werden daraus 156. Ein einziger unglücklicher Ramsch kann so richtig teuer werden, und genau das ist der Reiz: Die Jungfrau bestraft den, der sich die dicken Stiche eingefangen hat, gleich doppelt.

Wie die Augen im Detail zusammenkommen, kannst du in meinem Beitrag zum Augenzählen nachlesen, und die Werte der einzelnen Karten stehen kompakt in der Punkteliste. Beim Ramsch ist sauberes Zählen besonders wichtig, weil oft nur wenige Augen über Gewinn und Verlust entscheiden.

Ich will ehrlich bleiben: Auch bei der Jungfrau kocht jeder Tisch sein eigenes Süppchen. Die meisten Runden verdoppeln die Minuspunkte des Verlierers, so wie oben beschrieben. Andere schreiben der Jungfrau selbst eine Gutschrift an, wieder andere verdoppeln nur, wenn die Jungfrau bei einem bestimmten Spieler gegen einen anderen entsteht. Verlass dich nicht auf eine einzige richtige Fassung, sondern frag in der Runde, bevor die ersten Karten fallen. Ramsch und alles, was dazugehört, ist Tischabsprache und steht so nicht in der offiziellen Skatordnung.

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Warum es die Regel überhaupt gibt

Man könnte fragen, wozu diese Verdopplung gut ist. Sie hat einen praktischen Zweck. Ohne Jungfrau-Regel würden manche Ramschrunden zäh, weil jeder nur ängstlich seine hohen Karten abwirft und niemand ein Risiko eingeht. Die Aussicht, dass ein leerer Spieler das Minus des Verlierers verdoppelt, bringt Bewegung ins Spiel. Plötzlich lohnt es sich, gezielt auf die eigene Jungfrau zu spielen, und ebenso lohnt es sich, einem Mitspieler mit einem kleinen Stich die Jungfrau zu vermasseln. Aus einer trägen Runde wird ein kleines Katz-und-Maus-Spiel, und genau das macht den Ramsch für viele erst interessant.

Doppelte Jungfrau und der Durchmarsch

Jetzt wird es interessant. Was passiert, wenn zwei Spieler keinen Stich machen? Dann gibt es nur eine Möglichkeit: Der dritte Spieler hat alle zehn Stiche selbst geholt. Und damit sind wir beim genauen Gegenteil der Jungfrau, dem Durchmarsch.

Beim Durchmarsch nimmt ein Spieler sämtliche Stiche und dreht das Spiel dadurch komplett um. Statt als Verlierer mit allen 120 Augen dazustehen, gewinnt er den Ramsch. Zwei Jungfrauen am Tisch bedeuten also automatisch einen Durchmarsch des dritten. Wie dieser gewertet wird und wann sich das Wagnis lohnt, habe ich ausführlich im Beitrag zum Durchmarsch beschrieben. Für die Jungfrau ist nur wichtig, dass die beiden Sonderfälle die zwei Enden derselben Skala sind: keinen Stich zu machen ist gut, alle Stiche zu machen ist noch besser, und alles dazwischen kann teuer werden.

Wenn sich die Verdopplungen stapeln

Ramsch wird oft in Sonderrunden gespielt, und dann treffen mehrere Konventionen aufeinander. Der häufigste Fall ist die Bockrunde. In einer Bockrunde zählt ohnehin alles doppelt, und wenn in genau diesem Ramsch auch noch eine Jungfrau entsteht, multiplizieren sich die Faktoren. Aus dem einfachen Minus wird dann durch Bock mal zwei und durch Jungfrau noch einmal mal zwei, also insgesamt das Vierfache.

Bleiben wir bei Antons 78 Augen. In einer normalen Runde mit Jungfrau wären das 156 Minuspunkte. Fällt derselbe Ramsch in eine Bockrunde, landet Anton bei 312. Solche Beträge reißen an einem gemütlichen Abend jede Bilanz ein. Ich sage das nicht, um Angst zu machen, sondern weil ich schon erlebt habe, wie eine einzige unbedachte Runde die ganze Tabelle auf den Kopf gestellt hat. Wer weiß, dass Bock und Jungfrau zusammenkommen können, spielt in solchen Runden merklich vorsichtiger. Wie Bockrunden ausgelöst werden und wie lange sie laufen, steht in meinem Beitrag zur Bockrunde.

Meine Praxis: Jungfrau vermeiden oder erzwingen

Aus vielen Ramschabenden habe ich ein paar Gewohnheiten mitgenommen, die ich dir gern weitergebe.

Erstens: Behalte im Blick, wer noch keinen Stich hat. In den ersten Runden merkt man kaum darauf, aber ab dem sechsten oder siebten Stich lohnt es sich, kurz zu prüfen, ob einer der Mitspieler noch komplett leer ausgeht. Wenn ja, wird die Verdopplung real, und das ändert deine Rechnung.

Zweitens: Schenke im Zweifel einen kleinen Stich her, wenn du damit eine drohende Jungfrau beim Gegenüber verhinderst und selbst der Verlierer zu werden drohst. Ein magerer Stich mit ein paar Augen ist ärgerlich, aber deutlich billiger als die Verdopplung deiner ganzen Minuspunkte. Genau hier zahlt sich das Wissen aus, dass schon ein Stich aus drei Luschen genügt.

Drittens: Wenn du selbst früh sauber bist, also noch keinen Stich hast und deine Karten dich vermutlich auch weiter aus den Stichen halten, dann spiele bewusst auf die eigene Jungfrau. Du drückst damit nicht nur deine eigenen Augen auf null, sondern verdoppelst zugleich das Minus dessen, der sich die schweren Stiche einfängt. Das ist der schönste Ausgang, den ein Ramsch für dich bereithält, abgesehen vom Durchmarsch.

Und viertens, das Wichtigste: Sprich die Regel vor dem Spiel ab. Ich habe genug Diskussionen erlebt, die entstanden, weil der eine die Jungfrau kannte und der andere nicht. Zwei Minuten Absprache am Anfang ersparen viel Ärger am Ende.

Kurz zusammengefasst

Die Jungfrau ist ein Spieler, der beim Ramsch keinen einzigen Stich macht. Als Folge verdoppeln die meisten Runden die Minuspunkte des Verlierers. Schon ein Stich aus drei wertlosen Karten hebt den Status auf, denn es zählt der Stich, nicht die Augenzahl. Machen zwei Spieler keinen Stich, hat der dritte alle geholt, und aus der doppelten Jungfrau wird ein Durchmarsch. In einer Bockrunde stapeln sich die Faktoren bis zum Vierfachen. All das ist Tischkonvention und keine offizielle Regel, deshalb gilt wie beim ganzen Ramsch: vorher absprechen, dann entspannt spielen.